# LCMS Convention Proceedings_St. Louis Missouri_1848_S35 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) — 35 — treten zu laſſen und daher eine Kirchenregierung durch Repräſentanten einzu⸗ richten, auf welche ſie ihre Rechte devolviren; wie das u. a. in unſerem deutſchen Vaterlande der Fall war und iſt. So unleugbar aber daher auch unſere Gemeinden die Freiheit hatten, nach dieſem Vorbilde unſere in ihrem Namen ſich verſammelnde Synode mit einer Gewalt noch außer der des Wortes zu bekleiden, ſo iſt doch eine andere Frage, ob es weiſe geweſen wäre, wenn ſie ſo gethan hätten. Und ich meine, nein; und zwar darum, weil wir unter unſern dermaligen Verhältniſſen ge⸗ rade bei dem alleinigen Gebrauche der Gewalt des Wortes allein ein fröh⸗ liches Gedeihen unſeres Werkes, oder vielmehr des Werkes Gottes, das wir treiben, zuverſichtlich hoffen können. Und das iſt die zweite Urſache, warum wir unſer Werk hier mit Freuden treiben ſollen und können, obwohl wir keine Gewalt, als die Gewalt des Wortes, beſitzen. Es mag ſein, daß es Zeiten und Verhältniſſe gibt, wo es der Kirche er⸗ ſprießlich iſt, die oberſte beſchließende und ordnende Gewalt in die Hände Ein⸗ zelner, in die Hände von Vertretern zu legen. Wer wollte es z. B. in Abrede ſtellen, daß die Conſiſtorien in unſerm deutſchen Vaterlande der Kirche zu ſeiner Zeit zu unausſprechlichem Segen geweſen ſind, inſonderheit als noch die Weiſſagung Jeſaiä auch an der deutſchen lutheriſchen Kirche ſich erfüllte: „Und die Könige ſollen deine Pfleger, und die Fürſtinnen deine Säugammen ſein"? (Cap. 49, 23.) Wer dürfte ferner, mit der Geſchichte nur ein wenig vertraut, es ableugnen, daß die ſchwediſche Kirche auch unter ihrer biſchöf⸗ lichen Verfaſſung ſich herrlich erbaut habe, inſonderheit ſo lange Män⸗ ner, wie ein Laurentius Petri, der berühmte ſchwediſche Bibelüberſetzer und Schüler Luthers, die biſchöfliche Würde, und ſo lange Männer, wie die bei⸗ den Guſtave, Schwedens Königskrone trugen? Thun wir aber einen Blick auf die Lage, in welcher ſich die Kirche hier befindet, ſo können wir ſchwerlich eine andere Verfaſſung für die heilſamſte erkennen, als diejenige, bei welcher ſich die Gemeinden frei ſelbſt regieren, aber zu gegenſeitiger brüderlicher Be⸗ rathung, Beaufſichtigung und Hülfsleiſtung und zu vereinter Ausbreitung des Reiches Gottes und Ermöglichung und Förderung der Zwecke der Kirche im Allgemeinen, in einen Synodalverband treten, wie derſelbe mit Gottes Hülfe unter uns beſteht. Es iſt wahr, hätten uns unſere Gemeinden volle Gewalt gegeben, in ihrem Namen zu beſchließen und anzuordnen, ſo ſcheint es, es würde uns dann ein Leichtes geweſen ſein, allen Gemeinden unſeres Bezirks in kurzem die Geſtalt echt lutheriſcher Gemeinden zu geben, während uns bei unſerer beſtehenden Verfaſſung alle Hände gebunden ſeien. Aber es ſcheint nur ſo. Mag es immerhin Gemeinden geben, welche die Freiheit, die ſie haben, unſere Vorſchläge zurückzuweiſen, gebrauchen, auch wenn dieſelben heilſam ſind; dadurch entziehen ſie ſich freilich einen Segen; aber was würde die Folge da⸗ von ſein, wenn ſolche Gemeinden durch ihren Eintritt in unſeren Verband ſich verbindlich gemacht hätten, allen unſern Anordnungen ſich zu fügen? Die Ausübung unſerer Gewalt würde bei ihnen den Grund legen zu ſtetem Mißvergnügen, zu immer neu erwachender Furcht vor hierarchiſchen Beſtre⸗ bungen und ſo zu endloſen Reibungen. In einer Republik, wie die Ver⸗ einigten Staaten von Amerika ſind, wo der Sinn für Freiheit und Unab⸗ hängigkeit von Menſchen von Jugend auf ſo ſtark genährt wird, könnte es nicht anders kommen, als daß eine auch noch ſo gut gemeinte Beſchränkung der⸗ ſelben über die von Gott ſelbſt gezogenen Schranken hinaus bei Vielen einen Widerſtand ſelbſt gegen ſolche Anordnungen hervorriefe, welche man bei zu⸗ geſtandener Freiheit, dieſelben anzunehmen oder zurückzuweiſen, ange⸗