# LCMS Convention Proceedings_St. Louis Missouri_1848_S34 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) — 34 — von Herzensgrunde; nicht als die über das Volk herrſchen, ſon⸗ dern werdet Vorbilder der Heerde." Gleicherweiſe ermahnt Paulus ſeinen Timotheus: „Einen Alten ſchilt nicht, ſondern ermahne ihn als einen Vater; die Jungen als die Brüder; die alten Weiber als die Mütter, die jungen als die Schweſtern mit aller Keuſchheit." Nur Eine Gewalt geſtehen die heiligen Apoſtel denen, die der Kirche regierend dienen ſollen, zu, nemlich die Gewalt des Wortes; ſo ſchreiben nemlich dieſelben Apoſtel; erſtlich St. Pe⸗ trus: „So jemand redet, daß er es rede als Gottes Wort — auf daß in allen Dingen Gott geprieſen werde, durch JEſum Chriſtum"; ſodann ſchreibt St. Paulus an ſeinen Timotheus: „Predige das Wort, halte an, es ſei zu rechter Zeit, oder zur Unzeit." So iſt es denn außer Zweifel, Ehrwürdige Brüder im Amte und hoch⸗ geehrte Gemeindeabgeordnete! wir entſagen keinem uns zuſtehenden Rechte, wenn wir, als Diener der Kirche und als Glieder eines kirchlichen Synodus, auf keine andere Gewalt Anſpruch machen, als auf die Gewalt des Wortes, denn in der Kirche, wo allein Chriſtus herrſcht, ſoll und kann es keine andere Gewalt geben, der ſich alle unterwerfen müßten. Zwar gibt es Dinge, über welche Gottes Wort nichts beſtimmt und die dennoch in der Kirche geordnet werden müſſen; aber alle ſolche Dinge ſollen durch keine über der Gemeinde ſtehende Gewalt geordnet werden, ſondern die Gemeinde (d. i. Lehrer und Zuhörer) ordnet ſie ſelbſt, frei von allem Zwang, je nachdem es ihr noth thut und heilſam erſcheint. Was thun alſo diejenigen, die in der Kirche irgend eine Gewalt außer der des Wortes beanſpruchen? Sie berauben Chriſti Kirche der Freiheit, die er ihr mit ſeinem Gottesblute ſo theuer erarnet hat, und würdigen dieſes freie Jeruſalem, das droben iſt, in welchem es eitel Könige, Prieſter und Propheten gibt, dieſes Gottesreich, dieſes himmliſche Reich der Wahrheit, zu einer poli⸗ zeilichen Anſtalt herab, in welcher man unterthan ſein müſſe jeder menſchlichen Ordnung. Sie ſtehen Chriſto, dem einigen wahren Könige, nach ſeiner kö⸗ niglichen Krone, und machen ſich ſelbſt zu Königen über ſein Reich; ſie ſtoßen Chriſtum, den einigen wahren Meiſter, von ſeinem Lehrſtuhle, und werfen ſich ſelbſt zu Meiſtern in ſeiner Kirche auf; ſie ſuchen Chriſtum, das einige wahre Haupt, von ſeiner Kirche loszutrennen und ermächtigen ſich, ſelbſt Häupter ſeines geiſtlichen Leibes zu ſein. Sie erheben ſich über die heiligen Apoſtel und maßen ſich eine Gewalt an, die in Gottes Wort ihnen rund abgeſprochen, ja die von Gott keinem Menſchen, keiner Creatur, ſelbſt keinem Engel noch Erzengel verliehen iſt. Kann es uns daher wohl niederſchlagend ſein, meine Brüder, daß wir nicht nur überhaupt in unſeren amerikaniſchen Predigtämtern mit keiner an⸗ dern Gewalt betraut ſind, als mit der Gewalt des Wortes, ſondern auch in⸗ ſonderheit dieſer unſerer Verſammlung keine andere Gewalt verliehen iſt? O wahrlich, nein! Gerade das muß uns erwecken, unſer Amt in dieſem Lande und unſer gegenwärtiges Werk mit großen Freuden zu treiben; denn ſo be⸗ hauptet die Kirche auch unter uns ihren wahren Charakter, den eines Him⸗ melreichs; ſo bleibt Chriſtus unter uns, was er iſt, nemlich der einige Herr, der einige König, das einige Haupt, der einige Meiſter; und unſer Amt und Werk behält die rechte apoſtoliſche Geſtalt. Wie könnte uns nach einer Gewalt lüſten, die Chriſtus uns verſagt und die kein Apoſtel ſich zugeeignet und ausgeübt hat, und die unſeren Gemeinden den Charakter der wahren Kirche und die rechte apoſtoliſche Geſtalt rauben würde! — Doch es iſt allerdings nicht zu leugnen, daß die Gemeinden die Freiheit haben, ſich ihrer Freiheiten und Rechte in manchen Dingen zu begeben, ſich ver⸗