# LCMS Convention Proceedings_St. Louis Missouri_1848_S33 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) — 33 — ſogleich hinzu: „Nicht, daß wir Herren ſeien über euren Glauben, ſondern wir ſind Gehilfen eurer Freude." Als ferner derſelbe Apoſtel dieſe Gemeinde zu Corinth zu einer Steuer für die Armen dringend ermahnt hatte, da ſetzt er hinzu: „Nicht ſage ich, daß ich etwas gebiete; ſondern dieweil andere ſo fleißig ſind, verſuch ich auch eure Liebe, ob ſie rechter Art ſei." Schon vor⸗ her hatte es der Apoſtel den Corinthern bezeugt, als dieſelben mehr auf die Perſonen, als auf das von ſelbigen gepredigte Wort achteten: Wer iſt Pau⸗ lus? Wer iſt Apollo? Diener ſind ſie, durch welche ihr ſeid gläubig ge⸗ worden. Darum rühme ſich niemand eines Menſchen. Es iſt alles euer. Es ſei Paulus oder Apollo, es ſei-Kephas oder die Welt, es ſei das Leben oder der Tod, es ſei das Gegenwärtige oder Zukünftige: alles iſt euer. Ihr aber ſeid Chriſti, Chriſtus aber iſt Gottes." Selbſt bei Wahlen und Ein⸗ ſetzungen von Beamten für die leiblichen Bedürfniſſe der Gemeinden machten daher die Apoſtel nicht auf das Recht Anſpruch, dieſelben allein zu vollziehen. Als in Jeruſalem die Almoſenpfleger erwählt werden ſollten, da redeten die Apoſtel die Gemeinde alſo an: „Ihr lieben Brüder, ſehet unter euch nach ſieben Männern, die ein gutes Gerücht haben, und voll Heiligen Geiſtes und Weisheit ſind, welche wir beſtellen mögen zu dieſer Nothdurft. Wir aber wollen anhalten am Gebet und am Amt des Wortes." Hierauf heißt es: „Und die Rede gefiel der ganzen Menge wohl; und erwählten Stephanum u. ſ. w. Dieſe ſtelleten ſie vor die Apoſtel." Als ferner, nach Bericht der Apoſtel⸗ geſchichte im 21. Capitel, Paulus bei der Gemeinde zu Jeruſalem in den Ruf gekommen war, als ſei er ein Feind des moſaiſchen Geſetzes, und als derſelbe auf ſeiner Reiſe endlich nach Jeruſalem ſelbſt kam, da wollten Jacobus und die Aelteſten die Entſcheidung der Sache nicht allein auf ſich nehmen, noch die Gemeinde zwingen, ſich mit ihrem Urtheil zufrieden zu ſtellen, ſondern ſogleich war es bei dem ganzen Kirchenvorſtand Eine Stimme: „Was iſt es denn nun? Allerdinge muß die Menge zuſammen kommen: denn es wird vor ſie kommen, daß du gekommen biſt." Als ferner nach Apoſtelgeſchichte am 15. unter den Chriſten in Antiochien ein Streit darüber entſtand, ob die aus den Heiden Bekehrten ſich beſchneiden laſſen müßten, und Paulus und Barnabas die uneinige Menge nicht beſchwichtigen konnten, da erwählte die Gemeinde die Letzteren und andere, welche ſie als ihre Deputirten nach Jeru⸗ ſalem ſandte, damit man ſich hier, wo nicht nur ein Petrus und Jacobus, ſondern auch die größte Menge bekehrter und angeſehener Juden ſich befand, Raths erhole. Was geſchieht? Die Apoſtel und Aelteſten verſammeln ſich, dieſe Rede zu beſehen; aber auch ſie wagen nicht, die Gemeinde hierbei aus⸗ zuſchließen; alles kommt zuſammen; es entſteht von verſchiedenen Seiten Rede und Widerrede; endlich treten Petrus und Jacobus auf und ſetzen die Sache in das rechte Licht. Hierauf wird ein gemeinſamer Beſchluß gefaßt und derſelbe in einem Synodalbrief niedergelegt, worin es heißt; „Wir, die Apoſtel und Aelteſten und Brüder — es hat uns gut gedäucht, einmüthig⸗ lich verſammelt." Wir ſehen hieraus, wie weit die heiligen Apoſtel davon entfernt waren, irgend eine Herrſchaft über die Gemeinden ſich zu erlauben. Selbſt in den wichtigſten Kirchenverſammlungen geſtatteten ſie den ſogenann⸗ ten Laien nicht weniger Recht, nicht weniger Sitz und entſcheidende Stimme, als ſich ſelbſt. Daher warnen ſie denn auch alle, die ein Amt in der Kirche verwalten, vor allem Herrſchenwollen treulich und ernſtlich. Unter andrem ſchreibt Pe⸗ trus: „Die Aelteſten, ſo unter euch ſind, ermahne ich, der Mitälteſte —: Weidet die Heerde Chriſti, ſo euch befohlen iſt, und ſehet wohl zu, nicht ge⸗ zwungen, ſondern williglich; nicht um ſchändliches Gewinns willen, ſondern 3