# LCMS Convention Proceedings_St. Louis Missouri_1848_S32 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) — 32 — würde; aber nun iſt mein Reich nicht von dannen." Worin aber der wahre, der eigentliche Charakter ſeines Reiches oder ſeiner Kirche beſtehe, das zeigt er an, indem er hinzuſetzt: „Ich bin dazu geboren, und in die Welt gekom⸗ men, daß ich die Wahrheit zeugen ſoll. Wer aus der Wahrheit iſt, der höret meine Stimme." Hieher gehört auch, daß Chriſtus anderwärts ſein Reich ein Himmelreich nennt und daß die heil. Apoſtel es das Haus und die Stadt Gottes, das Jeruſalem, das droben iſt, die Freie, die Gemeine der Erſtgebornen, die im Himmel angeſchrieben ſind, und dergleichen, nennen. Chriſti Reich und Kirche iſt alſo ein Reich der Wahrheit, ein geiſtliches, himmliſches Reich, ein Gottesreich, in welchem lauter freie Bürger des Him⸗ melreichs, Hausgenoſſen Gottes, Propheten, Prieſter und Könige wohnen. Wer iſt nun aber der, welcher die Gewalt in dieſem Reiche hat? — Es iſt allein JEſus Chriſtus. Er erklärt ſich ſelbſt dafür. Er ſpricht: „Ich bin ein König." „Ich bin der gute Hirte." „Einer iſt euer Meiſter: Chri⸗ ſtus." Der Apoſtel aber nennt ihn: „das Haupt der Gemeine über alles; welche da iſt ſein Leib, nemlich die Fülle deß, der alles in allem erfüllet." Wodurch aber Chriſtus die Gewalt in ſeiner Kirche ausübt, obgleich er der⸗ ſelben ſeine ſichtbare Gegenwart entzogen und ſich zur Rechten der Majeſtät in der Höhe geſetzt hat, dies ſehen wir aus der letzten Erklärung, mit welcher er einſt von ſeinen Jüngern ſchied, welche alſo lautet: „Mir iſt gegeben alle Gewalt im Himmel und auf Erden. Darum gehet hin und lehret alle Völker, und taufet ſie im Namen des Vaters, und des Sohnes, und des Heiligen Geiſtes; und lehret ſie halten alles, was ich euch befohlen habe. Und ſiehe, Ich bin bei euch alle Tage, bis an der Welt Ende." Sein Wort alſo, begleitet und beſiegelt mit den heiligen Sacramenten, iſt es, wodurch Chriſtus die Gewalt in ſeiner Kirche übt. Das iſt der „gerade Scepter", womit er ſein Volk beherrſcht, das der „Stecken und Stab", womit er ſeine Heerde weidet. Doch Chriſtus erklärt ſich nicht nur für den, welcher die Gewalt in ſeiner Kirche hat und allein hat und durch ſein Wort übt, ſondern er ſpricht auch allen anderen jegliche andere Gewalt, jegliche andere Herrſchaft, jegliche andere Befehlsmacht in ſeiner Kirche ausdrücklich gänzlich ab. Er ſpricht nicht nur, wie ſchon erwähnt: „Einer iſt euer Meiſter, Chriſtus", ſondern er ſetzt auch hinzu: „Ihr aber ſeid alle Brüder, das heißt, in meiner Kirche ſeid ihr alle einander gleich, alle mir unterthan und keiner des anderen Herr und Befehlshaber. An einer anderen Stelle ſpricht er zu den Jüngern: „Ihr wiſſet, daß die weltlichen Fürſten herrſchen, und die Oberherren haben Gewalt. So ſoll es nicht ſein unter euch; ſondern ſo jemand unter euch will gewaltig ſein, der ſei euer Diener. Und wer da will der Vor⸗ nehmſte ſein, der ſei euer Knecht." Was nun hiermit Chriſtus den Apoſteln abgeſprochen hat, deſſen haben ſie ſich denn auch nie angemaßt. Sie haben keine Unterwürfigkeit verlangt, als unter JEſum Chriſtum, nemlich unter ſein Wort. Sie ſprachen: „Wir gehen nicht mit Schalkheit um, fälſchen auch nicht Gottes Wort, ſondern offenbaren die Wahrheit. Denn wir predigen nicht uns ſelbſt, ſondern JE⸗ ſum Chriſtum; daß Er ſei der Herr, wir aber eure Knechte um JEſu willen." 2 Cor. 4. Als daher St. Paulus zu Ende des 1. Capitels ſeines 2. Briefes an die Corinther ſich des Ausdrucks bedient hatte, er ſei nicht perſönlich nach Corinth gekommen, weil er der Corinther habe „ſchonen" wollen, da hätte es Manchem ſcheinen können, als mache ſich der Apoſtel dadurch zu einem Herrn, der da Macht habe, nach Gefallen zu fordern und nachzulaſſen, zu ſtrafen und zu ſchonen; um nun dieſen Schein nicht auf ſich ruhen zu laſſen, ſetzt er