# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_November 1856_S322 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) 322 Zu der Lehre von der Gnadenwahl und einigen damit zusammenhängenden ꝛc. deren Zeichen und Andeutung sie nun gebe, daß, wofern wir aus dem Gefühl des Glaubens und der Begierde Gott zu dienen unsrer Prädestination gewiß seien, im Gehorsam sie befolgt werden könne, wie die Gegner Luthers in der Schweiz lästerlich behaupteten;) und sein Urheber, der Geist des lebendigen Gottes, welcher die Apostel und Propheten erfüllte, vermittelst ihres Mundes und ihrer Lehre gleicherweise wirksam berufend an den Herzen der allezeit Widerstrebenden und Halsstarrigen, wie der im Glauben Geheiligtwerdenden sich erzeiget. Es ist einerlei Wort, Geist und Kraft für beide; aber der Erfolg verschieden. Der Same des himmlischen Säemanns, der auf viererlei Acker fällt, hat eitel schlechten Boden vorgefunden und den guten erst gewirkt; alsdann bedinget freilich auch der verschiedene Boden die ganz verschiedene Wirksamkeit des Samens. Daß Viele aber steigend sich verhärten, ist, wie von selber folgt, nicht Naturnothwendigkeit, sondern Accidentalität der Wirkung des nur Heiligung und Seligkeit erzielenden Wortes, die ihren nächsten Grund hat in der Beschaffenheit und dem Wesen menschlicher Herzen, welche argen Willens sind von Natur. Nach ihrer ursprünglichen Verderbniß sind sie darum gleich fähig und gleich unfähig für das, was vom heil. Geist gesprochen worden ist, d. h. todt in Uebertretungen und Sünden; nur der beharrlich fortgesetzte Widerstand des von Seiner allmächtigen Hand Getragenen gegen die arbeitende Thätigkeit des Evangeliums wider innere bessere Ueberzeugung des Gewissens, hervorgerufen dadurch, daß und so oft man es vernimmt, hat das Zunehmen böser Freiwilligkeit, (denn ein Zwang kann es doch unmöglich sein, vgl. Chemnitz exam. conc. Trid. Ed. Genf. 1634. S. 125,) und den Fluch des Verlorenwerdens zur unausbleiblichen Folge. Es wird demnach für uns Bedürfniß, weiter also zu fragen: Woher kommt es, daß die Einen, wenn auch Manche unter ihnen eine Zeitlang glauben, bis an's Ende widerstehen, die Andern nicht, wenn beide, Alle ohne Unterschied von Natur unvermögend sind, auf eine für's ewige Leben fruchtbringende und gottgefällige Weise zu erkennen und zu wollen? Woher kommt es, daß das Wort verschieden wirkt? Bleibet nun vielmehr der alleinige Faktor Gott und die Wahl der Gnaden, und also Sein die Schuld, wenn Viele nicht selig werden, oder steht dieselbe bei den Menschen? Werden sie geboren als schon gerichtet, oder erst gerichtet zu werden; und wird von diesen Seinen Knechten Etwas gefordert, welches ihnen gar nicht gegeben war — oder hatten sie doch ein Pfund empfangen, dadurch sie wuchern konnten mit dem gnadenbringenden Rufe? So sind wir auf den Punkt gekommen, der, wenn richtig entwickelt als prinzipieller Satz, uns zu befriedigender Lösung dunkler, schwerer Zweifel und Gewissensfragen leiten, hingegen in mehr oder weniger selbst von seinem wahren Fundament abweichender Gestalt uns in die Irrgewinde des Calvinismus oder des Pelagianismus führen wird. Satz II. Die göttliche Präscienz oder Gottes ewige Vorhersehung, Vorwissenheit, bei den Gläubigen meist Versehung genannt, streitet