# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_November 1856_S321 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) Lehre und Wehre. Jahrgang II. November 1856. No. 11. Zu der Lehre von der Gnadenwahl und einigen damit zusammenhängenden Materien. (Von Past. O. Fürbringer.) (Fortsetzung.) B. Weitere dogmatische Entwicklung. Satz I. Ganz folgerecht sind wir durch die vorhergegangenen Bemerkungen zu der Frage genöthigt: Ist die ewige Gnadenwahl Gottes für Seine Gläubigen die Ursache ihres Heils also, daß sie zunächst den Glauben wirket? Es ist vor allen Dingen festzuhalten, daß sie erstens weder der Grund, noch das Mittel, noch die Bedingung der Seligkeit ist; denn diese sind Christus, Sein Evangelium und der dadurch gegebene Glaube. Zweitens ist sie auch nicht die Ursache unsers Glaubens, insofern derselbe ihre Wirkung wäre; denn den Glauben schaffet das Wort. Aber weil die Wahl Gottes die Seinen, die Er kennt, im Voraus zur Seligkeit bestimmt oder verordnet: so ist sie allerdings die Ursache, die da ihr Heil insofern wirket, daß alle Dinge in der Gnadenzeit dazu nur dienen und sich schicken müssen, die da wirket, daß der vorhergesehene Glaube und das, was aus ihm folgt, vermöge des zu uns kommenden, von Allen, die es hören, kräftig empfundenen Worts Realität erlangen. Das ist der Differenzpunkt, welcher die reine Lehre von reformirt⸗partikularistischer scheidet, nämlich daß die Macht der göttlichen Rede zur Bekehrung und Wiedergeburt nicht die Prädestination zur Voraussetzung hat, überhaupt sie nicht als eine von dem gehörten oder gelesenen Wort geschiedene, für sich ganz unabhängig von dem letztern in dem innerlichen Gemüth bestehende dargestellt werden darf, sondern der rechtfertigende und erneuernde Glaube die mitgetheilte Kraft desselben ist und aus ihm allein geboren wird. Durch und in diesem äußeren Worte ergreift er Christum und den Schatz Seines der ganzen Welt der Sünder sich gleich darbietenden Verdienstes, um dessen Willen er dem Menschen zur Gerechtigkeit gerechnet wird; — so daß also ihm das Evangelium der Schrift die frohe Botschaft ist des Heils und der Hülfe da, wo sonst alle aus sei, (nicht eine bloß ermahnende und erinnernde Lehre, in uns die Dinge zu suchen, 21