# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_October 1856_S319 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) Vermischte kirchliche Nachrichten. 319 sammelten sich die Weihgäste auch des Abends. Von dieser Versammlung berichtet der „Pilger aus Sachsen“ u. A. Folgendes: „Der theure Kirchenvater Dr. Rudelbach trat auf Bitten vor, und brachte der Versammlung einen Gruß aus Dänemark, einen Gruß voll Wehmuth, denn der große Knäuel Gruntvig'scher Irrthümer zerrüttet immer weiter die Kirche in Dänemark. Gruntvig lehrt: „„Die Kirche ist verdorben dadurch, daß man das mündliche (!) Wort nicht beachtet hat; die Schrift ist ein todter Buchstabe; die Reformation hat die Kirche in die Hände der Schriftgelehrten geliefert; daraus muß sie befreit werden; keine Verpflichtung des Predigers auf die Bekenntnisse der Kirche darf geschehen, auch nicht aufs apostolische Symbolum; jeder Prediger soll lehren, was er vor seinem Gewissen verantworten zu können meint; jedes kirchliche Ritual, jedes Gesangbuch werde aufgehoben!““ ꝛc. Und der erste Schritt zur Verwirklichung dieser Greuel ist geschehen: durch ein Gesetz vom Reichstag — denn es ist keine Kirchenvertretung da in Dänemark, die Bischöfe haben nicht den Schatten einer Auctorität, alles wird durch den Reichstag abgemacht*) — durch ein Gesetz ist die sogenannte „„Pfarrfreiheit“““ gegeben, d. h. jeder kann sich aus seiner bisherigen Kirchengemeinde ausmelden, alle Parochialverhältnisse sind aufgelöst! Zwar steht eine große Reaction bevor. Aber circa 150 Pfarrer hangen dem Gruntvig an, deren Einer hat drucken lassen, daß das Heidenthum der nothwendige Durchgangspunkt sei zum Christenthum, daß niemand ein Christ werden könne, der nicht ein Heide gewesen; darum müsse man erst wieder den heidnischen Glauben annehmen und „der HErr Christus muß sich bequemen, von seinem Throne herabzusteigen und sich zu Odins Füßen zu setzen, um von ihm zu lernen, wie man mit Leuten aus dem Norden umgehen soll, denn das hat Er noch nicht gelernt!““ — Das ist denn etwas von den kräftigen Irrthümern der letzten Zeit! sprach Dr. Rudelbach und legte diese Sache Allen ans Herz zur Fürbitte. Mit großer Bewegung hatte die Versammlung diese Mittheilung gehört; und die gebeugte Gestalt und das so schnell ergraute Haupthaar zeugten, wie schwer die Sorge um die Kirche auf dem theuren Kämpfer lastete.“ Friedenswunsch. Im „Luth. Observer“ vom 22. Aug. läßt sich ein Laie, P. S. aus York, Pa., hören. Er beklagt die in der amerikanischen lutherischen Kirche zu dem Zwecke herbeigeführte Bewegung, die symbolischen Bücher wieder in Geltung zu bringen, und spricht die Meinung aus, daß der letzte Zweck dieser Bewegung wohl kein anderer sei, als dem Prediger in Amerika eine ähnliche Herrschaft über die Laien zu verschaffen, wie der Prediger in Deutschland habe; daß das Unternehmen aber jedenfalls scheitern und nur unnöthige Unruhen und arge Mißverhältnisse zur Folge haben werde. Zuletzt läßt daher der Schreiber an alle lutherische Zeitschriften und an „Lehre und Wehre“ namentlich die Aufforderung ergehen, die Sache wieder ruhen zu lassen; so werde wieder Friede werden und jeder wieder ungestört seines Glaubens leben können, möge er nun in seinem Gewissen sich an alle Lehrbestimmungen der Symbole gebunden erachten, oder nur an die in der Augsburgschen Confession gelehrten Fundamental-Lehren glauben. — Hierauf erwiedern wir vorläufig kürzlich nur Folgendes. Der liebe Mann ist durchaus im Irrthum, wenn er meint, die symbolischen Bücher seien ein Mittel für die Prediger zu Ausübung einer Herrschaft über die Laien. Das gerade Gegentheil findet statt. Gerade die Symbole sind die Garantie für die Laien, daß ihr Prediger ihnen nicht vortragen dürfe, was er etwa für seine Person für wahr hält und aus der Schrift heraus exegesirt haben will. Wo der Prediger an kein Symbol gebunden ist, da gerade ist die Gemeinde vom Prediger geknechtet. Er kann ihr vorpredigen, was ihm beliebt, ohne daß er deßwegen zur Rechenschaft gezogen werden könnte. Sodann ist der Schreiber im „Observer“ nicht weniger im Irrthum, wenn er meint, daß es irgend eines entschiedenen Lutheraners Sinn sei, irgend jemanden, sei er Laie oder Prediger, zur Annahme der kirchlichen Symbole irgendwie zu zwingen. Die Sache, um die es sich handelt, ist vielmehr diese: alle diejenigen, welche die Lehre der lutherischen kirchlichen Symbole für die lau⸗ *) Man sage nur der Obrigkeit, daß sie von ihres Standes wegen zum Kirchenregimente gehöre, so wird das Ende der Dinge immer ein solches sein, wie in Dänemark. L. u. W.