# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_October 1856_S314 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) 314 Zu der Lehre von der Gnadenwahl und einigen damit zusammenhängenden ꝛc. Wen ein Strahl dieses Lichtes getroffen, kann nicht in ruhiger Gleichgültigkeit oder träger Abneigung vorüber, sondern diese steigern sich in dem böse Bleibenden zu positivem Haß und bittern Grimme. Aber der unumschränkte Gott, von dem alles Andere Sein und Wesen hat, steht um so höher in Seiner Vollkommenheit, je weniger der Vergleich mit Kreaturen, wie mit einem Töpfer, der den Thon nur gegraben, V. 21, Ihn erreicht. Der natürliche Mensch vernimmt nichts von Seinem Geiste; darum kann er nicht anders, als die Worte Pauli so verstehen, wie derselbe es von ihm beschreibt, und seiner Selbstverblendung ganz gemäß, da er sich nicht, nur Gott beschuldiget, auch ihm die Antwort gibt. Und doch folgt aus des Apostels Entgegenhaltung, daß Gott Sein Majestätsrecht über die Geschöpfe, die Er als einen durch eigne Sündenschuld bereits verdorbenen Klumpen überall mit derselben behaftet vorgefunden, aus freier Güte also gemildert habe, daß Er viel größere Ursache hat über den Menschen zu klagen, als dieser zu murren wider den Höchsten. Es ist das der verschwiegene Nachsatz von V. 22 und 23 nach der bekannten Figur der Aposiopesis, vgl. Joh. 6, 62. Nach dem Griechischen wörtlich übersetzt lautet die Rede als fragend: Wenn aber Gott, den Zorn sehen lassen und Seine Gewalt kund thun wollend, mit vieler Langmuth getragen hatte Gefäße des Zorns, zugerichtet zum Verderben, und damit Er kund thäte den Reichthum Seiner Herrlichkeit an Gefäßen der Barmherzigkeit, welche Er zuvor bereitet hat zur Herrlichkeit, — (supplire:) solches gethan hat; was willst du darauf antworten? Es ist des Herrn Geduld, die nicht auszusagen ist, welche uns zur Buße leiten soll, Röm. 2, 4 fg. Zur Erweisung dieser, nicht zur Verherrlichung des großen Ganzen überhaupt in göttlicher Weltordnung, wie man aus 1 Kor. 11, 19., 2 Tim. 2, 20 ꝛc. und dieser Stelle beweisen wollte, dienen die Schatten jener furchtbaren Macht des sittlichen Unterganges, welcher über einem Theile des menschlichen Geschlechts ausgebreitet liegt, im Gegensatz des Lichts, in welchem der andere um so erfreulicher strahlt. Dunkel und geheimnißvoll sind die Tiefen des Bösen in der menschlichen Natur, wenn sie mit den göttlichen Wirkungen des Worts zusammenstoßen. Da webt und bildet sich durch mancherlei nur Gott bekannte schwere Verschuldungen eine Disposition in des Herzens Inwendigem, welche statt des gnädigen Verschonens die Strafgerechtigkeit herausfordert, wie oft vieljährige zugestandene Frist, des Heils der Seele wahrzunehmen, durch einen unseligen Tod überraschend abzukürzen. Nichts sind die Zorngefäße von dem Herrn, insofern Er der Urheber der Sünde sei, zugerichtet, das sagt der Text gar nicht, wie er's von der Gnade Gefäßen ganz ausdrücklich bezeugt, daß sie von Gott bereitet seien, ohne ihre nachmaligen Werke in Betracht zu ziehen, durch Zusammenfügung aller zu ihrem Besten dienenden Umstände von innen und außen, V. 23, auf daß Güte, Treue, Erbarmung, Weisheit, Allmacht, Liebe an ihnen ihre Objekte sinden; die Nothwendigkeit, vermöge deren jene in der Verstockung fortschreiten und sich selbst zu Werkzeugen für die Ausführung göttlicher Zwecke durch den Gegensatz darstellen