# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_October 1856_S313 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) Zu der Lehre von der Gnadenwahl und einigen damit zusammenhängenden ꝛc. 313 und ohnmächtig hierzu sind, Gotte aber Niemand wehren kann: so haben wir noch Hoffnung wider die Sünde. Gleichwie das Wort des Herrn zu Moses geredet gar herrlich an den Tag legt, wie Gott gerecht bleibt, wenn Er allen menschlichen Ruhm, der vor Ihm gelten soll, darniederlegend auch alle menschliche Gerechtigkeit verwirft und von sich stößt: so zeigt ein früher zu Pharao gesprochenes, wie weit es mit einem Menschen durch die Verachtung und den Mißbrauch göttlicher Gnade kommen werde, V. 17. Es soll durch Anführung desselben ferner noch bewähret werden, wie es außer aller kreatürlichen Macht stehe, des Heils theilhaftig zu werden. Moses und Pharao werden als 2 denkwürdige Exempel dieser Wahrheit gegenübergestellt, daß es allein an Gottes Erbarmen liege, insofern der eine angenommen, der andere verlassen worden ist, vergl. Luk. 17, 34 fgg. Nicht daß die absolute, außer allen Schranken durch sich selbst gesetzte Unabhängigkeit Gottes, die Seine Majestät ist, nothwendig auch einen absoluten Willen zugleich mit einschließe; weil Er eben das freiste Wesen ist, vermag Er auch Sich Seines Rechts entweder zu begeben oder zu bedienen, die unter dem Urtheil Seines Zorns liegende Menschheit darin zu lassen oder durch einen bedingten (addita conditione, ut credant, wie die Dogmatiker sagen,) Rathschluß zu erlösen. Derselbe offenbart sich an Moses und an Pharao. Nachdem der letztere schon viele Exzesse seiner Hartnäckigkeit verschuldet, auch an einem gleichgesinnten Vorfahr nicht hatte klug werden wollen, (vgl. 2 Mos. 2, 23 sgg., Apg. 7, 29 fgg., woraus erhellt, daß das Regiment jenes nur kurze Zeit gedauert, aber eine Kette von Erfahrungen der Macht und Herrlichkeit Gottes war, die sich an ihm und seinem Volk erzeiget, den Herrn zu fürchten und Seinen Namen durch Gehorsam zu ehren, wie denn aus keinem andern Zwecke zunächst die Drohung 2 Mos. 9, 16. an ihn geschah:) so sollte endlich, weil alle göttliche Nachsicht, mit welcher der Sünder aufgespart und getragen ward, zur Verstockung diente, dieselbe ihre Gränze finden. „Ich habe dich erwecket,“ das ist nach dem hebr. Grundtext: ich habe dich stehen lassen, vgl. 1 Kön. 15, 4., als mächtigen und berühmten König, auf daß Meine Macht und Mein Ruhm sich an dir verherrliche. Daß nun an Pharao das Nichterbarmen ausgeführt ward, geschah allerdings durch den Willen Gottes, wie der Apostel im folgenden Verse lehrt; Er begnadigt den Gläubigen, und den Ungläubigen verhärtet Er, vgl. K. 11, 20 fgg., durch die äußere Reizung Seines Worts, an welcher der von der göttlichen Allwirksamkeit umfaßte Widerstand des Menschen sich entwickelt. Mit trotzigem Unmuth vorgebrachte scheinbare Folgerungen, V. 19, werden allein durch die eigne Erfahrung des Glaubens zunichte. Dem, welcher ihn beharrlich von sich stößt und vom wahren Verstande der Gerechtigkeit immer weiter sich entfernt, muß das lebendige und kräftige Wort, der Richter der Gedanken und Sinne des Herzens, je mehr und mehr zum Falle und einem Geruch des Todes zum Tode werden, das ihm doch zum Leben gegeben war.