# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_October 1856_S312 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) 312 Zu der Lehre von der Gnadenwahl und einigen damit zusammenhängenden ꝛc. Ich Mich noch weiterhin aus freier Neigung Meinen Bund erneuernd (K. 34, V. 10. 27.) über den erbarmen, welcher es mit dir im Glauben an des Herrn Namen (durch den Messias zu offenbaren) und in Demuth nicht als ein Recht von Mir fordern wird. (Daher die Wiederholung — in fernerem Prospekt bis auf die Heiden zu beziehn, zu denen das Heil ja von den Juden kam.) Da Moses, was er bat, aus Gnade von dem Herrn begehrte, V. 12 sgg., so wird ihm auch dieselbe feierlich zugesagt, zugleich sammt denen, für welche er sich verwandte, sofern auch ihnen Alles auf bloße Gnade und Erbarmung ankam, wie Gott dies selber ausrief K. 34, 7. Bei Ihm ist keine Ungerechtigkeit; der einige Grund, warum Er Sich erbarmt, ist eben Seine grundlose Barmherzigkeit, „weil vor Ihm Niemand unschuldig ist,“ (2 Mos. 34, 7. wörtlich: der die Schuld nicht zur Unschuld macht;) und in Seiner Macht, Freiheit und Gewalt steht Alles: wenn Er Sich nicht erbarmt, so handelt Er darum niemals ungerecht; thut Er das Gegentheil, so ist offenbar alles Pochen auf eigenes Verdienst eitel, unnütz und gefährlich. Man verliert eben nichts mehr und nichts minder, als die ewige Seligkeit. Daß dies der rechte Verstand sei, erhellt aus dem folgenden 16. Vers bei Paulus. Derselbe lautet: „So liegt es nun nicht an Jemandes Wollen oder Laufen, sondern an Gottes Erbarmen.“ Das ganze menschliche Geschlecht ist unter die Sünde und den Tod beschlossen; vor dem, vor welchem kein Lebendiger gerecht ist, hilft keinem natürliche Geburt und Würdigkeit, das eigne Thun ist darum auch verloren, die angeerbte Sünde macht es zur Nichtigkeit, also alles Wollen und Laufen der Selbstheiligen, das nur ein äußerliches Werk bleibt, so lange nicht Gnade als Gnade erkannt und demzufolge auch angeeignet wird. Die gnadenvolle Wirkung Gottes aber durch den Geist des Glaubens an Christum und Sein Wort gibt das rechte Wollen und das rechte Laufen, welches nicht vergeblich ist, da der Mensch in Erniedrigung seiner selbst weiß, daß er Nichts aus sich vermag, wohl aber es stehe allein bei dem erbarmenden Gott, der alles Ihm Wohlgefällige durch des Glaubens Kräfte lauterlich schaffet, Phil. 2, 13., 3. 14., 1 Kor. 9, 26. Sich schreibt es der Apostel zu, wenn er an beiden letztern Orten vom Laufen und Nachjagen nach dem vorgesteckten Ziele redet, insofern die göttliche Gnade die ursprünglich unverdorbenen, durch die Sünde aber verkehrten Seelenvermögen wiederum hierzu heiliget und erneuert. Es ist die Sprache des Apostels gegen die Werkheiligen eine abgebrochene, nur so viel nöthig ist, sie abzufertigen; den Gläubigen, welchen Gnade eben Gnade ist, zu welcher sie Nichts haben beitragen können, thut der Geist der Erkenntniß das Herz auf, daß wenig Worte, welche dem Unglauben Steine des Anstoßens und ärgerlich sein müssen, köstliche, trostesvolle Wahrheiten für sie sind. Denn stände es bei uns, von Sünde, Tod und Hölle frei zu werden, so würde sicherlich kein einiger Mensch selig, der Teufel würde sie alle überwältigen; so wird es aber gar aus unsern Händen genommen und allein in Gottes Hand gestellet; weil dies auf's Allerhöchste Noth ist, da wir zu schwach