# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_October 1856_S306 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) 306 Zu der Lehre von der Gnadenwahl und einigen damit zusammenhängenden ꝛc. dritte Stück der Abhandlung, wo die Rede ist von Allen, die da glauben; er zeigt von den Israeliten, die ihm sehr nahe an dem Herzen lagen, wie ein großer Theil den Glauben, und was aus demselben folge, nicht überkommen, hingegen dafür viele Heiden eingehen, denn es sei eben Alles am Glauben gelegen, K. 9, V. 1 — K. 10, 4; und dieser Weg sei leicht und allgemein, für Juden und Heiden gleichermaßen bereitet, K. 10, V. 4 — K. 11, 36. Aus dieser kurzen Darstellung des Zusammenhangs schon ist ersichtlich, wie der heilige Paulus keinen Partikularismus der Gnade habe lehren können, sondern nur das Gegentheil; denn wie der Tod als ein gewaltiger König durch die Schuld des ersten Menschen geherrscht hat über Alle, und man zum Erweis der habituellen Verderbniß an den ohne Ausnahme häufigen, sehr traurigen Früchten genug hat: so ist ebenfalls durch einen Einigen das Heil des ganzen Geschlechts in die Welt eingegangen, und hängt das Leben von dem Mittler ausschließlich ohne Zuthun eigner guter Werke ab. Das Anlaufen im Eifer um selbstverdienten Lohn, dadurch man eben der Gnade Gottes eigenmächtige Schranken setzt, überhaupt das Aufgeben freier göttlicher Barmherzigkeit in Christo Jesu ist das Hinderniß, warum nicht Alle selig werden; und davon handelt er gerade K. 9 fgg. II. Des Apostels Wunsch und Betheurung für seine Brüder nach dem Fleisch, K. 9, 1—5. Der Schmerz und die Betrübniß über die Gefahr und das Elend des ungläubigen Israels und wegen desselben tiefer Verschuldung, der Eifer für die Seligkeit einer so großen Menge und Beförderung der Ehre Gottes durch die Erhaltung eines so zahlreichen Volks hatte den Apostel also übernommen, daß er, wofern Christus es genehmigte, manchmal sich an ihre Stelle zu setzen und für sie ein Bann, ein Auswürfling zu sein und von Christo verlassen zu werden wünschte, gleichwie der ewige Sohn selbst aus dem Grunde, daß wir Seine Anverwandten sind, ein Fluch für uns und von Seinem himmlischen Vater verlassen worden ist. Aus der höchsten Stufe des Glaubens am Schluß des vorhergehenden Kapitels läßt er nun die höchste Liebe, die vom göttlichen Feuer entzündet war, hervorblicken. Er vergaß seiner selbst auf eine Weile ganz und gar, und nahm um der göttlichen Ehre willen bloß auf Andere Rücksicht. Aehnlich 2 Cor. 12, 15., 2 Mos. 32, 32. Die Sache, welche er gewünscht hatte, konnte nicht wirklich geschehen, man sehe K. 8, 38 fg., 2 Mos. 32, 33; nur wer den Glauben verschmäht, ist ein Anathema von Christo, vgl. Gal. 5, 4; aber doch war der Wunsch heilig und ernstlich, obschon mit der stillschweigenden Bedingung: wenn es möglich wäre. Menschliche Worte reichen nicht ganz zu, die Begierden und Gemüthsbewegungen heiliger Seelen auszudrücken: der mit Christo erfüllte Paulus verlangt, an der Juden Stelle desselben entäußert zu werden — es war des Herrn Jesu Geist, der ihn in Sein Bild verklärte, und es stand nicht in des Apostels Gewalt, zu jeder Zeit denselben Affekt oder einen andern von oben her bei sich rege zu machen. Wer überhaupt dergleichen Dinge fassen will, muß weit gekommen sein; darum läßt sich auch von solchem Maß der