# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_October 1856_S303 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) Lutherisch-theologische Pfarrers-Bibliothek. 303 des Werkes, als daß Gott dem theuren Löscher, die Geschichte der „Motus“ bis auf seine Zeit fortführen zu können, möchte Leben und Kraft aus Gnaden verliehen haben. Wer sich gründlich über den Ursprung, den Verlauf und die Bedeutung unserer Streitigkeiten mit den Reformirten unterrichten und darüber zu einem festen und gewissen Urtheil kommen will, der wird seinen Zweck nicht besser erreichen, als wenn er dieses Werk sich verschafft und studirt. Es ist so gründlich, daß es nicht widerlegt werden kann, und zugleich mit so großer Mäßigung ohne alle Bitterkeit in einem so wohlthuenden Geiste der Liebe und Billigkeit geschrieben, daß selbst der erst mit Vorurtheilen erfüllte Leser, wenn er nicht ein Feind der Wahrheit ist, sich endlich gern überzeugen läßt. Als das zweite die Streitigkeiten zwischen den Lutheranern und Reformirten behandelnde Werk, welches in keiner lutherisch-theologischen Pfarrers-Bibliothek fehlen sollte, nennen wir folgendes: „Διάσκεψις theologica de fundamentali dissensu doctrinæ Evangelico-Lutheranæ et Calvinianæ seu Reformatæ, autore Nicolao Hunnio. Cum præmissa consideratione ὑποκρίσεως Calvinianæ, Dortrechtana Synodo proditæ. Witebergæ 1626.“ 8. Der Verfasser dieser Schrift ist der berühmte Sohn des gleich berühmten Aegidius Hunnius. Er ist zu Marburg den 11. Juni 1585 geboren, begleitete, noch Wittenberger Student, 1601 seinen Vater nach Regensburg zu dem bekannten Colloquium zwischen Hunnius und Heilbrunner auf der einen und den Jesuiten Gretser und Tanner auf der andern Seite, wurde 1604 Adjunct der philosophischen Fakultät zu Marburg, 1612 Superintendent zu Eulenburg, 1617 Professor der Theologie zu Wittenberg und endlich 1623 Superintendent zu Lübeck, wo er dieses Amt bis 1643 verwaltete, in welchem Jahre er, nachdem er bereits durch viele Krankheiten sein Gedächtniß verloren hatte, starb. Es mag sein, daß die Διάσκεψις um der Schärfe der Beweisführung willen manchem jetzt nicht recht munden will; wer jedoch daraus schließen wollte, daß unser Nicolaus Hunnius ein streitlustiger Mann gewesen sei, würde sich sehr irren. Wie wenig er an Streitigkeiten Gefallen gehabt und welches herzliche Verlangen er nach Frieden in der Kirche getragen habe, ist aus dem Vorschlag ersichtlich, den er der Kirche zu seiner Zeit gemacht hat, ein eigenes „Collegium pacificatorium“ zu errichten, wodurch die Religionsstreitigkeiten unter den einzelnen Theologen aufgehoben oder doch gestillt werden sollten. Es sollte nehmlich ein Collegium von 12 Theologen von den verschiedenen Kirchenregimenten Deutschlands niedergesetzt und unterhalten werden, welche, von aller anderen Amtsarbeit frei, das besondere Geschäft und den besonderen Beruf haben sollten, alle obschwebenden Lehrstreitigkeiten zu untersuchen und alle entsprechenden Mittel zu Beilegung derselben zu ergreifen und anzuwenden. Hunnius erreichte leider seinen Zweck nicht. Später nahm Herzog Ernst der Fromme von Sachsen-Gotha diesen Plan unseres Hunnius auf, setzte ein Capital von 100,000 Thalern zu diesem Zwecke aus, bot dazu das Kloster Reinhardsborn an, ließ deswegen (nach eingezoge-