# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_October 1856_S301 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) Lutherisch-theologische Pfarrers-Bibliothek. 301 ten; es sind nicht sowohl die des 17. und 18., als vielmehr des 16. Jahrhunderts, vor allen andern unsere Martine. Wenn wir jedoch zur Steuer der Wahrheit es hiermit aussprechen zu müssen geglaubt haben, daß wir einen Löscher nicht mehr den ältern Vertretern der lutherischen Rechtgläubigkeit völlig gleichstellen können, so wollen wir damit weder seinen großen Verdiensten um unsere Kirche in einer überaus trübseligen Zeit, noch dem hohen Werthe seiner theologischen Erzeugnisse das Mindeste abbrechen, so wenig, daß wir vielmehr, durch eigenen Gebrauch dazu bewogen, u. A. seiner in deutscher Sprache geschriebenen „Historia Motuum“ unter allen wider die Reformirten herausgekommenen polemischen Schriften unbedenklich den ersten Rang einräumen und den Preis zuerkennen. Das Werk zerfällt in drei Theile, die in längeren Zwischenräumen erst nach und nach erschienen sind. Der erste Theil kam zu Frankfurt und Leipzig 1707 in 4. heraus; er umfaßt nicht weniger als 1 Alphabet und 19 Bogen. Der zweite Theil erschien zu Leipzig 1708 in 4. und umfaßt 1 Alphabet und 16 Bogen. Der dritte folgte erst im Jahre 1724 in Frankfurt und Leipzig in 4. und begreift 2 Alphabete und 2 Bogen. Zwei Jahre früher gab Löscher (Leipzig 1722 in 4., 9 Bogen umfassend) auch „Supplementa zu der ausführlichen Historia Motuum“ ꝛc. heraus, welche höchst werthvolle Ergänzungen der beiden ersten Theile enthalten. Die beste Gesammtausgabe dürfte diejenige sein, welche wir zwar nie zu sehen Gelegenheit gefunden, aber in der „Handbibliothek der theologischen Literatur von J. J. Palm“ (Erlangen 1792) in folgender Weise angezeigt finden: „V. E. Löscher's ausführliche Hist. ꝛc., 3 Theile mit Anhang und J. Rud. Kießlings Fortsetzung, 4. Leipzig und Schwabach 1777.“ — Was Cyprian's „Ueberzeugende Belehrung vom Ursprung und Wachsthum des Pabstthums“ (vergl. das Aprilheft von „Lehre und Wehre“ laufenden Jahrgangs S. 122. ff.) in Betreff der Polemik gegen die Römischen ist, das ist Löscher's „Historia Motuum“ in Betreff der Polemik gegen die Reformirten. Auch letzteres Werk führt seinen Gegenbeweis auf geschichtlichem Wege. Die Veranlassung war folgende. Als König Friedrich I. von Preußen die bekannten Versuche zur Herstellung einer Union zwischen Lutheranern und Reformirten gemacht hatte und in Folge dessen viele, dieser Union höchst indifferentistisch das Wort redende, Schriften herausgekommen waren, schrieb Löscher seine „Allerunterthänigste Addresse an ein Großmächtigstes Oberhaupt, die Religions⸗Vereinigung betreffend“ (13 Bogen umfassend); dagegen gab der Reformirte Dr. Joh. Christian Beckmann eine sogenannte „Exceptionsschrift“ heraus, welche Löscher in seiner „Historie der ersten Religions⸗motuum zwischen den Evangelischen und Reformirten“ (Leipzig 1704) widerlegte, indem er darin aus der Geschichte der wegen des Zwinglianismus und Calvinismus entstandenen Bewegungen vom Jahre 1524 bis 1605, die Unrichtigkeit der Behauptung Beckmanns darthat, daß die lutherischen Theologen allein die Schuld an aller entstandenen Verbitterung trügen. Als Beckmann auch dagegen auftrat, entschloß sich Löscher, in