# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_October 1856_S300 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) 300 Lutherisch-theologische Pfarrers⸗Bibliothek. tendent zu Jüterbock, trat 1702 in dasselbe Amt zu Delitzsch, wurde nach Deutschmann's Tode 1707 Professor der Theologie in Wittenberg (und so seines Vaters, der erst 1718 in hohem Alter verstarb, College), 1709 Superintendent und Consistorialassessor zu Dresden und später hierselbst zugleich Kirchen⸗ und Oberconsistorialrath, und starb den 12. Februar 1749. — Löscher verdient unstreitig den Namen eines Polyhistors. Seine Gelehrsamkeit war eine so vielseitige, seine Kenntniß namentlich der Antiquitäten und der alten Literatur eine so eminente, daß ihm darin wohl wenige unter den lutherischen Theologen an die Seite gesetzt werden können. Zwar hat ihn sein Interesse für alles, was das Gebiet der Gelehrsamkeit betrifft, verführt, eine Unzahl von gelehrten Arbeiten zu beginnen, die er nicht vollendete, sondern oft schnell wieder verließ, um zur Lösung einer anderen gelehrten Aufgabe überzugehen*); allein die meisten von ihm vollendeten größeren Werke sind reife Früchte eben so gründlichen Wissens, als unermüdeten Fleißes. Daß er ein aufrichtig frommer Mann**) und in seinem Kampf gegen den Pietismus und die Pietisten meist im Rechte war, leugnen wir zwar nicht; daß er aber immer in der rechten Weise, namentlich einem August Hermann Franke und dessen Freunden begegnet habe und daß er selbst, den Pietisten gegenüber, immer die reine lautere evangelische Lehre Luthers in lebendiger Erkenntniß und Kraft des Glaubens vertreten habe, das müssen wir auf Grund fleißiger Studien in Löscher's Schriften in Abrede stellen. Zwar ist uns das neuere Werk: „Moritz von Engelhardt (Prof. zu Dorpat): V. E. Löscher. Dorpat 1853,“ nur aus einer Recension bekannt, welche sich in der Erlanger „Zeitschrift für Protestantismus und Kirche“ (Novemberheft 1853) befindet; nach dieser Recension aber zu urtheilen, können wir die Auffassung v. Engelhardt's von der Stellung, welche Löscher in unserer Kirche einnimmt, nicht theilen und in die Schlußworte des Recensenten nicht einstimmen: „Wir wollen Gott bitten, daß er die Völker leite, daß sie diesem Panier (das Löscher vertheidigte,) mit solcher Gesundheit und Einfalt folgen, wie es Löscher gethan hat, und daß er ihnen Theologen gebe, so gesunden Sinnes, wie Löscher war.“ So hoch uns Löscher steht, so sind es doch noch andere Theologen, deren Auferstehung wir unserer Zeit wünsch⸗ *) Ohne Zweifel war dies zugleich die Folge eines Rathes, welchen Löscher, als er noch Gymnasiast in Zwickau gewesen war, von seinem Lehrer Daumius erhalten hatte. Von letzterem heißt es in Heinsius' Kirchengeschichte: „Insonderheit pflegte derselbe seine Schüler dazu anzuführen und aufzumuntern, daß sie außer den ordentlichen locis communibus von Jugend auf Materien zu allerhand dereinst auszuarbeitenden Werken nach Art der Bienen sammeln und an gehörigen Orten eintragen möchten.“ So wichtig es ist, daß Studirende zeitig anfangen, sich von allem Gelesenen Excerpte zu machen, so gefährlich ist es doch, wenn sie angeleitet werden, dies zu dem Zwecke zu thun, um Beiträge zu künftig herauszugebenden Werken zu sammeln. **) Nächst Löscher's exemplarischem gottseligem Privatleben und seiner musterhaften Amtstreue sprechen dafür zugleich seine frommen andächtigen Lieder, die freilich bei allem prosodischen Fluß wahre poetische Anschauung vermissen lassen.