# Der Lutheraner_St. Louis Missouri_1846 11 17_S32 # Machine transcription, uncorrected — CHI Digital Archive (demonstration) unter einerlei Geſtalt, die Ohrenbeichte und die Prieſterehe beibehalten. Die Geſandten zogen mit guter Hoffnung ab, aber „da offenbarte es ſich — erzählt Myconius — daß es dieſem Heinzen nur ums geiſtliche Einkommen zu thun geweſt: zerbrach die gülden und ſilbern Särg, das reichſte Kleinodie der Welt, St. Thomas Cantuarienſis Grab, item Maria de Bara Thalaſſa; nahm alle geiſtlich Gefälle des Lan— des zu ſich, ſetzet einen Collator darüber und trug jährlich etlich viel hundert tauſend Gulden. Das war des Heinzen Evangelium, das er ſuchet.“ Ja ſpäter wüthete der König wider die Bekenner und Lehrer des Evangeliums, verbrannte und köpfte viel treue Lehrer und Biſchöfe, „Summa, ſagt Myconius abermals, Herodes iſt nicht wider Chriſtum und Nero wider die Apoſtel ſo tyranniſch geweſen, und iſt dieſes Königreich wohl gefärbt und gedüngt worden mit Chriſtenblut.“ Deſto erfreulicher war das andere Geſchäft im folgenden Jahre, 1539. Herzog Georg von Sachſen ſtarb nehmlich in dieſem Jahre und es begann nun unter ſeinem Nachfolger Heinrich die Reformation der Meißner Lande. Da hatte denn unſer Myconius, der gerade mit dem Kurfürſten von dem Frankfurter Con⸗ vent zurückkam, die große Freude, daß er in Annaberg, wo er als ein armer Schüler jenes Zuſammentreffen mit Tetzel gehabt hatte, wo er in ſeiner Seelennoth in das Kloſter ging, wo ſo viele heilsverlangeude Seelen waren, die er früher nur ſchriftlich tröſten konnte, öffentlich mit der Predigt des Evangeliums auftreten, ja dieſelbe an dieſem Orte zuerſt aufrichten konnte. Es war am Sonntag Cantate, als am 4. Mai, daß Herzog Heinrichs Hofprediger, Lindemann, Vormittags, Myconins aber Nachmittags vor einer unglaublichen Menge von Zuhörern zu Annaberg predigten. Zu Pfingſten zog Myconius mit dem Kur⸗ fürſten und mehrern andern Theologen nach Leipzig und lieb mit dem Wittenberger Profeſſor D. Creuziger daſelbſt, als die andern wieder fortgingen. Hier half er denn wieder gar treulich das Wort Gottes aufrichten und gute chriſtliche Ordnung herſtellen, alſo daß ihm D. Juſtus Jonas das Zeugniß gibt: „Myconius ſei der rechte Apoſtel der Leipziger, ja der Biſchof im Meißniſchen, der mehr Nutzen als alle vorhergehenden in dieſer Provinz ſchaͤf— fen werde.“ Am meiſten Widerſtand leiſtete die Univerſität, bis auch hier Myconius und Creuziger mit Gottes Wort einen glänzenden Sieg davon trugen. Freitag den 21. Juni disputirten ſie Vor⸗ und Nachmittags wohl acht oder neuntehalb Stunde wider die Anhän— ger der päbſtlichen Lehre, welche von einem D. Matthäus aus Halle unterſtützt worden, in Beiſein der ganzen Univerſität und eines gro⸗ ßen Haufen Volks, und Gott gab Gnade, „daß der Teufel mit all ſeinem Anhang, Lügen und Läſtern mit aller Schande, Chriſtus aber mit ſeinem Wort und Satrament, wie ein Gold durchs Feuer gezogen, in aller Herrlichkeit be⸗ ſtand und den Sieg behalten hat.“ „Da fiel — ſagt Myconius in ſeiner derben Sprache — des Pabſt und des Teufels, der ihn reitet, Kram 32 gar in Dreck. Der Sophiſt D. Melchior Klinge trollte ſich, der Predigermönch Licentiat Bal— thaſar zeucht gegen Würzburg, D. Ochſenfurt ſtarb hernach. In Summa die Dachblumen verwelkten vor der Hitz und Glanz der Sonnen Gottes Worts.“ Der Leipziger Magiſtrat bat es ſich bei dem Kurfürſten aus, daß Myconius noch ein oder das andere Jahr da bleiben dürfe, da er von den Bürgern ſehr geliebt und geehrt werde und von ſeinem Bleiben großer Nutzen für die Stadt zu hoffen ſei; und der Kurfürſt geſtattete dies. Zwar klagten die Gothaer darüber und drangen bei dem Kurfürſten darauf, daß er ihren Pre⸗ diger zurückkehren laſſe; indeß der fromme Herr antwortete ihnen: „wie er wohl geneigt wäre, ihren Pfarrherrn und Seelſorger ihnen wieder zuzufertigen und zu Gotha bleiben zu laſſen; weil er aber zu dem Werk gebraucht würde, ſo zur Ausbreitung des heiligen Wortes Gottes, deſſen Lob und Ehr und durch Gottes Gnaden zu vieler Seligkeit dienlich iſt, ſo woll⸗ ten ſie noch eine Zeitlang Geduld tragen, da⸗ mit die reine Lehre des Evangelii und chriſtliche Ceremonien in und bei den Nachbarn auch möchten gepflanzt und aufgerichtet werden. Mittlerzeit aber möchten ſie gleichwohl darob ſein und gute Achtung mit aufgeben und haben, daß beide, an Predigten und Reichung der hei⸗ ligen hochwürdigen Sacramente und anders kein Verſäumniß geſchehe.“ Und ſo blieb denn Myconius während ganzer achtzehn Monate in Leipzig, nur daß er im Monat Juni 1540 mit auf den Convent zu Hagenau reiſte. Gegen Ende des Jahrs 1540 kehrte er endlich nach Gotha heim. (Schluß folgt.) (Eingeſandt.) Rechtfertigung. Herr Redacteur! Wir die Unterzeichneten finden uns verpflich— tet, Herrn Paſtor Wyneken, gegenwärtigen Prediger unſerer Gemeinde, gegen die ſchmäh⸗ lichen Beſchuldigungen zu rechtfertigen, die, von einigen unſerer Glieder ausgegaugen, von chriſtlichen und andern Zeitſchriften, inſonder— heit von der Weyl'ſchen Hirtenſtimme eifrigſt verbreitet worden ſind, als ob derſelbe von der Lehre der lutheriſchen Kirche abweiche und die Gemeinde der römiſchen Kirche zuzuführen ſuche. Wir bitten Sie daher, zu genanntem Zwecke folgende unſere Beſchlüſſe in den „Lu⸗ theraner“ zur Veröffentlichung aufzunehmen: 1.) Beſchloſſen: Wir erkennen und erklären Herrn Paſtor Wyneken als einen treuen Prediger der lutheriſchen Kirche und ſeine Predigt völlig gleichförmig der Lehre, welche in den Bekenntnißſchriften unſerer Kirche niedergelegt iſt. 2.) Beſchloſſen: Wir erkennen und erklären gegentheilige Beſchuldigungen als bos⸗ hafte, ſchamloſe Verleumdung. 3.) Beſchloſſen: Wir wünſchen, daß Herr Paſtor Wyneken ſo ferner unter uns lehre und ſein Amt verwalte, wie er bisher ge⸗ lehrt. 4.) Beſchloſſen, daß diejenigen, welche die angeführten Beſchuldigungen gegen Herrn Paſtor Wyneken aufbrachten, da ſie zur Begründung derſelben auf Vorladung nicht vor dem Kirchenrathe erſchienen ſind, ſchloſſen ſein, und es auch bleiben ſollen, wofern ſie nicht binnen 14 Tagen wider⸗ rufen. Nach Verlauf dieſer Zeit ſollen dit Namen derer, welche widerrufen haben, wie derer, welche ausgeſchloſſen bleiben, von der Kanzel veröffentlicht werden. 5.) Beſchloſſen, das obige Beſchlüſſe in etli⸗ chen lutheriſchen Zeitſchriften veröffentlicht werden ſollen. Der einſtimmige Kirchenrath. Die einſtimmige Gemeinde der zweiten luth. Kirche dahier. Baltimore, den 7. October, 1846. (Eingeſandt.) Die (Pſeudo) Lutheriſche Hirten⸗ ſtimme enthält in No. 18. unter der Ueberſchrift: „Ge⸗ danken aus Büchern und aus der Erfahrung,“ ein Bruchſtück einer Anrede an Confirmanden. Da heißt es denn gar erbaulich: Wie ſchon die Taufe ein Bad der Wiederge⸗ burt bedeutet, ſo ſoll der Tag der Taufbe⸗ ſtätigung ein Tag der Wiedergeburt werden. Der alte Menſch mit ſeiner Trägheit, mit ſei⸗ nem Leichtſinn, mit allen ſeinen Gebrechen und Thorheiten ſoll bei dem Austritt aus dem Lande der Kindheit gleichſam begraben werden undgänzlich verſchwinden; als neue Menſchen ſollen die jungen Chriſten von dem Altar, an welchem ſie ihren Taufbund erneuer⸗ ten, heimkehren u. ſ. w.“ Sehet da, liebe deutſche Lutheraner! wit kecklich hier mit wenig Worten 1.) das Sa⸗ crament der heil. Taufe zu einer, im Grunde bedeutungsloſen Ceremonie herabgewürdigt; 2.) die Confirmations⸗-Handlung (die ja doch in der heil. Schrift nirgends geboten undüber⸗ hunderts von der luth. Kirche hie und da ein⸗ geführt worden iſt) eben ſo dreiſt an deſſen Stelle geſchoben wird; und wie 3.) der alte Adam — d. i. die Erbſünde oder die verderbte „gänzlich verſchwinden ſoll.“ Denn wenn nach dieſer Rede die heil. Taufe bloß ein Bad der Wiedergeburt bedeuten, die Confirma⸗ tion aber dieſe bewirken ſoll; ſo würdt jene eigentlich ichts bedeuten, weil ſie in ſolchem Fall weder etwas geben noch nützen würde. Wie fein hebt hier der Redner Gottes „eitel falſche Liſt, was Eigenwitz erfunden.“ Trefflich hat er hier ſeinen Vorgängern, den Phariſäern und Schriftgelehrten, nachgeahmt, deren Beiſpiel Mare. 7, 13. uns zur War⸗ nung vorgehalten wird. Und ſolche Läſterungen, ſolch ſeelenverder— bendes Unkraut nimmt ein ſich lutheriſch nen⸗ nender Paſtor in ſeiner Zeitſchrift auf, danit es ja noch weiter verbreitet werde! Ihr Leſer menſchliche Natur—durch die letztere Handlung Gebot und Verheißung auf, und lehret dafür von heute an von der Gemeinde ausge— ů „Ein neues Leben ſoll nun in euch beginnen. haupt erſt in der zweiten Hälfte des 16. Jahr⸗