# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_October 1856_S290 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) 290 Der Ständeunterschied in der Kirche. heit dar, daß Gott in seiner wahren sichtbaren Kirche drei Hauptglieder*) oder Stände gesetzt habe: das heil. Predigtamt, den Hausstand und den obrigkeitlichen Stand. Und diese öffentliche Wahrheit machten sie zur Grundlage der Verfassung der Kirche. Sie nannten es „„Lehr⸗, Nähr⸗ und Wehrstand.““ Diese Lehre der luth. Kirche ist in neuerer Zeit in Vernachlässigung und in Verachtung gekommen, denn man suchte sich practisch lieber so zu helfen, daß alles aus der Lehre von der bloß unsichtbaren allgemeinen Kirche construirt und aufgebaut wurde... Unter Verfassung der luth. Kirche und der einzelnen Gemeinden verstehen wir gar nicht die oben erwähnten menschlichen Aufsätze und Constitutionen: sondern die Gliederung der heiligen Kirche in ihrer Sichtbarkeit, wie Gott selbst sie ordnet und zusammenfüget zum gemeinsamen Leben und Wirken. Es müssen also die Glieder der Kirche, die regieren sollen, lauter Pflanzen sein, die Gott selbst gepflanzt hat, sonst werden sie ausgereutet. Wir verstehen aber hier unter den Gliedern der Kirche nicht die einzelnen Seelen bis zum Kinde, wie es sonst der Glaube fasset, denn wir reden hier von den Gliedern, die unser Herr Gott ihrer offenbaren Art und Beschaffenheit nach in der sichtbaren Kirche zum Kirchenregiment geordnet hat. — Was finden wir davon in der Schrift? Wir finden (1 Tim. 3., Tit. 1., 1 Petr. 5. ꝛc.) das heilige Predigtamt als das erste Glied; das Gott zum versorgen und regieren seiner Kirche gegeben hat... Weil nun aber die Zuhörer, sie seien im Hausstande oder obrigkeitlichen Stande, dem Worte Gottes, also ihren Lehrern und geistlichen Führern, die es vortragen, gehorchen sollen Hebr. 13.: so folgt, daß der Gehorsam gegen das Wort Gottes“ (oder, wie es oben ausgesprochen ist: gegen die Lehrer und geistlichen Führer!) „das Höchste und Edelste in der Kirche ist, ohne welchen die göttliche Predigt der Lehrer mit Freuden nicht geschehen könne, sondern mit Seufzen gethan werden muß. Auf diesen Gehorsam des Wortes Gottes ist ja das ganze Kirchenregiment hingerichtet und hingezielt. So fragt sichs nun, ob Gott auch solche Glieder an den sichtbaren Leib der Kirche gesetzt hat, die den Gehorsam des heil. Wortes Gottes von Berufs wegen in Uebung bringen und darüber halten sollen. Und die luth. Reformation antwortet darauf ein freudiges Ja! Denn da steht im Worte Gottes die Würde des Hausvaters, der sein ganzes Haus lehren soll in der Furcht Gottes und in dem Gehorsam seines Wortes wandeln, und die Befestigung seiner Macht, die Hausgenossen zu strafen, die so nicht wandeln. Der Hausvater hat dabei die göttliche Autorität des vierten Gebotes hinter sich. An dieser Säule stehend regiert er über sein Gesinde und seine Kinder, ja er ist auch des Weibes Haupt. Hier treffen wir also das zweite Glied an, das Gott an den Leib seiner sichtbaren Kirche gesetzt hat, um dem gepredigten Worte Gottes Gehorsam zu ver- *) Præcipua membra ecclesiæ werden allerdings in den Schmalkaldischen Artikeln die Könige und Fürsten genannt, aber nicht die Hausväter; die Anwendung dieses Ausdrucks auf die drei sogenannten Stände ist daher verkehrt. L. u. W.