# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_September 1856_S287 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) Vermischte kirchliche Nachrichten. 287 zeitung“ schreibt, an Preußen die Antwort gegeben sein: „Wenn man der Intoleranz so feind wäre, möchte man sie doch im eignen Lande zuerst ausfegen und z. B. den lutherischen Gemeinden nicht länger gegen alles Recht und Ordnung verbieten, ihre eigenen Glocken zu läuten, die sie sich in ihrer Armuth selbst beschafft haben.“ Der geheime Bund der Altlutheraner. Vor kurzem hat der „lutherische Kirchenbote“ von Gettysburg die Kunde gebracht, daß gegenwärtig von den Altlutheranern in Deutschland ein geheimer Bund gestiftet worden sei, der den Zweck habe, ihnen die einflußreichsten Stellen in Staat und Kirche zu gewinnen. Der armselige Bote hatte diese Neuigkeit Gottes- und Christus-feindlichen deutschen Blättern entnommen. Der "Lutheran Observer" copirte natürlich alsbald die köstliche Nachricht und knüpfte daran seine amerikanisch-kirchenväterlichen Warnungen. Aus dem „Freimund“ vom 12. Juni dieses Jahres erfahren wir, was den Christusfeinden Veranlassung zu ihrer ebenso lächerlichen, als boshaften Verleumdung gegeben hat. Darin heißt es: „Mittwoch und Donnerstag der Osterwoche hatten sich in Reichenbach im sächsischen Voigtlande mehrere Männer unserer lutherischen Kirche: v. Harleß von München, die D.D. Thomasius und Hofmann von Erlangen, Kliefoth von Schwerin, Huschke von Breslau, Kahnis und Besser von Leipzig auf Verabredung zusammengefunden, um sich in möglichster Kürze mündlich über Bedürfnisse und Fragen der Zeit, auch über sich selbst gegenseitig zu verständigen. Sie hatten nicht für gut gefunden sich über die Gegenstände ihrer Besprechung zu erklären, und als sich die Nachricht davon wie ein Lauffeuer durch die Localblätter verbreitete, auch die Leipziger Landeszeitung die Sache einfach erwähnte, da ging ein eifriges Fragen durch aller Mund, kein Mensch aber konnte Auskunft geben, was die Herren da wohl gemacht hätten. — Da auf einmal brachte die Dresdner constitutionelle Zeitung den Aufschluß: „„Es hat sich eine Art Jesuitenbund, Bonifazius zur deutschen Eiche genannt, seit vorigem Jahre gebildet und zwar zu dem Zwecke, Deutschland wieder an Rom zu bringen und damit die Aristokratie wieder in aller Macht herzustellen und so die seit 1819 aufgewachte Reaction zu vollenden. Mit dieser Thatsache glaubt man die Zusammenkunft dieser Theologen zusammenstellen und erklären zu können.““ — Das ist die Gespenstergeschichte.“ Das alte Spruchwort: Fama eundo crescit (das Gerücht wächst im Laufen) bewährte sich auch hier. Als der Unhold in Amerika ankam, war er schon bedeutend struppiger und grausiger, als in seiner Heimath und ein vortreffliches Exemplar für die Museen der Herren Kurtz und Anstädt. Sachsen-Altenburg. Jüngst beleuchtete der Religionslehrer am Gymnasium zu Altenburg, Dr. Fr. H. R. Frank, Lic. theol., in einer Brochüre den schriftwidrigen Inhalt des Altenburgischen Gesangbuchs, von welchem eben ein neuer Abdruck vorbereitet ward. Darauf hin schlug das Consistorium gegen den Verfasser unglaublicher Weise den Weg einer Criminalklage ein! Es wurde jedoch das Consistorium in der Folge veranlaßt, die Klage wieder zurückzunehmen, zumal der Verfasser vier Gutachten (von der theologischen Fakultät zu Erlangen, von v. Harleß, Kahnis und Ohlfeld) für das unantastbare Recht seines Zeugnisses aufweisen konnte. Inzwischen strengten jedoch eine Anzahl Pastoren (welcher Classe, ist leicht zu errathen) namentlich aus der Diöcese Altenburg in einer Eingabe an das Kirchenregiment, unter Beihülfe erboster aufgeklärter Zeitungsschreiber, sich an, Herrn Professor Frank's Namen zu verunglimpfen. — Liest man hier dergleichen, so wird man immer aufs neue an die schwere Verantwortung der hiesigen Prediger erinnert, die kein Mensch zwingen kann, ein unreines Gesangbuch anzunehmen, und die trotz dieser ihnen hier gewährten kirchlichen Freiheit sich freiwillig um der Gunst der Menschen willen unter das Joch eines solchen Gesangbuches beugen, wie z. B. das hiesige „Vereinigte“ ist. Köstlin's Schrift: „Das Wesen der Kirche, beleuchtet nach Lehre und Geschichte des Neuen Testaments“ Stuttgart bei Liesching 1854. (128 Seiten in gr. 8.) Ueber diese Schrift sagt Ströbel in einer Recension, die die Rudelbachsche Zeitschrift enthält (3. Quartalheft von 1856) Folgendes: „Zwei Classen von Lesern werden das Büchlein als verderblich ausschreien: die Romanisten; denn „„welch scharfer Gegensatz zu jener katholischen Richtung, welche nicht bloß mit gleichem, sondern gar mit weit überwiegendem Gewicht auf die Form dringt und das Wort „„Kirche““ in solcher Auffassung als Zauberwort des Lebens und als A und O der Lehre nicht oft und laut genug wiederholen kann!““ — und unsere auf der reuevollen Pilgerfahrt nach Rom begriffenen „„Amt““ und Kirchenmänner, denen gegenüber ein Köstlin auch jene Kassandra-Frage wiederholen möchte: warum sandtest du mich hin in die Stadt der Ewigblinden, mit dem aufgeschlossnen Sinn? — Wir anderen aber, soviel ihrer mit dem Titelmotto: „„Es muß geistlich gerichtet sein!““ einverstanden sind, und sich nicht zurücksehnen nach den mittelalterlichen Fleischtöpfen Aegyptens, wollen dem trefflichen Verfasser für seine schöne Gabe aufrichtig danken und uns der Erleuchtung, die das Evangelium auch über den Artikel von der Kirche ausgegossen hat, rühmen und freuen.“ Die Kirche, schreibt Köstlin ganz richtig, wie sie sich dem Protestantismus aus dem Worte Gottes ergibt, mag ihrem Begriffe nach für den stumpfen natürlichen Sinn schwer faßlich und in ihrer geschichtlichen Gestaltung oft unscheinbar und unserm Kleinglauben sogar ärgerlich sein: in Wahrheit aber ist sie diejenige Gemeinde, an welcher auch