# Der Lutheraner_St. Louis Missouri_1846 11 17_S31 # Machine transcription, uncorrected — CHI Digital Archive (demonstration) Der Tutheraner. „Gottes Wort und Luthers Lehr' vergehet nun und nimmermehr.“ Herausgegeben von C. F. W. Walther. Jahrgang 3. St. Louis, Mo., den 17. November 1846. No. 6. Bedingungen: Der Lutheraner erſcheint alle zwei Wochen einmal für den Subſcriptionspreis von Einem Dollar für die auswärtigen Unterſchreiber, welche davon die Hälfte vorauszubezahlen und das Poſtgeld zu tragen haben. — In St. Louis wird jede einzelne Nummer für 5 Cents verkauft. Friedrich Myconius. Eine lehrreiche und erbauliche Lebensgeſchichte, aus alten Schriften neu erzählt. Drittes Kapitel. Von Myconii treuem evangeliſchen Tagewerke. Sobald Myconius ſeinen Verfolgern entron— nen war, fing er nun an, öffentlich Den zu predigen, welchen er ſchon im Kloſter unter ſo vielen Anfechtungen bekannt hatte. Von Buch— holz ging er nach Zwickau, wenigſtens treffen wir ihn daſelbſt im J. 1524 an, und er hat von da aus einen Troſtbrief an die Freunde des Evangeliums in Annaberg geſchrieben. Ja noch in demſelben Jahre brachte ihn der HErr an die Arbeitsſtätte, wo er bis an ſein Ende ausgeharrt hat. Auf des Raths, der Gemeinde, des Decans, des Stifts und des Amts Bitte wurde er von Herzog Johann zum Prediger nach Gotha berufen und zog dort um Mariä Himmelfahrt (den 15. Auguſt) ein. Um die Stadt Gotha nun, ſo wie um den ganzen Thü— ringiſchen Kreis, deſſen Superintendent Myco— nius ſpäter ward, hat er ſich durch Pflanzung des Evangelii daſelbſt die größten Verdienſte erworben. Daneben hat er aber auch andern Gegenden und Ländern mit der vom HErrn ihm verliehenen Gabe gedient und mehrern wichtigen Religionsverhandlungen thätig bei— gewohnt; wie wir ſolches Alles kürzlich berich— ten wollen. Zu ſeinem erſten Werke gehörte es mit, die bisher von den Mönchen und Nonnen ver⸗ ſchlungenen Pfarrgüter zur Aufrichtung von Schulen und zur Ausſtattung von Predigerſtellen zu verwenden. Es koſtete keine geringe Mühe, wie er ſelbſt ſagt, „aus dem alten, verſpureten, zermalmeten Holze ein neues Haus zu erbauen“ und mußte, um die Sache in Ordnung zu bringen, wider den Strom gewatet und Alles mitten aus dem Feuer geholt werden. Bis in ſeine ſpäteſten Jahre hatte er damit zu thun. Zu gleicher Zeit galt es aber auch, denen zu widerſtehen, welche im falſchen Verſtand der evangeliſchen Freiheit das Unterſte zu oberſt kehren wollten. Im J. 1525 nämlich entſtand der bekannte Bauern⸗ aufruhr, welchen in Thüringen und Franken be— ſonders Thomas Münzer leitete. Da gelang es dann vorzüglich durch des Myconius Be— mühungen und Predigt, daß von der Stadt Gotha und ihrer Pflege aller Aufruhr fern gehalten wurde. Ingleichen beredete er einen Haufen rebelliſcher Bauern zu Ichtershauſen, welche die Schlöſſer Gleichen, Mühlberg und Wechſenburg ſchleifen und den Adel vertreiben wollten, daß ſie auseinander gingen. Der Zeitfolge wegen ſei hier gleich bemerkt, daß Myconius im folgenden Jahre (1526) ſich auf Luthers Beiſpiel zur Ehe entſchloß und eine ehrſame Jungfrau, eines Gothaiſchen Bürgers, Bartholomäus Jacken, Tochter heirathete, wel⸗ che ihm neun Kinder gebar, von welchen ihn höchſtens vier überlebten. Ferner hatte er im J. 1527 Gelegenheit, das Evangelium an vielen Orten zu predigen, wo es zuvor noch nie gehört worden war. Der damalige Kurprinz, Herzog Johann Frie— drich, der nachmalige Kurfürſt und treue Märtyrer des Evangelii, machte im Anfange des gedachten Jahres eine Reiſe in das Cle— viſche, um ſeine Brant, Sibylla, Tochter des Herzogs Johann von Cleve, kennen zu lernen. In ſeinem Gefolge hatte er auch unſern Myconius, der täglich vor ihm predigen mußte. Solches geſchah in vielen Städten und auch zu Düſſeldorf auf dem Schloſſe. Darüber entrüſtete ſich ein Franciskaner- Mönch, Johann Korbach, und es kam zwiſchen ihm und Myco— nins zu einer Disputation, worin dieſer den Mönch, ganz nach 1 Petr. 3, 15. 16., durch ſeine Sanftmuth ebenſowohl als durch ſeinen Verſtand am göttlichen Worte überwand. Doch bald gab es zu Hauſe wichtigeres zu thun, denn noch im ſelbigen Jahre begann die Viſitation der Kirchen und Schulen, welche der Kurfürſt in ſeinen Landen anſtellen ließ, und die bis ins Jahr 1529 währete. Hierzu wurde Myeonius auch zugezogen und übernahm mit Melanchthon und Juſtus Jonas und den welt— lichen Räthen Johann von Planitz, D. Hiero— nymus Schurf und Erasmus von Hangwitz die Viſitation des Thüringiſchen, wo der An— fang gemacht wurde. Dieſe Viſitation wurde im J. 1533 nochmals wiederholt, und Myco— nius war mit Melanchthon, Juſtus Menius, Pfarrer in Eiſenach, Chriſtoph von Planitz, Georg von Wagenhein und Johann Cotta, Bürgermeiſter von Eiſenach, wieder dabei. Die größte Schwierigkeit bei dieſer Viſitation be— ſtand darin, woher man zureichende Beſoldun⸗— gen für die Prediger bekommen könne; denn das gemeine Volk, ob es gleich von aller Laſt und Beſchwerung der Bettelmönche befreit wor⸗ den, wollte ſich doch nicht bequemen, an ihre Pfarrherrn viel abzugeben, und unter dem Adel hatten Manche die Kirchengüter ſelbſt an ſich gezogen, ſo daß man nun Gewalt brauchen mußte, ſie wieder aus ihren Händen zu bringen. Doch brachte es Myconius mit ſeinen Gehülfen „mit großer Sorg, Mühe und Arbeit“ dahin, daß nun jede Pfarre ihren Lehrer und gewid⸗ met Einkommen hatte, jede Stadt ihre Schule und was zur Kirchen gehöret. „Ach lieber Gott — ſeufzt der fromme Mann bei dieſer Erzäh— lung — du haſt geben, daß es wohl angericht iſt; gib, daß es auch wohl gehalten und erhal— ten werde.“ Es würde zu weit führen, wenn wir Alles einzeln aufzählen wollten, was Myconius in jener arbeitsvollen und geſegneten Zeit der Kirche hat ausführen helfen. Es ſei daher bloß erwähnt, daß er mit auf dem Convent zu Nürnberg (im J. 15322) und dem zu Frank⸗ furt (im J. 1539) zugegen war; ingleichen, daß er dem Religionsgeſpräch zu Marburg zwiſchen Luther und Zwingli (im J. 1529) und der Zuſammenkunft zur Abſchließung der Wittenberger Concordie (im J. 1536) beiwohnte. Nur zwei ſeiner Hauptgeſchäfte aus den ſpätern Jahren ſeines Lebens mögen erzählt werden. Das erſtere ſcheint ſehr ehrenvoll und wichtig, war aber am Ende ſehr unerfreulich. König Heinrich VIII. von England, anfangs ein ſo eifriger Freund des Pabſtthums, daß er ſelbſt eine Schrift zur Vertheidigung deſſelben ſchrieb, ſtellte ſich ſpäter dem Evangelio geneigt, trat mit den proteſtirenden Fürſten in Verbin⸗ dung, und auf ſein wiederholtes Anſuchen ging im J. 1538 eine Geſandtſchaft nach England ab. Dazu gehörte Franz Burckhard, Vice⸗ kanzler des Kurfürſten von Sachſen, Georg von Boyne burg, ein Heſſiſcher Edler und beider Rechte Doctor, und abermal unſer Frie-— drich Myconius. König Heinrich verord— nete drei Biſchöfe und vier Doctoren der Theo⸗ logie; mit denen verhandelten die Abgeſandten einen ganzen Sommer über die Augsburgiſche Confeſſion, ohne daß man hätte einen Artikel mit Schrift oder Grund tadeln können, „alſo daß in ganz England eine gemeine Hoffnung ward, Chriſtus würde allda Platz und Raum kriegen.“ Der König gebot auch das Evange— lium rein zu predigen, aber nichts deſto weniger ſollte man das Meßopfer, die Communion