# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_September 1856_S282 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) 282 Wie ein Prediger die Bibel lesen und beten soll. das ihre dazu beigetragen haben, indem sie zwar wohl die lutherische Abendmahlslehre in Schule und Kirche vortrugen, sonst aber auf lutherisch kirchliche Entschiedenheit weder in Lehre noch Leben drangen, ja gelegentlich wohl dagegen eiferten? 3. Sollte man darum dem Herrn Consistorial⸗Rath Ebrard es nicht Dank wissen, daß er die Sache zur klaren Entscheidung brachte und darauf drang, daß die Union auch eine Wahrheit werde, wenn sie einmal sein soll und will, was nicht anders geschehen kann, als daß die beiderseitigen Bekenntnisse aufgegeben und in ein neues verschmolzen werden? und daß damit dem verführerischen und verderblichen Zwitterwesen eines preußischen Unionismus ein Ende gemacht ward? Freimund. Wie ein Prediger die Bibel lesen und beten soll. Hierüber stellte einst Luther (schon im Jahre 1519) dem gottseligen Spalatin folgende kurze Regel: „Des Abends nimm allezeit etwas aus der heil. Bibel mit zu Bette, daß du als ein rein Thier wiederkäuest und sanft einschlafest. Nicht aber viel, sondern ein weniges, das wohl überlegt und verstanden sei; daß du früh beim Aufwachen als ein heiliges Ueberbleibsel von gestern her sindest. Und in allem Studiren der Schrift oder Gottesgelahrtheit muß man ganz an seinem Verstande und Arbeit verzweifeln und nur mit Furcht und Demuth Verstand von Gott erbitten. Darum wenn du zur Bibel nahest, so erhebe die Augen des Herzens und Leibes erst zu Christo, und bitte ihn in einem kurzen Seufzer um seine Gnade; welches man auch oft unterm Lesen thun muß, daß du denkest und sagest: Ach HErr! gib doch, daß ich das recht verstehe und vielmehr — thue. Hüte dich aber vor allem andern, daß du nicht bloß wissen und verstehen wollest (denn für so grob halte ich dich doch nicht, daß du Ehre, Gewinn oder Ruhm suchest), ja auch nicht, daß du andere lehren wollest. Laß dir den Gedanken ja recht feste hierinnen sein, denn die eitle Ehrsucht kann ganz heimlich verborgen stecken, und suche nichts als die Ehre Gottes, daß du so gesinnet seist: Siehe! liebster HErr IEsu, wenn das nicht zu deinen Ehren ist, so laß mich keine Sylbe davon verstehen; gib mir aber, so viel dir an mir armen Sünder zu deinen Ehren zu gereichen scheint.“ „Gedenke, daß du ein Priester bist d. i. ein gemeiner und öffentlicher Diener, darum bitte nicht so sehr für dich, als für die Schafe, insonderheit für die Obern der Kirche, nehmlich die Bischöfe und Regierer, weil ihr Heil unser aller Heil ist.“ (Luthers Werke, Hall. A. XXI, 633.)