# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_September 1856_S278 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) 278 Ueber den rheinpfälzischen Kirchenkampf. Lutherischen zu machen. — Lutherische Gemeinden fanden sich besonders in dem ehemals ritterschaftlichen Gebiete in und in der Nähe der Reichsstadt und Festung Landau und in denjenigen Landestheilen, welche an das Elsaß grenzen. Die Union, welche im Jahre 1818 zu Stande kam, ist ein genaues Vor⸗ und Abbild der badischen und nassauischen Unionen, welche um dieselbe Zeit, kurz vor- und nachher gemacht wurden, und die rheinbayerische ist daher genau gezeichnet in den Bildern, welche „Freimund“ von den nassauischen und badischen Unionen früher bereits geliefert hat. — Flugs wurden in Folge dieser Union ein neues Gesangbuch und ein neuer Katechismus gemacht und von den Bekenntnißschriften hieß es in der rheinpfälzischen Unionsurkunde: „sie werden in gebührenden Ehren gehalten!“ Welche „gebührende Ehren“ diese seien, konnte man nicht erfahren. Denn sie waren unter dem Volke und der gesammten Landesgeistlichkeit so ziemlich ganz vergessen. Aber auch die bayerische Rheinpfalz konnte dem seit 20 und 10 Jahren neu erwachten Glaubensleben nicht ganz verschlossen bleiben. Viele jüngere Geistliche, welche zum Theil und zuletzt alle in Erlangen studirten, brachten theologischen Ernst und Liebe zu dem lutherischen Bekenntnisse und der lutherischen Kirche mit. Das Consistorium in Speyer wurde mit einer frischen Kraft in der Person des früheren reformirten Pfarrers und Professors Rust von Erlangen besetzt. Nun entstand zuerst ein erbitterter Kampf des Rationalismus gegen das in dem Consistorium und unter den Geistlichen neu erwachende Glaubensleben. Jede Aeußerung des letzteren wurde von dem Rationalismus bekämpft und nicht ohne Schein berief sich letzterer auf die Unionsurkunde und den eingeführten Katechismus, um sein menschliches Recht im Lande zu begründen. Dennoch verlor der Rationalismus auch unter dem Volke immer mehr seinen Credit und unter den gläubigen Geistlichen zeigte sich große Rührigkeit in Errichtung von Missionsvereinen, welche jedoch alle nach dem reformirten und unirten Basel zinseten. Da kamen die Sturmjahre 1848 und 1849 und dieselben schienen dem sinkenden Rationalismus noch einmal einen vorübergehenden Sieg zu verschaffen. Der Consistorialrath Rust, auf dessen Entfernung längst gedrungen war, wurde nun wirklich aus der Rheinpfalz ganz abberufen, und durch gänzliche Trennung von dem Oberconsistorium in München sollte die Union, so wie sie einmal war, befestigt werden. Die Sturmjahre waren schnell vorübergerauscht und die Jahre stiller Besinnung, ja der Reue kamen. Der reformirte Professor Ebrard von Erlangen, früher in Zürich, wurde als Consistorialrath nach Speyer geschickt. Dessen erstes Bestreben war, der rheinpfälzischen unirten Kirche ein gewisses Bekenntniß zu geben, welches dem Rationalismus einen Damm in den Weg stellen sollte, ohne die Kirche confessionell oder gar lutherisch zu machen. Da war nun freilich guter Rath theuer und darum kam man auf einen recht schlimmen Rath und Handel. Jener war theuer. Denn die Gemeinden,