# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_September 1856_S277 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) Ueber den rheinpfälzischen Kirchenkampf. 277 sammlung einen Aufsatz aus Dr. Petris Zeitblatt über die Lehre von der sichtbaren und unsichtbaren Kirche an, der viele der einschlagenden Puncte beleuchtete. In der folgenden Verhandlung verschafften sich dann drei Sätze, nämlich 1. daß der Grund aller Lehre, die Lehre von der Rechtfertigung aus dem Glauben, gefährdet werde, wenn man von irgend einer Art der persönlichen Vereinigung mit Christo rede, die ohne Glauben und Rechtfertigung bestehe; — 2. daß auch die heil. Schrift von einer solchen nichts lehre, daß sie insonderheit als den (mystischen) Leib Christi nur die Gemeine der Gläubigen und Gerechtfertigten darstelle, Eph. 5, 26., wogegen man auch die Worte V. 30. von seinem Fleisch und von seinem Gebein keineswegs mit Recht geltend machen könne; 3. daß die kirchlichen Dogmatiker nur sagen, daß auch bei Unglauben des Täuflings die substantia (das Wesen) der Taufe unverletzt vorhanden sei, nicht aber von einem effectus (einer Wirkung) der Taufe bei den Ungläubigen und Heuchlern reden; — wenigstens in so weit allseitige Anerkennung, daß mit der Hoffnung auf völlige Einigung, auch wenn sie für den Augenblick noch nicht in allen Puncten hervortrat, doch die Verhandlung geschlossen werden konnte. Was aber damals noch nicht bis zum Ziel gelangt, ist seitdem — und darf ja auch dieses in den Bericht von der Conferenz mit aufgenommen werden — durch gewechselte Briefe völlig geschehen, so daß gerade der Segen dieser brüderlichen Verhandlung über die Lehre ein überaus großer genannt werden darf, und an derselben recht deutlich geworden ist, wie wichtig es für uns meist einsam Stehende ist, hin und wieder Gelegenheit zu haben, unsere Ansichten über Gegenstände der Lehre gegen Brüder auszusprechen, die ihrigen zu hören und uns so gegenseitig zur Klarheit über dieselben zu helfen und helfen zu lassen. (Aus dem „Freimund“ vom 19. Juni d. J.) Ueber den rheinpfälzischen Kirchenkampf. Kein Land auf deutschem Grund und Boden war von dem Rationalismus, der um die Zeit der französischen Revolution sich breit zu machen anfing, ärger mitgenommen und zerfressen worden, als die jetzige bayerische Rheinpfalz. Das Gebiet war meist der reformirten Confession zugethan, hing mit dem benachbarten Heidelberg zusammen, und von da strömte in den folgenden Jahrzehnten der gemeine Rationalismus des alten Professor Paulus durch viele junge Leute, welche in Heidelberg Theologie studirt hatten, über den Rhein nach der bayerischen Rheinpfalz hinüber. Die Folgen blieben nicht aus. Auf staatlichem Gebiete herrschte schon in den zwanziger und dreißiger Jahren ein wahres Revolutionsfieber, und auf dem kirchlichen Gebiete hatte man nichts eiligeres zu thun, als die beiden protestantischen Kirchen urkundlich aufzuheben und eine Union (Vereinigung) zwischen den Reformirten und den *