# Der Lutheraner_St. Louis Missouri_1846 10 27_S30 # Machine transcription, uncorrected — CHI Digital Archive (demonstration) nur ſchon einige Geldmittel zur Erbauung ei⸗ nes Seminar⸗Gebäudes, ſondern auch einen Candidaten der Theologie und 11 junge Män⸗ ner herübergeſendet, welche kürzere oder län⸗ gere Zeit bereits in Deutſchland bei bewährten lutheriſchen Paſtoren Unterricht empfingen. Dieſe—ein anderer Candidat der Theologie, der auch als Lehrer mitwirken ſoll, iſt binnen Kurzem zu erwarten — ſind denn bereits im vorigen Monat hier angekommen, und nach⸗ dem vorläufig die nöthigſten Einrichtungen getroffen ſind, indem der Bau des Seminar⸗ Hauſes erſt im nächſten Frühjahr beginnen kann, ſo ſoll unter dem gnädigen Beiſtande Gottes der Unterricht in dieſem Monate be⸗ ginnen. Näheres und Beſtimmteres über die Ein⸗ richtung deſſelben gedenken wir jetzt nicht zu veröffentlichen. Wir beſchränken uns für dies⸗ mal, die Aufmerkſamkeit der lieben Leſer und der treu geſinnten lutheriſchen Gemeinden nur auf zwei Puncte zu richten. Der eine iſt die kurze Darlegung des Zweckes des Seminars; der andere iſt die herzliche Bitte an alle treue Kinder der lutheriſchen Kirche, die noch für keine eigene Anſtalt dieſer Art zu ſorgen haben, dieſes Pflänzlein auch mit unter ihre Pflege zu nehmen, und es durch Ge— bet und Handreichung mit begießen zu helfen. Was nun zuerſt den Zweck des Seminars be-⸗ trifft, ſo tragen wir deß kein Hehl, ſondern be— kennen es frei, daß es unſer herzliches Gebet, Wunſch und Wille ſei, der Kirche in unſern Zöglingen Diener zuzurichten unter der Gnade und dem Segen des dreieinigen Gottes, 1.) die da halten an dem Vorbilde der heil— ſamen Lehre und bleiben in dem, was ihnen vertraut iſt, wie die rechtgläubige Kirche, der— malen lutheriſch genannt, auf Grund des gött— lichen Wortes von Anbeginn glaubt, bekennt und lehrt; 2.) die demgemäß nichts zu ſchaffen haben mit der ſchriftwidrigen Kirchenmengerei und falſchen Unioniſterei unſerer Tage, in welcher leider auch hier zu Lande entweder im Bekennt-— niß und Praxis, oder doch in letzterer die mei— ſten ſogenannten lutheriſchen Synoden und Gemeinden verflochten ſind,) ſondern die viel⸗ mehr kämpfen ob dem Glauben, der einmal den Heiligen vorgegeben iſt, und keine andere Einigung begehren und eingehen, als die da iſt in einerlei Glauben, Befenntniß und Lehre in allen Artikeln der uns von Gott in ſeinem Worte überlieferten Wahrheit zur Seligkeit; 3.) die eine geſunde und gründliche Erkennt— niß und, ob Gott will, auch innere Erfahrung. dieſer Wahrheit gewonnen haben; 4.) die da tüchtig ſind, auch Andere dieſe Wahrheit zu lehren, das Wort Gottes, Geſetz und Evangelium, recht zu theilen und zu ver— ) Es iſt eine ganz bekannte Thatſache, daß die ſogenannte luther. General⸗Synode z. B. in der Lehre von den heil. Sacramenten durchaus reformirt, und in der kirchlichen Praxis vielfältig methodiſtiſch iſt; daß ferner z. B. Glieder der luth. Synoden von Ohio und Michigan gemiſchte Gemein⸗ den, als ſolche bedienen, und alſo z. B. bei der Verwaltung des heil. Abendmahls den Lutheranern lutheriſch und den Reformirten reformirt ſind. 30 binden und den Rotten- und Schwarmgeiſtern zu wehren; 5.) die in lauterer Herzensdemuth und auf⸗ richtiger Liebe zu ihrer Kirche ſtehen, als die das Geheimniß des Glaubens in reinem Ge— wiſſen haben; 6.) die da bereit ſind, um des hochtheuren Bekenntniſſes und der reinen und einen Lehre willen allerlei Kreuz und Trübſal von Innen und Außen gern und willig zu erdulden; 7.) die Acht haben auf ſich ſelbſt und auf die Heerden, die der HErr und Erzhirte ihren der— einſt befehlen möge, um ſie im Ganzen und Einzelnen mit reinem Wort und Saerament treulich zu weiden, und auch im Leben und Wandel und in allerlei Frucht des Geiſtes Vor⸗ bilder ihrer Heerden zu ſein. 8.) Die endlich auch Fleiß thun, zu halten die Einigkeit im Geiſt durch das Band des Friedens auch unter einander, deß eingedenk, daß ſie nicht nur von demſelben Vater erſchaf— fen und von demſelben Sohne erlöſet, von dem⸗ ſelben heiligen Geiſte geheiligt ſind, ſondern dieſem ihrem Gotte in derſelben hochheiligen Sache, nämlich an der Erbauung ſeiner heil. Kirche als ſeine Mitarbeiter dienen. Solche Diener der Kirche in kürzerer oder längerer Zeit, je nach Alter, Herzensbeſchaffen— heit und Gaben heranzuziehen durch den gnä— digen Beiſtand des heil. Geiſtes —das iſt unſer Zweck und Ziel. Um dieſen Zweck aber mög— lichſt zu verwirklichen, dieſes Ziel möglichſt zu erreichen, dazu gehört — und das iſt eben der andere Punct meiner brüderlichen Anſprache — auch das Gebet und die Handreichung nicht nur der theuren Glaubensbrüder in Deutſch⸗ land, ſondern auch derer hier in America, für welche ja ganz beſonders dieſe Anſtalt gegrün⸗ det iſt. Wie manche dieſer letzteren bauen Häuſer und Scheunen und pflanzen Obſtgärten auch für ihre Kinder und pflegen dieſer ihrer Bau⸗ ten und Pflanzungen mit Treue und Sorgfalt; auf daß ihre Kinder und Kindeskinder davon einen irdiſchen Gewinn haben. Sollten ſie denn nicht auch dieſe geiſtliche Pflanzung helfen be— gießen und pflegen durch gläubige Fürbitte und thätliche Mitwirkung, von welcher ſie und auch ihre Kinder unter Gottes Segen doch noch können einen himmliſchen Gewinn erndten? Würden ſie wohl gern müſſig zuſehen, wenn ihre Freunde ihnen ihre Felder beſtellten und ihre Häuſer bauten, indeſſen ſie ſelber rüſtig und ſtark genug ſind, wenigſtens bei ſolcher Lie⸗ besarbeit zu helfen? Demgemäß hoffe ich keine Fehlbitte bei den aufrichtigen Söhnen unſerer geliebten Kirche zu thun, ſollten deren auch bei dem dermaligen Verfall und Entſtellung derſelben nur wenige ſein, den deutſchen Brüdern und Glaubensge— noſſen in der Pflege des hieſigen Seminars. dieſer geiſtlichen Liebesarbeit, mit betenden Herzen und geöffneten Händen Hülfe zu leiſten. Sind ja doch unſere Füße willig, den ganzen Leib dahin zu tragen, wohin das Haupt will, wie umgekehrt auch Augen und Hände, ja der ganze Leib ſich den Füßen zuneiget und ihrer wahrnimmt und pfleget, ſo ihnen ein Leid wi⸗ derfahren iſt! Sollten nun wir, die wir ein geiſtlicher Leib in Chriſto ſind, uns von unſerm ſterblichen Leibe beſchämen laſſen, und uns nicht gegenſeitige Handreichung thun, und ge⸗ meinſam treiben die Arbeit der Liebe? Sollten wir, denen das köſtliche edle Kleinod der reinen Heilslehre und der ungefälſchten Sacramente auch zur Fortpflanzung und Aus⸗ breitung von dem HErrn vertraut iſt, kalt, entfremdet und mißtrauiſch uns vereinzeln, oder träge und müſſig die Hände in den Schoos legen? Soll unſer Eifer um die Erhaltung der reinen ſeligmachenden Wahrheit von dem Ei— fer der Papiſten und Schwärmer um die Er— haltung ihrer ſeelenverderblichen Irrlehren übertroffen werden? Darum, ihr geliebten Brü— der und Glaͤubensgenoſſen diesſeits des Mee— res, die Ihr Eure Kirche noch lieb habet als den Pfeiler und die Grundfeſte der Wahrheit, die Ihr auch die Erhaltung derſelben unter unſern eingewanderten und jährlich zu Tau— ſenden einwandernden Glaubensbrüdern auf dem Herzen traget—leget hier Hand mit an! Laſſet uns auch hiebei zuſammen, wie Nehe— miah und die Seinen, mit der einen Hand ſtreiten wider die Papiſten und Schwärmer, falſchen Brüder und alle ſchriftwidrige unkirch— liche Union, mit der andern Hand aber —bauen! Nun der treue HErr und Gott, der es den Aufrichtigen gelingen läßt, wird dies ſein lieb⸗ liches Wort der Verheißung auch in dieſem Sinne an uns wahr machen. Das thue er aus Gnaden! Amen“) Dr. W. Sihler, luth. Prediger zu Fort Wayne, Ind., d. Z. Vorſtand des Seminars. Fort Wayne, den 24. October 1846. *) Jede eingehende Liebesgabe für das Seminar ſoll, unter Vorausſetzung der freundlichen Erlaubniß des Herausgebers, vierteljährlich im „Lutheraner“ angezeigt und darin der rich⸗ tige Empfang beſcheinigt werden. Bezahlt: 1. Jahrg. die Herrn Paſt. Harms, Leutner, J. G. Schneider, Fr. Thiemeyer, Paſt. Wyneken, Paſt. Saupert. 1. Hälfte des 2. Jahrg. Hr. H. C. Dannettel. 2. Jahrg. die Herrn Baumgart, Fr. Bihler, C. H. Dan⸗ nettel, Paſt. Harms, Dr. Haynel, Leutner, Roll⸗ mann, J. Scharpf, J. G. Schneider, Senft, Thüner, Fr. Thiemeyer, Paſt. Wyneken, Paſt. Saupert. 1. Hälfte des 3. Jahrg, die Herrn J. Beiswänger, J. Briehl, J. Drege, A. Einwächter, E. Fiſcher, D. Katen⸗ kamp, Maria Köſter, Leutner, Leiſtner, Fr. Louis, H. D. Mever, J. H. Müller, Chr. Reinhardt, H. Ruppel, Math. Schmidt, Ch. und F. Schröder, H. Spörl, G. M. Sus, A. Weydemeier, J. Weckeſſer, M. Wahl. 3. Jahrg. die Herrn J. Aichele, F. Bihler, C. H. Dannet⸗ tel, G. Ebert, J. Fetting, J. Föllinger, Paſt. Grätz, Paſt. Harms, L. Hellwig, J. Imwalde, C. H. Kleppiſch, Niklas, Ch. Piepenbrink, Rollm ann, Th. Rückert, R. Schwegmann, Steinbrück, F. Thie⸗ meyer, Thüner, G. Wiedemann, Paſt. Wyneken, Paſt. Hattſtädt, (5 Ex.), Paulus Hoffmann, J. Santſchi, K. H. Schaal, Paſt. Saupert. Erhalten durch Ch. Stock 86,25. Ph. Bohn 82,97. P. Pohl 93,53. Gedruckt bei Weber und Olshauſen.