# Der Lutheraner_St. Louis Missouri_1844 10 13_S13 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) Der Lutheraner. „Gottes Wort und Luthers Lehr' vergehet nun und nimmermehr.“ Herausgegeben von C. F. W. Walther. Jahrgang 1. St. Louis, Mo., den 19. October 1844. No. 4. Bedingungen: Der Lutheraner erscheint alle zwei Wochen einmal für den Subscriptionspreis von Einem Dollar fünf und zwanzig Cents für die auswärtigen Unterschreiber, welche davon die Hälfte vorauszubezahlen und das Postgeld zu tragen haben. — In St. Louis wird jede einzelne Nummer für 6¼ Cents verkauft. Der Wanderer und die Zugvögel. Wanderer. Willkommen, ihr Wand'rer dort oben, Ihr Schaaren im fröhlichen Zug, Hoch über die Erde erhoben, Getragen im kräftigen Flug! Wie eilt ihr mit raschem Gefieder Von Norden gen Süden nach Haus, Und bringet den Herbst uns schon wieder, Und rufet: der Sommer ist aus! Zugvögel. Ja, hört es, ihr Menschen da unten, Wer unsere Sprache versteht: Schnell fliegen die Jahre und Stunden, Der Lenz eures Lebens vergeht! Wie ihr uns im flüchtigen Zuge Seht kommen und schwinden auch schon, So eilt, wie im reißenden Fluge Eu'r Leben, als flögt ihr davon! Pf. 90, 10. Wanderer. Doch sagt mir, ihr Reisegefährten, — Es macht mich bewunderungsvoll; — Ich Wanderer weiß wohl auf Erden, Wann und wohin reisen ich soll; Doch wer mag euch Kran'che wohl lehren Die Straßen auf luftiger Bahn, Und wann ihr dann wieder sollt kehren, Wer zeigt es alljährlich euch an? Zugvögel. Wir reisen auf dessen Befehle, Der uns so gar weislich erschuf, Daß auch ohne menschliche Seele Wir folgen auf göttlichen Ruf. Doch, Kran'ch, Schwalb' und Turteltaub' wissen, Wie Gott der Herr selbst zu euch spricht, Die Zeit, da sie umkehren müssen, Mein Volk aber merket es nicht! Jerem. 8, 7. Wanderer. Wohl strafet dies Wort unsre Sünden Und locket die sichere Schaar, Wie Schwalben ein Nestlein zu finden, Herr Zebaoth, deinen Altar; Pf. 84, 4. Doch wehe, wir Thoren versinken In irdische Sorge und Pein; „Was werden wir essen und trinken?“ Das suchen wir just nur allein. Zugvögel. O! hört doch, ihr sorglichen Seelen, Hört, was der HErr selber euch lehrt: Wie wenig wir Vögel uns quälen, Um das, was uns speiset und nährt. Froh treten wir an unsre Reise, Wir säen und arbeiten nicht, Und finden doch stets unsre Speise, Daß keinem sein Mäßlein gebricht. Matth. 6, 26. Wanderer. Ja, könntet ihr dieses uns lehren, Mit Freuden nach oben zu schau'n, Den leidigen Sorgen zu wehren Und unserem Gott zu vertrau'n: Wie selig vergingen die Tage In unserem irdischen Lauf, So aber hört Kummer und Plage Und täglicher Jammer nicht auf. Zugvögel. Drum sehet uns fröhliche Schaaren Auffliegen trotz Schlingen und Garn! So sollen wie Adler auffahren, Die auf den Allmächtigen harr'n. Jes. 40, 31. Ach, hättet ihr Flügel, wie Tauben, Und flöget zum Himmel hinauf! Doch habt ihr ja Flügel im Glauben; Auf! flieget zum Vater hinauf! Wanderer. Wohlan denn, wir wollen es wagen, Gott stärke den wankenden Fuß! — Eins aber noch wollt' ich euch fragen, Worüber ich wundern mich muß: So sehr ihr sonst pfleget zu eilen, So fliegt ihr oft zögernd umher. Was mag euch doch dann wohl verweilen? Was ruft eure Stimme so sehr? Zugvögel. Wenn oftmals ermüdete Glieder Sich haben verspätet im Flug, So harren wir, bis sie sich wieder Zusammengefunden im Zug. Dann geht's in geschlossener Reihe. — Ein rufender Führer dazu. — In herzlicher Liebe und Treue Bis zu der heimathlichen Ruh. Wanderer. Das ist mir ein friedliches Wandern, Wo man sich einander nicht haßt, Wo Einer gern dienet dem Andern Und träget des Schwächeren Last. So sollten wir Pilger hienieden, Von einerlei Geiste regiert, Dem folgen in Liebe und Frieden, Der treulich zum Himmel uns führt. Nun, zieht denn, ihr frohen Geschwader, Hinab in das wärmere Land! Uns leite der himmlische Vater Hinauf in das bessere Land! Da wollen dem HErren wir singen, Wenn wir aus geöffneter Gruft Ihm werden auf seligen Schwingen Entgegengerückt in der Luft. 1 Thess. 4, 17. G. H. Löber. Von dem Namen „Lutheraner.“ C. Warum bestehen wir auf Beibehaltung dieses Namens? (Schluß.) Nach Durchlesung der letzten Nummer unseres Blattes redet uns vielleicht mancher also an: „Gesetzt, es wäre wirklich so, wie du geschrieben hast — zugegeben, alle die sogenannten Partheien hätten wirklich einige Abweichungen von dem klaren Worte Gottes in ihren Bekenntnissen zu Glaubensartikeln gestempelt und müßten daher für irrgläubige angesehen werden: aber du hast ja selbst nicht gewagt, es zu leugnen, daß man auch in solchen Gemeinschaften selig werden könne! — Willst du dieses Zugeständniß nicht zurücknehmen, so hast du dich ja damit selbst entwaffnet; denn was ist denn mehr nöthig, als daß eine Kirche eine Anstalt zum Seligwerden ihrer Glieder sei? Warum willst du dich denn also scheuen, einen Namen zu tragen, womit eine solche Anstalt bezeichnet wird? warum darauf bestehen, ein Lutheraner zu heißen? warum dich nicht mit jenen Partheien vereinigen? Führt denn die lutherische Kirche zu etwas Höherem, als zur Seligkeit?“ — Es ist nöthig, uns hierüber nun noch deutlicher zu erklären. Wenn wir zugeben, daß es in allen christlichen Partheien Seelen gibt, welche selig werden, so wollen wir damit keineswegs sagen, daß es gleichgültig sei, zu welcher Religion man sich halte und bekenne. Wir sind weit entfernt, mit denen übereinzustimmen, welche dem Grundsatz huldigen: „Glaube, was du willst, sei nur ein guter Mensch, so wirst du selig.“ Das kling