# Der Lutheraner_St. Louis Missouri_1846 10 27_S29 # Machine transcription, uncorrected — CHI Digital Archive (demonstration) riſchen Bekenntniſſe, eine neue, „gefährliche Secte“ — und dann — wäſcht er mit Pilato ſeine Hände in Unſchuld, erhebt ſich und ſpricht, er habe auch die Ehre ein guter Lutheraner zu ſein, er halte gewiß an der Lehre Luthers und der Reformation des 16. Jahrhunderts, wie irgend jemand, feſt; der Name, Lutheraner und Altlutheraner, ſei ihm ein „ſo ſchöner und ſo lieber Name,“ daß er darauf nimmer ver— zichten möchte; kurz — jedermann werde ihm das Zeugniß geben müſſen, daß er ein treuer Wächter auf den Zinnen des lutheriſchen Zions ſei, der daher freilich mit Falkenaugen darauf ſehen müſſe, daß ſich weder in Lehren noch in Gebräuchen etwas Uulutheriſches einſchleiche. — Wir fragen noch einmal, kann ein Menſch den Heuchler auf eine ſchamloſere Weiſe ſpielen, als es hier Hr. Wehl thut? Ach! wohin iſt es doch mit den Lutheranern in America gekommen, daß es ein Menſch, der gerade die Unterſcheidungs-Lehren und -Ge— bräuche der lutheriſchen Kirche als päbſtliche verläſtert, und der diejenigen, welche bei der Lehre und bei den Bekenntniß-Ceremonien die— ſer Kirche auch in dieſer letzten abfälligen Zeit noch treulich verharren wollen, als Puſeyiten, das heißt, als geheime Katholiken öffeutlich brandmarkt, und ſie als Rottenſtifter und Kir— chenſtörer auf das entſetzlichſte verleumdet und verfolgt, der ſich alſo als einen (wenn auch den ohnmächtigſten) Feind der lutheriſchen Kirche offenbart — wohin, ſagen wir, iſt es gekommen, daß ein ſolcher Mann, ohne zu er— röthen, wagen kann, ſich öffentlich noch einen Lutheraner zu nennen, ja zu behaupten, er halte an der Lehre Luthers und der Reforma— tion feſt, und handle nach dem Berufe, den er vermöge des ihm anvertrauten Wächteramtes habe?! “) Muß der Prediger Weyl nicht glau— ben, daß alle Lutheraner in America entweder allen Sinn und Verſtand verloren haben, daß ſie nicht merken, wie er das von ihm heuchle— riſch gelobte abte Lutherthum unter dem neuen verhaßten Namen „Altlutherthum“ verläſtert, oder, daß alle ohne Ausnahme, die ſich jetzt noch in America Lutheraner nennen, dies ebenſo, wie er, nur aus Heuchelei thun? ) Auch die Reformirtin hieſigen Landes fangen an, ſich dieſer Claſſe von Lutheranern zu ſchämen, obgleich letztere ſich gar gern mit den Reformirten zu Einer Rirche vereinigen möchten. Unter andern ſchreibt ein reformirter Theolog, in der Chambersburger „chriſtlichen Zeitſchrift der deutſchreſor⸗ mirten Kirche“ (Nro. 244.) Folgendes: „Daß die proteſtan⸗ tiſche Kirche überhaupt hierin (im heil. Abendmahl) von der Lchre der Reformatoren abwich, iſt nicht zu leugnen. In Europa geſchah dieſe Abirrung durch den Rationalismus (Vernunfireligion); ſie findet aber in Amerita nicht weniger ſtatt. Dies iſt beſonders auffallend bei der lutheriſchen Kirche dieſes Landes. Hier (nehm⸗ lich in einem Buche des reformirten ausgezeichneten Theologen, des Hru. Dr. Nevin) werden ſchlagende Stellen aus dem ſo⸗ genannten Lutheran Obſerver (einer Zeitſchrift in engliſcher, wie die Hirtenſtimme in deutſcher Sprache.) aus der neueſten Zeit hervorgebracht, welche die Schande ſeiner kläglichen Gei⸗ ſtes⸗und Glaubens-Verlaſſenheit nur allzu helle aufdecken. O Luther! Du Mann Gottes voll Kraft und voll Leben, Baſtarde machen ſich breit mit deinem Na⸗ men, aber das rechte Erbe wird doch nur den Kindern blei⸗ ben!“ — So ſchreibt ein Reformirter über die ſogenannte americaniſch-lutheriſche Kirche, und zwar auf Grund unleug⸗ barer Wahrheit. — O Schande! — Wie? ihr Lutheraner, wird es nicht Zeit, daß wir uns ſchämen lernen und endlich umkehren? 29 O ihr Lutheraner, die ihr noch bei dem Glau⸗ ben eurer Vater verharren wollt, thut doch eure Augen auf! Wollt ihr euch denn noch länger von Wölfen äffen laſſen, die nicht einmal das Schafskleid tragen, ſondern, auf ihren Wolfs— pelz zeigend und euch und Gott verhöhnend, rufen: Sind wir nicht treue Hirten? ſind wir nicht wachſame Wächter? — Ihr aber, die ihr — Männer, wie einen Hrn. Weyl, an der Spitze — euch bisher noch immer Lutheraner genannt, ja auf dieſen Namen gepocht habt, und doch mit Herz und Mund die Lehre der lutheriſchen Kirche, wie ſie in ihren Bekennt— niſſen niedergelegt iſt, verwerfet, wollt ihr denn fort und fort in den Augen aller verſtändigen und ehrlichen Menſchen als die elendeſten Heuch— ler daſtehn? Wollt ihr denn nicht einmal be— denken, was Gott, der ein Gott der Wahrheit iſt, den Heuchlern und Lügnern in ſeinem Wort gedroht hat? Wollet ihr das Schickſal wiſſen, das euch treffen wird, wenn ihr nicht Buße thun werdet, ſo ſchlaget nach, was geſchrieben ſteht Hiob 8, 13. 14. Pſ. 5,5—7. Jer. 23, 15. Offb. 22, 15. Gehet doch in euch, werdet doch wieder ehrliche Menſchen, leget den Namen ab, den ihr bisher wider alle Wahrheit getra— gen, und ſaget es nur rund heraus, daß ihr keine Lutheraner ſein wollet und daß ihr die Leute mit dieſem Namen nur habt betrügen wollen, und bittet Gott und Menſchen um Ver— gebung. Das iſt der Weg, auf welchem ihr wieder zu einem ehrlichen Namen kommen kön— nei. Nennt euch dann, wie euch gelüſtet, was geht es dann uns Lutheraner an? So viel ſeht ihr ja doch wenigſtens im Vorans, daß ihr euch dann nicht Reformirte nennen dürfet, denn auch dieſe bedanken ſich ſchönſtens für eure Brüderſchaft. Wir haben vor kurzem von ei⸗ ner großen „Welt-Convention“ gehört, die neuerdings entſtanden ſein ſoll; wir meinen, da dürftet ihr vielleicht, wenn ihr anklopfet, Eingang finden. Werdet ihr aber fortfahren, die Heuchlerlarve zu tragen, und euch nach Luthern zu nennen, ſo ſollt Ihr wiſſen, daß auch wir fortfahren werden, wider euch zu zeu⸗ gen, eure Heuchelei dem armen verführten Volke anfzudecken, und wider eure Lügnerei zu Gott im Himmel Tag und Nacht um Hülfe zu rufen, ſo lange wir die Zunge noch regen kön— nen! Was gilts? Gott wird darein ſehen, und Schande wird euer Lohn ſein! Vergl. Pſ. 12. Doch hiervon uun genug! — Wir mußten auch dieſes vorausſchicken, um vorerſt unſere Leſer vor dem Mißverſtändniß zu bewahren, als vertheidigten wir eine neu entſtandene Secte, wenn wir für gewiſſe Lehren und Gebräuche reden, die man jetzt nicht ſelten als papiſtiſche Ueberbleibſel verdächtigt. Aus dem Vorſtehen— den wird es nun hoffentlich jedem Leſer klar ſein, es handle ſich nicht darum, ob ein neues, ſogenanntes „Altlutherthum,“ wie Hr. Weyl redet, ſondern ob das alte wahre Luther⸗ thum, was Hr. Weyl eigentlich meint, nach Nom führe. Zur Beantwortung dieſer Frage gehen wir nun über. Was nun zuerſt die Ceremonien der lutheriſchen Kirche betrifft, um welcher willen man derſelben eine Verwandtſchaft mit der rö⸗ miſchen Kirche und eine Hinneigung zu derſel⸗ ben vorwirft, ſo wird jeder vernünftige Menſch eingeſtehen, daß wenn die luth. Kirche Einiges hat, was man auch in der römiſchen findet, dies an und für ſich noch nicht beweiſen könne, daß ſich die erſtere zur letzteren hinneige. Denn wäre dem ſo, ſo müßte dieſer Vorwurf alle chriſtliche Benennungen treffen. Denn haben nicht auch andere Parteien in der Chriſtenheit dieſelbe Bibel, daſſelbe apoſtoliſche, nicäniſche und athanaſianiſche Glaubensbekenntniß, die⸗ ſelbe Taufe, daſſelbe Predigtamt, dieſelbe Sab⸗ bathsfeier ꝛc., wie die Römiſchen? Haben an⸗ dere ſogenannte Proteſtanten nicht auch Kir— chengebäude, Thürme darauf, Glocken, Orgeln, den Gebrauch des Händefaltens, des Knieens und der Entblößung des Hauptes beim Gebet und dergleichen? Wer wird darum den Refor⸗ mirten, den Methodiſten, den Evangeliſchen ꝛc. Hinneigung zum Katholicismus vorwerfen, weil ſie dergleichen Dinge mit den Katholiken gemein haben? Gewiß niemand. Wer die bloße Annahme gewiſſer unſchuldiger Ceremo— nien, (die er vielleicht ſelbſt wie Hr. Weyl, für ein „Kinderſpiel“ achtet) für Papismus hält, der kann unmöglich wiſſen, was Papismus iſt, und muß denſelben für etwas ſehr Unſchuldiges anſehen;über ein ſolches Urtheil wird ſich ge— wiß niemand mehr freueu, als die Papiſten ſelbſt, denn wer könnte das Pabſtthum beſſer rechtfertigen, als derjenige, welcher behauptet, daß das Geheimniß der antichriſtiſchen Bosheit in dem Gebrauch von Wachslichtern, in einem Prieſterrock und in der umgekehrten Stellung des Predigers am Altar, und dergleichen beſtehe? (Fortſetzung folgt.) (Eingeſandt.) Das lutheriſche Seminar zu Fort Wayne. Nachdem es dem allmächtigen und allbarm⸗ herzigen Gott gefallen hat, unſere theure luthe⸗ riſche Kirche auch mittelſt der falſchen Union dieſer unſerer Zeit dies- und jenſeits des Mee⸗ res wieder lebendig zu erwecken, ſo haben denn getreue Kinder dieſer Kirche im deutſchen Va— terlande in der Arbeit ihrer Liebe auch herzliche Sorge getragen für ihre herübergewanderten lutheriſchen Glaubensgenoſſen. Sie haben zu dieſem Endzweck ſeit 4 Jahren 19 gläubigen und kirchlich geſinnten Männern es möglich gemacht hier herüber zu kommen, um der luthe— riſchen Kirche hierſelbſt als Prediger und Schullehrer zu dienen, nachdem ſie dafür in der Heimath vorbereitet, geprüft und mit einer beſondern Inſtruction verſehen worden waren. Nenerer Zeit aber iſt die aufopfernde ſelbſtver⸗ leugnende Liebe der theuren jenſeitigen Brü— der noch weiter gegangen. Sie haben nämlich, Angeſichts des hieſigen Nothſtandes und um auch dem künftigen Mangel zu wehren, den Plan gefaßt, in Fort Wayne ein Seminar zu gründen, damit auf demſelben gläubige, mit den nöthigen Gaben ausgerüſtete junge Leute zur künftigen Uebernahme des heiligen Pre— digtamtes in der lutheriſchen Kirche herange— bildet würden. Zu dieſem Ende haben ſie nicht