# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_September 1856_S260 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) 260 Ein Antwort-Schreiben des Herausgebers an einen theuern Freund ꝛc. Gottes ihnen kräftig angeboten ist und sie durch den Gnadenruf Gottes aus der übrigen Menschheit herausgerufen sind, daß sie ein Lohn der Schmerzen des Sohnes Gottes und durch den Glauben an Ihn selig werden möchten. 3. Aber nicht alle berufene, getaufte und Christum bekennende Christen glauben, und doch sagt die Schrift ausdrücklich, daß nur die gläubigen Getauften selig werden. Darum sind wir genöthigt, zwischen Christen und Christen zu unterscheiden. Und das thun wir, theuerster Bruder! Alle. Mögen wir uns dieser oder jener Bezeichnung bedienen als gläubige Christen, Namen⸗Christen; Herzens⸗Christen, Maul⸗Christen; lebendige Christen, todte Christen; wahre Christen, falsche Christen — wir unterscheiden Alle zwischen denen, die doch, die Einen wie die Andern, der selben äußerlichen Gemeinschaft angehören, nämlich der sichtbaren oder bekennenden Kirche Christi. Die Nothwendigkeit so zu unterscheiden ist eine so unvermeidliche, daß auch die römisch⸗katholische Kirche, trotzdem sie die Definition der Reformatoren von der Kirche verwirft, sich ihr nicht hat entziehen können. So nennt Bellarmin die Bösen „todte und dürre Glieder der Kirche.“ Und derselbe, indem er sich bemüht zu beweisen, daß die Katechumenen, auch wenn sie glauben, nicht Glieder der Kirche seien, sagt, „die Kirche habe einen Leib und eine Seele, und so gehören Etliche dem Leibe und der Seele der Kirche an, Etliche der Seele und nicht dem Leibe, umgekehrt Etliche dem Leibe und nicht der Seele; die Katechumenen gehören der Seele der Kirche an.“ Bellarmin sieht sich, wie diese seine Aussprüche lehren, genöthigt, einerseits zuzugeben, daß nicht alle Glieder der sichtbaren Kirche im Stande der Gnaden und auf dem Wege zur Seligkeit sind, und andererseits muß er Solchen, welche er für außerhalb der Kirche stehend ansieht und die ihr auch in der That, als noch nicht getauft, äußerlich noch nicht zugezählt werden können, zugestehen, daß sie deßungeachtet der Kraft nach ihr angehören, und so pflichtet er wider seinen eigenen Willen in der Sache den Reformatoren bei. Denn, wie Quenstedt es ausspricht, das, um was es sich in diesem Streite handelt, ist: „Welche für wahre und lebendige Glieder zu halten seien.“ Und diese Frage war es auch, deren richtige Beantwortung den Reformatoren als practischen Kirchen-Männern am Herzen lag und die sie bewog, ihre Definition von der Kirche aufzustellen und zu vertheidigen, wie denn die Apologie sagt (S. 146): „Obschon die Bösen und Heuchler Genossen dieser wahren Kirche sind in Bezug auf äußerliche Gebräuche, so muß doch die Kirche beschrieben werden, daß sie der lebendige Leib Christi und wie dem Namen, so auch der Sache nach Kirche ist. Und das aus vielen Ursachen. Denn es muß zur Klarheit gebracht werden, was zuförderst uns zu Gliedern und (zwar) zu lebendigen Gliedern der Kirche macht. — — Daß wir nicht umhin können, so lange die Kirche Gottes auf Erden ist, zwischen wahren und falschen Gliedern derselben zu unterscheiden und daß wir genöthigt sind, die wahren Glieder vor den falschen dadurch auszuzeichnen, daß wir ihnen den nach äußerlichem Rechte allen zukommenden Namen in besonderem und eigentlichem Sinne beilegen, das lehrt uns die