# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_September 1856_S257 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) Lehre und Wehre. Jahrgang II. September 1856. No. 9. (Aus dem „Kirchenblatt für die ev.-luth. Gemeinde in Preußen,“ v. Past. Ehlers.) Ein Antwort⸗Schreiben des Herausgebers an einen theuern Freund, betreffend die Lehre von der Kirche. (Schluß.) Aber haben denn die Reformatoren mit ihrer Beschreibung von der Kirche, wie ich sie verstehe, geirrt? Ich meine: nein! Sie fürchten, theurer Freund! daß die Kirche, wie sie äußerlich erscheint, ihre Bedeutung verliert, wenn man die eigentliche oder wahre Kirche nur in den Gläubigen sieht, und besonders, daß es dann gleichgültig erscheint, zu welcher von den einzelnen Confessionskirchen, in welche die Christenheit zerspaltet ist, der Christ sich hält. Diese Befürchtung ist aber, nach meiner Meinung, unbegründet. Daß die Reformatoren durch ihre Definition von der Kirche nicht verleitet worden sind, die Nothwendigkeit des Sichtbarwerdens der Kirche zu leugnen, lehrt der dem 7. Artikel der Augsburgschen Confession hinzugefügte 8. Artikel, von dem die Apologie erklärt, daß er in der ausdrücklichen Absicht dem siebenten zugegeben sei, „daß nicht Jemand glaube, wir trennen die Bösen und Heuchler von der äußern Gemeinschaft der Kirche.“ Wie konnten sie auch die sichtbare Gemeinschaft der Bekenner gering achten, welcher die Gnadenmittel anvertraut sind, durch die allein (nach ihrer ausdrücklichen Lehre) der Mensch zum seligmachenden Glauben gelangt? Sie gestehen ja zu, daß die Gnadenmittel kräftig sind, auch wenn sie von Heuchlern, also von Ungläubigen (die nicht Glieder des Leibes Christi oder der wahren Kirche sind) verwaltet werden, und legen mithin der Kirche, sofern sie als ein äußerlicher Verband von Bekennern Christi sichtbar erscheint, eine hohe Bedeutung bei, da kraft des in ihr geleisteten Dienstes, und also durch sie als dienendes Mittel, Menschen zum Glauben und zur Seligkeit geführt werden. Daß die eigentliche Kirche, also die wahrhaft Gläubigen, nach Gottes Willen in äußere kirchliche Gemeinschaft treten sollen, daß in der gesammelten Gemeine gepredigt und Sacrament verwaltet werden soll, und daß die Gläubigen sich leiblich zu versammeln die unvermeidliche Gefahr nicht hindern soll, daß sich Heuchler mit anschließen, dies in Frage zu stellen, ist den Reformatoren nie eingefallen. Dafür zeugen ihre Schriften, dafür zeugt auch ihr Wirken; denn sie sind bemüht gewesen, die 17