# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_August 1856_S256 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) 256 Vermischte kirchliche Nachrichten. h. die feste heilige Ueberzeugung, daß GOtt geredet durch den Mund der Propheten und Apostel, freventlich angriff, indem sie mit der Behauptung stehen und fallen zu wollen erklärte, die Lebenskräfte der Kirche seien bloß im mündlichen Wort enthalten, namentlich im apostolischen Symbolum, welches eben das Wort aus des HErrn Munde selbst sei. Sofort schloß man nun weiter: die heil. Schrift könne wesentlich nur eine Beschreibung der Kirche sein, sei aber an und für sich ein todter Buchstabe, der erst durch unsern Glauben belebt werden müsse. Die ganze Lehre von der göttlichen Eingebung wankte natürlich. Man beschrieb es als eine Siegesfreude, in welche alle Christen einstimmen sollten, daß die neuere Kritik längst jene veraltete Ansicht gerichtet hätte. Sie ward als die treueste Bundesgenossin der „allgemeinen Kirche“ beschrieben, denn von einer evangelisch-lutherischen Kirche wollte man Nichts mehr wissen. Man fragte, wo und was sie sei und bestritt mit einem Wort ihre Berechtigung zur Eristenz. Die practischen Folgerungen ließen auch nicht auf sich warten. Nachdem diese Partei, welche zuletzt seit 1848 die freie Verfassung für ihre Zwecke ausgebeutet und sich auf die Bestimmungen des Kirchenregiments Einfluß zu verschaffen gewußt, es dahin gebracht hatte, daß die Parochialverbindung so gut wie aufgelöst ward, indem es von nun an Jedem ohne Weiteres frei stehen sollte, seine Gemeinde zu verlassen, ohne daß auf irgend eine Gemeindeverbindung überhaupt hingewiesen wurde, — trat sie mit der Forderung hervor: alle Symbole, auch das apostolische nicht ausgenommen, sollten in ihrer verpflichtenden Kraft aufgehoben werden; es sollte jedem Lehrer freistehen zu predigen und die heil. Sacramente zu verwalten nach bestem Wissen und Gewissen, wobei natürlich der Amtseid in den Kauf ging. Diese Forderung will man demnächst vor den Reichstag bringen (ein Theil der Prediger dieser Richtung sind Glieder desselben) und wo der Vorschlag die Majorität (Stimmenmehrheit) gewinnt, dem Cultusministerium unterbreiten. Denn die Grundtvig'sche Partei ist ebenso wüthend national (dänisch), als in ihrem kirchlichen Wesen — wenn man dies Wort gebrauchen darf — separatistisch. Es war Grundtvig, der schon 1845 in einer Volksversammlung zu Skandigsbanke das schändliche Wort ausstieß und nachher drucken ließ: Der Deutsche sei gut genug, als ein kluger Sclave gebraucht zu werden und daß man den Fuß auf seinen Nacken setze. Gerade diese Nationalitätswuth ist zumal die Stärke der Partei, die übrigens in ihrer Entwickelung viele andere, unlautere Elemente und Lehren, die sich zu Teufelslehren gestalten können, aufgenommen hat. Dahin gehört namentlich der herbe Antinomismus (Widergesetzlichkeit), der seinen vollen Ausdruck darin gefunden hat, „die heiligen zehn Gebote seien aus dem Catechismus hinauszuwerfen, weil sie lediglich Judengebote seien.“ Ein jedes Zeugniß der Liebe und des Ernstes wird mit Füßen getreten. Es wird apellirt an das dänische Volksbewußtsein. Alles Mißliebige wird sofort als „deutsche Theologie“ in Verruf erklärt. Er ist ein Deutscher und dann: er ist ein deutscher Theolog — damit bezeichnen die Grundtvigianer das höchste Maß aller Verwerflichkeit. Das arme Volk läuft ihnen überall, wo solche Geistlichen stehen, wie Wasser zu, insofern die übrigens herrschende religiöse Gleichgültigkeit es gestattet. Es experimentirt auch selbst auf freie Hand und versucht sogenannte „apostolische Freikirchen“ zu errichten. Bei all dem wird hinübergeschielt nach dem Katholicismus und die Anbahnung einer Union mit der römischen Kirche als das wünschenswertheste Ziel proclamirt. — (Lutherische Dorfkirchenzeitung.) Berlin. Also schreibt die „Dorfkirchenzeitung“: „Wir haben die große Freude melden zu können, daß endlich auch die lutherische Gemeinde in Berlin durch GOttes Gnade eine eigne Kirche bekommen wird. Der Grundstein ist bereits gelegt an Luthers Geburtstag, dem 10. Nov. v. J. Zugegen waren dabei der Magistrat und andere städtische Behörden, auch der Großherzoglich Mecklenburgische Gesandte, Freiherr v. Bülow und mehre andere hohe Personen. Nach dem von Posaunen begleiteten Gesang des alten Lutherliedes: Ein feste Burg ist unser Gott — hielt Herr Pfarrer Kirchenrath Lasius die Weihrede über 1 Sam. 7, 12. (dieser Stein soll Eben-Ezer heißen; denn bis hierher hat uns der HErr geholfen) und Viele der Anwesenden thaten die üblichen Hammerschläge mit herzlichen Segenssprüchen. Herr Militair-Oberprediger Ziehe, lange schon ein Freund unserer Kirche, sprach dabei mit bewegter Stimme: GOttes Wort und Luthers Lehr' — vergehet nun und nimmermehr! Der hochwürdige Greis, Herr Dr. Göschel (bis 1848 Präsident des Consistoriums in Magdeburg), dem die Berliner Gemeinde in den härtesten Zeiten der Verfolgung manche wirksame Fürsprache beim König verdankt, sprach: So lange JEsus bleibt der HErr, — wird's alle Tage herrlicher. Wie wir hören, wird die Weihrede nebst einer kurzen Geschichte der Gemeinde (von 1835—55) im Druck erscheinen. Wer schon mehr lutherische Kirchen hat bauen helfen, der trage auch hier einen Baustein herzu; und wer noch nicht, der bringe zwei, denn es fehlen noch viele. Große Schulden auf Kirchbauten zu behalten, ist sehr schwer für eine arme Gemeinde. Das merken wir Ruppiner jetzt und noch Andre mit uns.“