# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_August 1856_S254 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) 254 Ein Antwort⸗Schreiben des Herausgebers an einen theuern Freund ꝛc. der äußeren Christenheit zerstreuten Gläubigen eine Versammlung, eine Gemeine, nennt und sagt, daß die Versammlung der Gläubigen eigentlich die Kirche Christi sei. Dieser Ausspruch Luthers ist aber um so wichtiger, als es sich in seinem, dem großen Bekenntniß vom heil. Abendmahl (aus dem Jahr 1528) angehängten Glaubensbekenntnisse findet (XIX. 525. b.). Er lautet: „Demnach glaube ich, daß eine heilige christliche Kirche sei auf Erden d. i. die Gemeine und Zahl oder Versammlung aller Christen in aller Welt, die einige Braut Christi und sein geistlicher Leib, deß er auch das einige Haupt ist; und die Bischöfe oder Pfarrherren nicht Häupter, noch Herren, noch Bräutigam derselben sind, sondern Diener, Freunde, und (wie das Wort Bischof giebt) Aufseher, Pfleger oder Fürsteher. Und dieselbige Christenheit ist nicht allein unter der römischen Kirchen oder Papst, sondern in aller Welt; wie die Propheten verkündiget haben, daß Christi Evangelium sollte in alle Welt kommen Ps. 2., Ps. 19. Daß also unter Papst, Türken, Perser, Tartarn und allenthalben die Christenheit zerstreut ist, leiblich, aber versammelt geistlich, in einem Evangelio und Glauben, unter ein Haupt, das JEsus Christus ist.“ Daß ich nicht geirrt habe, wenn ich die Definition der Kirche in der Augsburgschen Confession für eine Beschreibung von dem, was die Kirche nach dem Urtheil der Reformatoren ist, angesehen und genommen habe (wie sie ja so unsere alten Dogmatiker verstanden haben, als welche die Kirche „im engern Verstande“ — sensu strictiori — ebenso definiren), das, glaube ich, theuerster Freund! im Vorstehenden hinreichend bewiesen zu haben. Erlauben Sie mir aber, noch folgende Bemerkung beizufügen. Offenbar wollten die Reformatoren im 7. Art. der Augsburgschen Confession nicht eine Beschreibung des Haufens geben, den wir gemeinhin Kirche zu nennen pflegen. Hätten sie das gewollt, so würden sie's ja vermocht und würden eine Definition der sichtbaren Kirche gegeben haben. Aber das wollten sie eben nicht. Die Reformatoren waren practische Leute; ihnen lag bei Anschauung der Kirche mit ihren Gnadenmitteln die Frage auf dem Herzen: wer wird durch diese Gnadenmittel selig? Und in Bezug auf diese Frage geben sie ihre Definition von der Kirche, welche die richtige Antwort auf diese Frage in sich schließt, daß nämlich die selig werden, welche wahrhaft glauben (die vere credentes). So sehen wir, wie ihre Beschreibung der Kirche aus dem floß, wovon ihr Herz voll war, nehmlich aus der Ueberzeugung, daß der Mensch allein durch den Glauben an das Evangelium gerecht und selig werde; — die ganz äußerliche Anschauung der Kirche, die sich unter dem Papstthum gebildet hatte, aus welcher der für das Seelenheil höchst verderbliche Wahn geboren war, daß die Seligkeit habe, wer nur der Kirche angehöre, trieb die Reformatoren dazu, eine geistliche Anschauung der Kirche der herrschenden, sie ganz veräußerlichenden entgegenzustellen. (Schluß folgt.)