# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_August 1856_S253 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) Ein Antwort⸗Schreiben des Herausgebers an einen theuern Freund ꝛc. 253 gebe. Denn wo der Schall und die Worte des Geistes Christi sind, da ist ohne Zweifel die wahre Kirche Christi; denn der Geist Christi redet nirgends, als in seiner Kirche. Derowegen, da hier der Text offenbar ist, daß der Schall derer Apostel in alle Lande ausgegangen sei, und an keinem Orte gelesen wird, daß er widerrufen worden, so haben wir uns zu besorgen, daß wir uns nicht etwan mit denen gottlosen Donatisten, es sei mit diesen oder jenen, mit den alten oder neuen, allein vor Gläubige rühmen; die wir vielleicht nichts weniger sind als Gläubige, weil wir das Wort und den Schall der Apostel nirgends hören.“ — Ferner sagt Luther in der andern Erklärung des Briefes an die Galater vom Jahr 1535 (XI. 23. a.): „Derhalben so ist die Kirche allenthalben heilig, auch an den Oertern, da gleich die Schwärmer und Rottengeister regieren, sofern sie nur das Wort und Sacrament nicht allerdings verleugnen und verwerfen. Denn die diese Dinge ganz und gar verleugnen, sind keine Kirche mehr. Wo aber Wort und Sacrament wesentlich bleiben, da bleibt auch eine heilige Kirche, und liegt nichts daran, ob gleich der Endechrist daselbst auch regieret, welcher nicht in einem Teufelsstalle, noch in einem Schweinskober, noch in einem ungläubigen Haufen, sondern an der alleredelsten und heiligsten Statt, als nehmlich im Tempel Gottes sitzt, 2 Thess. 2, 4. Daraus ja gewiß und offenbar ist, daß Gottes Tempel sein und bleiben muß auch unter den geistlichen Tyrannen, so darinnen walten und wüthen. Denn man findet ja überall, auch unter denselben Tyrannen, die recht glauben. Darum ist eine kurze und leichte Antwort auf diese Frage zu geben: daß die Kirche ist allenthalben in der ganzen Welt, wo nur das Evangelium und die Sacramente sind. Aber Juden, Türken, Schwärmer und Rottengeister oder Ketzer sind nicht die Kirche; denn dieselben verleugnen und vertilgen solche Dinge.“ — Diese Stelle Luthers zwingt mich, theurer Freund! Ihnen zu widersprechen, wenn Sie in Ihrem Briefe sagen, es falle unsern Bekennern (den Reformatoren) nicht ein zu behaupten, die eigentliche Kirche habe Glieder auch unter Waldensern, Wiklefiten und andern Secten. Luther sagt einmal (irre ich nicht, in seinem Buch wider die himmlischen Propheten): „von den Meistern rede ich, nicht von dem armen verführten Volk.“ Ebenso schließt er in der vorstehenden Stelle die Rottenstifter und Sectenhäupter von der Kirche aus (d. h. er spricht es ihnen ab, Glieder des Leibes Christi zu sein), und das mit vollem Recht; nicht aber spricht er das von ihnen Verführten ab, sondern glaubt, daß innerhalb einer Secte, sofern nur Wort und Sacrament nicht allerdings verleugnet und verworfen werden, Glieder des Leibes JEsu d. i. der rechten Kirche sein können. Und — ich möchte fragen — glauben wir das nicht auch? Besonders aber ist folgender Ausspruch Luthers für unsere Frage von großer Bedeutung, weil er zeigt, wie Luther die zerstreuten Gläubigen als geistlich versammelt ansieht, also als eine Gemeine; so daß nun Niemand sich noch wundern kann, wenn die Augsburgsche Confession die in