# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_August 1856_S252 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) 252 Ein Antwort⸗Schreiben des Herausgebers an einen theuern Freund ꝛc. glauben. — Eben wenn Jemand die Kirche ansieht, wie Gott sie ansieht, so wird er, wenn er sagen soll, welche Glieder des gemischten Haufens der Berufenen eigentlich die Gnaden-Gemeine Gottes sind, eine der der Reformatoren vollkommen gleiche Beschreibung der Kirche geben. — — Dafür, daß die Reformatoren auch nicht haben sagen wollen, was die Kirche in Ewigkeit sein werde, glaube ich mich kurz auf das schon Gesagte berufen zu können, nämlich, daß sie haben eine Beschreibung der Kirche geben wollen, wie sie gegenwärtig auf Erden ist. Aber ich muß wegen des Wortes „eigentlich“ (proprie) noch einmal zur Apologie zurückkehren. Daß der 8. Art. der Augsburgschen Confession dies Wort in seinem ganz gewöhnlichen Sinne gebraucht habe, geht aus mehren Stellen der Apologie hervor. S. 150 heißt es: Und wir sehen nicht ein, wie die Kirche anders zu beschreiben gewesen wäre (nämlich, als es im 7. Art. geschehen ist), da sie, eigentlich gesprochen, (wenn man eigentlich von ihr reden, sie genau bezeichnen will — proprie dicta) der Leib Christi ist. Und S. 149: Dies' ist aber eigentlich (proprie) die Kirche, welche den heiligen Geist hat. Diesen Stellen nach drückt das Wort „eigentlich“ in der Beschreibung der Kirche im 8. Art. der Augsburgschen Confession dasselbe aus, was auch durch die Redensart „im engern Verstande“ ausgedrückt zu werden pflegt. Und daß das Wort im 8. Art. in diesem Sinne gebraucht ist, geht deutlich aus einer Stelle der Apologie hervor, wo sie sich darauf beruft, daß die Kirche im apostolischen Glaubensbekenntnisse (nach der römischen Form) eine allgemeine genannt werde: „damit wir nicht meinen, sie sei ein äußerliches Gemeinwesen etlicher Völker, sondern vielmehr die über den ganzen Erdkreis zerstreuten Menschen, die in Bezug auf das Evangelium übereinstimmen, den selben Christus, den selben heil. Geist und die selben Sacramente haben, mögen sie gleiche oder von einander verschiedene menschliche Satzungen haben,“ — und dann fortfährt (S. 146): „Und in den Decreten sagt die Glosse, die Kirche im weitern Verstande umfasse die Guten und Bösen; desgleichen, die Bösen seien nur dem Namen nach in der Kirche, die Guten aber dem Namen und der Wirklichkeit nach.“ — Durch diese Stellen der Apologie scheint mir der von mir dem Worte „eigentlich“ beigelegte Verstand vollkommen gesichert, so daß ich es für überflüssig erachte, zur Erhärtung dessen noch etwas Weiteres hinzuzufügen. Aber einige unsere Frage betreffende Aussprüche Luthers kann ich hier mitzutheilen mir nicht versagen. Ich finde sie angeführt in der trefflichen Zeitschrift „Lehre und Wehre“ (angezeigt im Kirchen⸗Blatte v. v. J. S. 139) im Octoberheft 1855, S. 313 ff. Ich gebe diese Stellen nach der Leipziger Ausgabe der Schriften Luthers. In seiner Auslegung von Ps. 19. aus dem Jahre 1524 sagt Luther zu V. 5 (V. 180. a.): „Augustinus richtet diesen Ort wider die Donatisten, welche die Kirche in den Winkel von Afrika einschlossen. Aber vielmehr muß er gerichtet werden wider unsere neuen Donatisten, welche da leugnen, daß es in Indien, Persien und Asien Gläubige