# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_August 1856_S250 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) 250 Ein Antwort⸗Schreiben des Herausgebers an einen theuern Freund ꝛc. ster Freund! sagen nun, das „eigentlich“ solle aussprechen, was die Kirche sein solle; dagegen aber sage ich: wenn Jemand beschreiben will, was eine Sache ist, so will er nicht sagen, was sie sein sollte, aber nicht ist, und die Bekenner der Augsburgschen Confession hätten etwas sehr Verkehrtes gethan, wenn sie, statt in ihrem Glaubens⸗Bekenntniß ihre Ueberzeugung auszusprechen, was die Kirche sei, gesagt hätten, was sie eigentlich sein sollte. Darüber würden sie sich mit ihren Gegnern leicht vereinigt haben, daß es wünschenswerth sei, daß alle Glieder der Kirche wahrhaft Gläubige seien; und es ist ja offenbar nicht der Zweck ihres Bekenntnisses von der Kirche, ein Bild von der Kirche zu geben, wie sie sein sollte, sondern nur, zu sagen, was die Kirche Christi auf Erden ist. Wie hier die Augsburgsche Confession, so will auch Luther, wenn er in den Schmalkaldischen Artikeln sagt (Art XII.): „Ein Knabe von sieben Jahren weiß heutzutage, Gott sei Dank! was die Kirche sei,“ durch den Mund des Knaben aussprechen lassen, was die Kirche, wie sie gegenwärtig dasteht, wirklich und eigentlich ist. und wenn er hinzufügt: „nämlich die Gläubigen, Heiligen, die Schäflein, welche die Stimme ihres Hirten hören,“ so giebt er eine der in dem 7. Art. der Augsburgschen Confession ganz gleiche Beschreibung von der Kirche. Was aber die Hauptsache ist: haben denn die Reformatoren geglaubt, die Kirche werde hier auf Erden, ihrer äußeren Erscheinung nach, je ein anderes Bild darbieten, als das eines Netzes, darin allerlei Art befindlich? wie konnte es ihnen doch einfallen, in einem kirchlichen Glaubensbekenntniß eine Beschreibung von der Kirche geben zu wollen, wie sie auf Erden nie sein wird? Eine unverwerfliche Auslegerin der Augsburgschen Confession ist ohne Zweifel derselben Apologie. Ich gestehe, daß ich mich versucht fühle, ganz einfach auf den Artikel der Apologie von der Kirche zu verweisen, da derselbe vornämlich eben damit sich beschäftigt, die im 7. Art. der Augsburgschen Confession gegebene Beschreibung von der Kirche zu rechtfertigen und zwar in dem von mir behaupteten Verstande. Aber freilich haben Sie, theuerster Freund! diesen Artikel gelesen, sowohl wie ich. Ich muß Ihnen also doch einzelne Stellen aus demselben entgegenhalten, und da sehe ich nicht, wie Sie Ihre Meinung halten wollen z. B. gegen folgende Stelle: „So beschreibt die Kirche auch der Artikel im (apostolischen) Glaubensbekenntnisse, der uns eine allgemeine (heilige) Kirche zu glauben befiehlt. Die Gottlosen sind aber nicht die heilige Kirche, und es scheint, was (im Artikel) folgt, nämlich: die Gemeine der Heiligen, hinzugefügt, um zu erklären, was (das Wort) Kirche bedeute, nämlich die Versammlung der Heiligen, die unter sich in der Gemeinschaft des selben Evangeliums stehen und des selben heiligen Geistes, welcher ihre Herzen erneuert, heiliget und regieret“ (S. 145). Hierzu nehme ich gleich, was Luther im großen Catechismus in der Erklärung des dritten Artikels sagt, wo er die Worte communio sanctorum erklärt und die Uebersetzung „Gemeinschaft der Heiligen“ verwirft. Er sagt (S. 499): in rechtem, ächten Deutsch mußte übersetzt werden „eine Gemeine der Heiligen,“ das ist eine solche Ge⸗