# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_August 1856_S248 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) 248 Ein Antwort⸗Schreiben des Herausgebers an einen theuern Freund ꝛc. Wenn Sie sich die Mühe geben, einen Aufsatz von mir unter der Ueberschrift: „Christenheit und Confession“ im Kirchenblatte vom Jahre 1850, S. 168 ff. zu lesen, so werden Sie finden, daß ich schon vor Jahren dieselbe Ueberzeugung hatte, welche ich in Nr. 3 des Kirchen-Blattes v. d. J. abermals auszusprechen mich bewogen fühlte. — Doch dies bemerke ich nur, weil es so ist. Denn ich gehöre nicht zu denen, die es für eine Schmach halten, eine von ihnen früher gehegte Meinung zu verwerfen, weil sie sich schämen, je einmal geirrt zu haben. Denn ich meine, wer zur Wahrheit kommen will, der müsse stets bereit sein zu bekennen, er habe geirrt, und bin gewiß, daß auch hier gilt: wenn ich schwach bin, so bin ich stark. Aber GOtt sei Dank, daß Ihr Brief mich deß versichert, daß Sie in diesem Stücke mit mir desselben Sinnes sind. Wie nun im Jahre 1850, so bin ich noch heute der Meinung, daß wir die Grenzen der Christenheit nicht auf die lutherische Kirche zu beschränken, sondern sie so weit zu stecken haben, als weit Wort und Sacrament reichen. Damit ist aber auch gesagt, daß es außerhalb des sichtbaren Verbandes der lutherischen Kirche gläubige Glieder Christi auf Erden giebt. Diese aber bilden offenbar mit den lebendig⸗gläubigen Gliedern der lutherischen Kirche — alle lebendig⸗gläubige Christen, sie mögen äußerlich kirchlichen Gemeinschaften angehören, welchen sie wollen, bilden eine Einheit, ein concretes (wirkliches, wesenhaftes) Ganzes. Die Wahrheit, daß die lebendig⸗gläubigen Christen durch ein wesenhaftes, aber unsichtbares Band unter einander verbunden sind, mußte schon in den alten Zeiten der Kirche von den ersten Christen erkannt werden, sie mußten, da die Kirche voll war von Unkraut, den Weizen, den sie unter dem Unkraut stehend sahen, als zusammengehörig erkennen. Und ist eine Stelle aus den Briefen Gregor des Gr. richtig, welche ich irgendwo angeführt finde, so ist dies schon frühzeitig und zwar von Männern, welche nichts weniger als gleichgültig gegen äußeres Kirchenthum waren und die Bedeutung desselben wohl erkannten, auch ausgesprochen worden; denn diesem nach schreibt derselbe (Ep. I ad Ep. Neapol.): „Nur die Gerechten, die Tugendhaften machen den Leib Christi oder die wahre Kirche aus, die gleichsam der Weinberg ist, welcher von dem frommen Abel bis auf den letzten Auserwählten eben so viele Weinstöcke als Gerechte hervorbringt.“ Als aber durch die Reformation in der abendländischen Christenheit eine Spaltung entstand, welche sie in zwei große Hälften schied, da mußten die, welche das Heil nicht im äußerlichen Zusammenhange mit dem geschichtlich überlieferten Kirchenthum suchten, sondern im persönlichen Glauben an das Evangelium, nothwendig dahin geführt werden, die wahre Kirche nicht durch die Schranken irgend welcher äußerlichen Verbindung und Gemeinschaft beschränkt und innerhalb solcher eingeschlossen zu sehen, sondern mußten lehren und bekennen, daß, wo immer die Stimme des Evangelii erschalle, Menschen zum lebendigen, rechtfertigenden Glauben können geführt werden, und daß dies auch geschehen müsse, weil das Wort Gottes nicht leer zurückkehren könne; — die an Christum lebendig gläubigen Menschen konnten sie aber unmöglich