# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_August 1856_S242 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) 242 Lutherisch⸗theologische Pfarrers⸗Bibliothek. auf die Vertheidigung der Jesuiten, als vielmehr darauf hierbei angekommen war, ihre Auslegungen der tridentinischen Decrete unter die Leute zu bringen; er beschloß daher, dem Andradius durch eine gründliche exegetisch-historische Widerlegung der trienter Beschlüsse zu antworten, um so mehr, da Andradius in seiner Schrift über die Entstehung, den wahren Sinn und den mitunter verhüllten Zweck der in Trient gestellten Lehrformeln wichtige Aufschlüsse gegeben hatte. Das Werk enthält alle diejenigen Decrete und Canones selbst, welche streitige Lehrpuncte enthalten, woran sich dann jedesmal die Kritik derselben unmittelbar anschließt. Diese Kritik enthält erstlich eine Enthüllung des wahren Sinnes der Worte des Conciliums und des Truges, der fast immer unter der Art der Formulirung verborgen liegt, sodann einen historischen Nachweis, wie die reine apostolische Lehre im Laufe der Zeit bis zu der Verunstaltung gediehen ist, in welcher dieselbe von dem Concilium als Kirchenlehre vorgelegt und, unter Androhung von Bann und Fluch für die Widersprecher, feierlich besiegelt worden ist, und endlich eine gründliche Widerlegung des betreffenden Irrthums aus Gottes Wort. Das Werk kam nach und nach heraus; der erste Theil erschien im Jahre 1565, der letzte 1573. Unter den sehr zahlreichen Ausgaben dieses Werkes ist die Frankfurter (a. M.) vom Jahre 1707 die vorzüglichste. Der gelehrte Georg Christian Johannis hat sie besorgt, von den vorkommenden Citaten aus den Kirchenvätern genau den Ort, wo sie sich finden, angegeben, die Anführungen aus den griechischen Kirchenvätern in der Sprache des Originals mitgetheilt und das Ganze mit historisch⸗chronologischen Tabellen, sowie mit mehreren, wichtige Aufschlüsse gebenden Excerpten aus Briefen und anderen schriftlichen Documenten von Franc. de Vargas, Pet. Malvenda und einigen spanischen Bischöfen bereichert. Schon im Jahre 1576 kam zu Frankfurt a. M. das Werk, um es auch dem Laien zugänglich zu machen, in deutscher Uebersetzung heraus, welche ein Prediger zu Gießen mit Namen Georg Nigrinus verfertigt hatte.*) Anstatt uns selbst im Lobe dieses polemischen Werkes zu versuchen, sei es uns gestattet, einige Urtheile competenter Richter über dasselbe mitzutheilen. Buddeus schreibt: „Ueber dieses ausgezeichnete Werk kann nichts so Rühmliches gesagt werden, daß es dies nicht in vielen Beziehungen übertreffen sollte; Chemnitz steht in dieser Gattung einzig da (instar omnium).“ (Isag. p. 498.) Der gelehrte Michael Neander, gestorben als Rector zu Ilefeld im Jahre 1595, schreibt: „Von ihm (dem Chemnitz) gibt es sowohl andere überaus nützliche Schriften, als auch unter anderen das ausgezeichnete Werk (oder vielmehr die ausnehmend reichhaltige theologische Bibliothek), welches die Widerlegung des tridentinischen Concils und zugleich eine Vertheidigung und Erklärung der ganzen Lehre der Kirche enthält, und es sollte daher dasselbe von allen, denen die Erkenntniß der Wahrheit ein Ernst ist und wahrhaft am Herzen liegt, emsig gelesen werden.“ (Orbis terrae P. I. p. 153.) Joh. Micrälius (gestorben zu Stettin 1658) nennt Chemnitz „einen unvergleichlichen Theologen, der *) Ein Prediger unserer Synode besitzt dieses sehr selten gewordene Buch.