# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_August 1856_S240 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) 240 Lutherisch⸗theologische Pfarrers⸗Bibliothek. 1586 den 8. April starb. Daß ein Lutheraner die göttliche Gabe preise, welche mit diesem Manne unserer theuren Kirche nicht nur einst, sondern für alle Zeiten gegeben worden ist, ist um so weniger vonnöthen, als selbst unseren Gegnern diese Gabe so hell in die Augen geleuchtet hat, daß sie nicht umhin gekonnt haben, unserem Chemnitz an das Unglaubliche grenzende Lobsprüche zu ertheilen. Bekannt ist der Ausspruch der Papisten: Vos habuistis duos Martinos: si posterior non venisset, prior non stetisset d. i. Ihr (Lutheraner) habt zwei Martine: wäre der zweite nicht gekommen, so würde der erste nicht stehen geblieben sein. Ein anderes merkwürdiges Urtheil über Chemnitz von Seiten eines Römischen dürfte weniger bekannt sein. Löscher theilt es in seinen Unschuldigen Nachrichten mit. „Als nehmlich," heißt es daselbst, „um das Jahr 1578 der Fürstlich Braunschweigische Rath Dr. Joachim Götzen sich als Gesandter zu Trient aufhielt und hier eines Tages mit drei Cardinälen speiste, richtete einer von denselben, welcher unter allen der gelehrteste und wohlgesinnteste zu sein schien, die Frage an ihn, welchen unter den deutschen Theologen man jetzt den Vorzug gebe. Götzen antwortete, von einigen werde Heerbrand, Schnepf, Osiander, Jacob Andreä, Heshusius der Vorzug gegeben; es gebe jedoch noch viele andere, welche von vielen nicht weniger gepriesen würden, die ihm jedoch unbekannt seien. Der Cardinal erwiederte, in Deutschland sei ein gewisser Martin Chemnitz, ein Doctor der Theologie, in einer Stadt mit Namen Braunschweig, ein Mann von ganz ausgezeichneter Gelehrsamkeit und unter den Theologen Deutschlands wohl der vornehmste. Es habe derselbe ein gewisses Buch gegen das Tridentinische Concilium geschrieben, aus welchem klar hervorgehe, daß sich durch Nachlässigkeit der Bischöfe viele erschreckliche und überaus schwere Irrthümer in die Kirche eingeschlichen haben, was sie selbst, sie möchten nun wollen oder nicht, zuzugestehen gezwungen seien. Er müsse auch dieses frei und offen gestehen, daß es unter allen Theologen Deutschlands bis daher keinen gegeben, der nach jenes Martin Luthers Tode der römischen Kirche mehr geschadet, als jener Martin Chemnitz durch jene seine Schrift gethan habe. Er zolle ihm daher seine Bewunderung und erkenne ihm freiwillig vor allen Theologen Deutschlands in der Gelehrsamkeit die Palme zu und wünsche nichts mehr, als ihn einmal sehen und sich mit ihm über die ganze Religionsangelegenheit besprechen zu können. Dr. Götzen trug hierauf einem Freunde Chemnitz'ens auf, dieses öffentlich ausgesprochene Urtheil demselben schriftlich wissen zu lassen, worauf Chemnitz unter dem 14. Sept. 1579 u. A. Folgendes antwortete: „„Dein Bericht von dem Urtheil einiger Päbstler ist mir angenehm gewesen, nicht daß ich mich an meinem Lobe so sehr ergötzte (denn je älter ich werde, desto mehr sehe ich ein, wie gering nicht nur, sondern wie beschmutzt auch alle diejenigen Schriften sind, mit denen ich bisher in nicht böser Gesinnung der Erbauung der Kirche habe dienen wollen), sondern weil ich mit Dank jene Gütigkeit Gottes bewundere, daß er durch Thörichtes und Schwaches, wie Paulus 1 Cor. 1, 27. redet,