# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_August 1856_S239 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) 239 Lutherisch⸗theologische Pfarrers⸗Bibliothek. (Fortsetzung.) Unter den gegen die Irrlehren insonderheit der römischen Kirche gerichteten einem lutherischen Pfarrer durchaus unentbehrlichen Schriften nennen wir zweitens folgendes Werk: „Examen Concilii Tridentini, per D. Martinum Chemnitium scriptum." Der Verfasser dieses Werkes, Martin Chemnitz, ist zu Treuenbriezen in der Mark Brandenburg am 9. Nov. 1522 geboren. Schon im eilften Jahre seines Alters verlor er seinen Vater, frequentirte im Jahre 1536 die Trivialschule zu Wittenberg, wo der vierzehnjährige Knabe aus Luthers Predigten unauslöschliche Eindrücke empfing, erlernte zwar hierauf trotz seines großen Dranges zu studiren, durch Armuth dazu genöthigt, das Tuchmacherhandwerk, benutzte aber die ihm während seiner Lehrzeit übrig bleibenden Mußestunden dazu, mit den ihm zu Gebote stehenden sehr geringen Hülfsmitteln wenigstens die lateinische Sprache selbst zu erlernen. Als es daher einst geschah, daß zwei gelehrte Verwandte des jungen Chemnitz nach Treuenbriezen zum Besuche kamen, ergriff letzterer diese Gelegenheit, etwas zu thun, um doch noch das Ziel zu erreichen, das ihm wohl in die Ferne, aber nie aus den Augen hatte gerückt werden können. Er arbeitete ein lateinisches Schreiben aus, in welchem er die bei seiner Mutter hochangesehenen Verwandten bat, es bei derselben durch ihre Fürsprache auszuwirken, daß er auf die lateinische Schule gethan werde. Das Schreiben that seine Wirkung. Mit Verwunderung erkannten diejenigen, an welche es gerichtet war, aus demselben, welche seltenen Gaben in dem wissensdurstigen Jüngling schlummerten, und brachten ihn auf die Schule zu Magdeburg. Seine academischen Studien machte er sodann vom Jahre 1543 an in Frankfurt an der Oder und hierauf nach kurzer Unterbrechung, dazu ihn seine Armuth genöthigt hatte, in Wittenberg, wo er sich auf Melanchthons Rath namentlich auf Mathematik und Astronomie legte. Im Jahre 1548 wurde er Rector an der Domschule zu Königsberg und zwei Jahre darnach Bibliothekar Herzog Alberts von Preußen daselbst. Dieses Amt gab ihm vortreffliche Gelegenheit, in allen Zweigen der theologischen Wissenschaft sich zu vervollkommnen, welche Gelegenheit er denn auch treulichst und eifrigst benutzte. Vor allem war die heil. Schrift, Luthers Schriften und die Werke der Kirchenväter der Gegenstand seiner unermüdlichen Studien. Er bekennt selbst, hierbei hauptsächlich dadurch so günstige Resultate erzielt zu haben, daß er alles mit der Feder in der Hand las und aus dem Gelesenen sich reichlich Excerpte machte. Durch die in Königsberg ausbrechenden Osiandrischen Streitigkeiten veranlaßt, ging er im Jahre 1553 nach Wittenberg, wo er mit großem Applaus über Melanchthons Loci las; im Jahre darauf aber folgte er einem Rufe nach Braunschweig, wo er das Amt eines Predigers an der St. Aegidienkirche und später, 1567, das eines Superintendenten erhielt und bis 1½ Jahr vor seinem Ende mit großer Treue bekleidete und endlich im Jahre