# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_August 1856_S237 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) Die Predigtvorbereitung aus Dr. Luther. 237 Getrost können wir versichern, daß man durch solche Uebung besonders des Ausdrucks mächtig wird und in der Lehre, wie in der Sprache, zu jener Festigkeit und Sicherheit gelangt, die aus dem Predigen eine rechte Herzenslust macht. Auch die Gemeindeglieder selbst, vor welchen wir unsere Vorbereitung aus Luther niemals verborgen gehalten haben, freuen sich herzlich daran, ihre Prediger einerlei Rede mit der heil. Schrift und Dr. Luthers Postillen führen zu sehen, und werden auf die Weise nicht bloß in die Postillen, sondern namentlich in die Schrift hineingetrieben und zum Verständniß derselben angeleitet und ausgerüstet. Nimmer noch hat uns Jemand um dieser Vorbereitung willen der Faulheit und des Sich-Schmückens mit fremden Federn beschuldigt, Dank vielmehr und Freude an edlen Früchten hat dafür Schreiber dieses eingeerndtet, der doch in dieser Art der Arbeit nur erst ein Anfänger ist. Nur der Predigtvorbereitung aus Luther habe ich in diesem Aufsatze gedacht, da ich über Herrn Pfarrer Keyls Rath, das Studium Luthers zum Mittelpuncte des ganzen theologischen Studiums zu machen, noch keine eignen Erfahrungen gesammelt habe. Dafür kann ich indeß auch einstehen, daß durch jene Predigtvorbereitung allein schon das eigne Wissen und Studiren einen festen Halt, Ordnung und Klarheit erhält und viele Kenntnisse, die sonst ungenutzt da liegen, brauchbar, gleichsam flüssig werden, daß also dem, welcher aus Mangel an Zeit nur für Predigt und Unterricht sich aus Luthers Schriften rüsten kann, Keyls Rath sich als wohlbegründet und bewährt erweist. Selbst wenn die beschriebene Arbeit nichts als eine starke Uebung des Geistes wäre, so hätte sie schon deshalb große Bedeutung für uns, wie unsere Väter bezeugen, die sich so viel Mühe geben mit Excerpiren aus einzelnen bedeutenden Schriften und das jetzt beliebte planlose Naschen aus Unmassen von Büchern gar nicht kannten. Allein jene Arbeit hat weit mehr Werth; sie unterrichtet und, was nicht das Geringste ist, sie erbaut. Wie ist's doch dem Prediger oft so unerbaulich zu Muthe, gerade wenn er auf die Kanzel oder an die Krankenbetten treten soll, Andere zu erbauen! Angst statt Ehrfurcht, Kleinmuth statt Muth, Unsicherheit statt Festigkeit drückt seine arme Seele darnieder, ja und oftmals richtet sich seine Angst, sein Kleinmuth, seine Unsicherheit weniger auf den Inhalt, als auf die Eintheilung seiner Predigt. Nun sage ich nicht, daß Luther einen leichtsinnig zum Predigen macht; im Gegentheil; sein Schüler wird durch ihn gerade recht der Hoheit des Werks inne, das Gott durch ihn ausrichten will; aber das lernen wir von ihm, dem gnädigen Gott sowohl die Ehre, wie die Wirkung der Predigt anheim zu stellen, selbst aber mit Freudigkeit zu predigen, was geschrieben steht, nicht was etwa den Zuhörern wohlgefallen möchte. Die Eintheilung und Anordnung kann einem dabei am allerwenigsten Angst und Noth machen, denn ist sie anders nach Luthers Vorbilde gestellt, so braucht man nur auf den Text zu blicken, um sie beständig vor Augen zu haben. Luther führt uns selbst in die Bibel hinein; was bedürfen wir mehr und ernstlicher, die wir berufen sind, Andere in die Bibel hineinzuführen? —