# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_August 1856_S235 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) Die Predigtvorbereitung aus Dr. Luther. 235 nur willkürliche Behandlung des Wortes Gottes erwarten können, gänzlich aufgeben und zu der Form fortschreiten, welche nicht das Evangelium beherrscht, sondern sich vom Evangelium beherrschen läßt. Dies ist die Weise der Anordnung, welche Luther befolgt. Sie geht dem Verlauf der evangelischen Gedanken im vorliegenden Texte demüthig und liebevoll nach, ordnet sie in Haupttheile und diese unter einen Hauptsatz, wo sie sich selbst zu solcher Ordnung stellen, hebt die Hauptstücke, die sich als solche darbieten, hervor, fragt nicht darnach, ob sie selbst neu ist oder vielleicht vor einem Jahre oder sonst wie schon angewandt wurde, sieht nur darauf, daß sie ihr Amt erfüllt, den Text nach seinen verschiedenen Seiten abzubilden, gleichsam die Saiten desselben, so wie sie vom heil. Geiste selbst gestimmt sind, klingen zu lassen, damit die Gemeinde den Grund ihres Heils sehe, den süßen evangelischen Ton höre, rein, hell und klar, ungestört und ungetrübt. Es ist wahr, einfältig sieht es aus, wenn man an Festtagen erstlich die betreffende Geschichte, dann Nutzen und Kraft dieser Geschichte predigt; fast unbeholfen klingt es, das Evangelium auf Sonntag 2 nach Epiphanias so vorzutragen, daß man zuerst den Trost hervorhebt, den die Ehelichen haben, ihres Standes halben, aus dieser Geschichte, dann das Exempel des Glaubens und der Liebe in Christo und seiner Mutter; so gar nicht passen will es zu unserer Vorliebe für pathetischen Ausdruck, wenn Luther das Evangelium auf Jubilate als Text, Glossa und Exempel abhandelt, aber abgesehen von den letztgenannten fremden Worten, an welche wir natürlich nicht gebunden sind, passen dergleichen Anordnungen vortrefflich für unsere Gemeinden, wie ein Jeglicher leicht ausfinden kann. Ihnen tritt dadurch der Text vor die Augen und Herzen in vollster Lebendigkeit, so daß sich die Gemeindeglieder einzeln und in ihren Unterredungen leicht darin zurecht finden, auch dadurch gereizt werden, mit einander über die gehörte Predigt zu sprechen. Mit Fleiß habe ich vorhin Eintheilungen angeführt, in welchen der Gehorsam Luthers gegen das Schriftwort sehr stark hervortritt: der fleißige Schüler Luthers entdeckt bald, wie natürlich und aus dem Texte selbst hervorgehend alle Anordnungen Luthers in seinen Predigten sind, er wird bald damit vertraut sein, und selbst ihnen folgend, wird er in den Augen der Zuhörer die gespannte Aufmerksamkeit und innige Herzensfreude entdecken, mit welcher sie an seiner Hand durch die grünenden und blühenden Auen des Evangeliums wandeln. Allgemeiner Zustimmung bin ich gewiß, wenn ich endlich auch die sprachliche Form der Predigten Luthers uns zum Vorbilde aufstelle. Die Kraft, den Wohllaut und die edle Volksthümlichkeit seiner Rede zu schildern, ist durchaus überflüssig, da man nur die Bibel aufzuschlagen braucht, um sie in ihrer ganzen Herrlichkeit zu sehen; es ist eine Sprache, gebildet vom kräftigen, wohllautenden und klaren Worte Gottes selbst. An ihr unsere Sprache übend durch das vorhin beschriebene Lesen der Schriften Luthers, werden wir es auch zu einer Rede bringen, angemessen dem theuren Evangelium unseres Gottes, allem Volke verständlich, anziehend dem Gemeindegliede gewöhnlicher