# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_August 1856_S234 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) 234 Die Predigtvorbereitung aus Dr. Luther. mischen und Sectirern, besonders auch unter den sogenannten Denominationen der Vereinigten Staaten verbreitete Weise, einen Satz, oft gar nur einen Satztheil oder Nebensatz der heil. Schrift zum Texte zu wählen und daraus alsdann nach allgemeinen Regeln der Beredsamkeit eine Predigt zu spinnen, dem evangelischen Haupt- und Grundsatze, welcher das geschriebene Wort, die Apostel und Propheten zum Grunde oder Fundamente alles kirchlichen Bauens macht, keineswegs gemäß sei, haben wir eingesehen. Es ist das ein Predigen über das Wort Gottes, nicht des Wortes Gottes, es legt den Zuhörern nicht das Evangelium, sondern des Redners Gedanken über das Evangelium vor und bezeugt, daß diejenigen, welche durch Gleichgültigkeit gegen das kirchliche Bekenntniß die Bibel zu erheben vorgeben, der Bibel wahrlich nicht so gehorsam sind, wie die, welche mit den Bekenntnissen der Kirche sich zur Bibel bekennen. Wir halten es für eine Hauptaufgabe der evangelischen Predigt, das geschriebene Wort Gottes selbst in seiner Fülle und Lebendigkeit vorzutragen und folgen daher gern der echtkirchlichen Pericopenordnung, welche uns ganze Abschnitte der Schrift und diese in einer der Erbauung förderlichen Reihenfolge darbietet; auch stimmen wir dem zu, daß es gilt die Pericope selbst einfältig zu verkündigen oder gleichsam abzumalen, statt über sie zu reden. Wollten wir doch nun auch diesen unleugbaren Fortschritt, zu welchem uns der gnädige Gott gebracht hat, diese Flucht aus der verzauberten Burg des Pietismus und Rationalismus, zu vollenden trachten! Vorherrschend und auf die evangelische Hauptpredigt angewandt wurde die synthetische Predigtform in der lutherischen Kirche, als das christliche Glaubensleben bereits aus den Kreisen der Wissenschaft und Theologie überhaupt im Großen und Ganzen verschwunden war, in der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts. Sie hat ihre Ausbildung erst erhalten unterm Pietismus und besonders unterm Rationalismus, welcher letztere in allgemeinster Ausdehnung auch den Supranaturalismus umfaßt; ihre höchste Spitze hat sie wohl in Reinhard erlangt, dessen Geständnisse uns wichtige Aufschlüsse darüber geben. Diese Kunstform, welche übrigens in gewissen Fällen, z. B. bei Katechismuspredigten, auch ihre Berechtigung hat, hindert das einfältige Vortragen des Textabschnittes. Sie ist ja kinderleicht, sobald man aus dem Text ein Sätzlein herausreißen und dies alsdann nach seinen verschiedenen Gliedern behandeln will, allein das erlaubt uns unser Bestreben, den Text selbst zu predigen, nicht mehr. So müssen wir denn, um die gelernte Form zu bewahren, den evangelischen Abschnitt unter einen Hauptsatz oder Thema mit gewohnten Theilen und Unterabtheilungen spannen, ein peinlich Stück Arbeit für uns selbst, noch peinlicher am Ende für unsere Zuhörer und zu nichts nutz, als unseren Gemeinden die Eintheilung der Predigt einzubläuen, statt ihnen das Evangelium vorzubilden. Es giebt keine Pericope, der man nicht Gewalt anthun müßte, um sie in eine analytisch-synthetische Predigt zu fassen. Um unseren Vorsatz, das Evangelium, nicht über das Evangelium zu predigen, auszuführen, müssen wir die Lieblingsform und Pflegekind des Rationalismus, von welcher wir