# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_August 1856_S232 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) 232 Die Sclaverei und die Bibel. und Freilassung von Sclaven nur ein relativ gutes und nützliches Werk ist, darum gebietet letztere der Apostel nirgends, wiewohl sie im Gebote der Liebe bereits implicite ausgesprochen ist. Der Liebe gemäß ist ferner, daß, so lange der gläubige Herr seiner Sclaven Gebundensein für zuträglicher erkennt, als Freisein, er sie nicht nur gerecht, billig, mild, uneigennützig behandele, sondern auch und vornehmlich für ihre unsterblichen Seelen durch christlichen Unterricht und Erziehung sorge, aber so gewissenhaft, als wären sie seine eigenen Kinder. Die Frage, obs dem Christen erlaubt sei, Sclaven zu kaufen, entscheidet wieder nur die Liebe. Einen Sclaven kaufen, in der Absicht, ihn wie ein Pferd oder Hund zu besitzen, ist jedenfalls eines Christen unwürdig; aber ihn in der Absicht kaufen, um sein hartes Loos erträglicher zu machen und für sein ewiges Heil desto erfolgreicher sorgen zu können, ist nicht wider die Liebe, sondern ihr gemäß. Dagegen einen Sclaven zu verkaufen, streitet durchweg wider die Liebe, dieweil sie nicht weiß, in welche Hände der einmal Verkaufte fallen wird; vielmehr erheischt es die Liebe, bei Lebzeiten Vorkehrungen zu treffen, daß nicht Sclaven nach dem Tode des Herrn, wie es der Lauf der bürgerlichen Gesetze mit sich bringt, meistbietend verkauft, Ehen zerrissen, unerzogene Kinder von ihren Eltern genommen und die Verkauften überhaupt in die Hände gottloser Herrn gebracht werden. Die Liebe legt es denjenigen Christen, welche an der Gesetzgebung eines Staates Theil haben, als heiligste Pflicht auf, das Erlassen solcher Gesetze zu verhindern, welche allmähliche Emancipation unmöglich machen, Zerreißen ordentlicher Ehen der Sclaven, Trennung unmündiger Kinder von ihren Eltern erlauben, welche den vollständigen Schulunterricht der Sclaven verpönen oder welche überhaupt bloß zu Gunsten selbstsüchtiger Herrn das Loos der Sclaven nur härter machen. Können Christen solche Gesetze nicht verhindern, so sollten sie feierlich dagegen protestiren. Christliche Gesetzgeber sind verbunden, auf solche Gesetze hinzuarbeiten, welche den Sclaven vollständigen Schutz, allgemein menschlichen, besonders christlichen Unterricht sichern und eine allmähliche Emancipation möglich machen. Es würde nicht wider das Gesetz der Liebe streiten, den Herrn für ihre frei zu lassenden Sclaven einen billigen Ersatz zu sichern. Endlich ist dem Gebote der Liebe zuwider alle zelotische Agitation vorgeblicher oder wirklicher Freunde der Sclaven, denen sie nur leibliche Freiheit verheißen, sie über die wahre geistliche Freiheit in Unkenntniß lassend oder deren Loos sie, durch Provocirung gehässiger Gefühle der Sclavenherren, nur verschlimmern. Dies ist die heilige Inconsequenz, wie wir sie oben nannten, welche aber in der That die strengste Consequenz ist, indem sie das königliche Gebot: Liebe deinen Nächsten als dich selbst, auf alle Verhältnisse zwischen Herrn und Knechten consequent anwendet. In obigen Sätzen ist zugleich einem evangelischen Prediger sein Standpunct angewiesen, den er gegen das Institut der Sclaverei einzunehmen hat. Allerdings muß er zur Sicherstellung seines eigenen Gewissens und um erforderlichen Falls ein wohlbegründetes Gutachten abgeben zu können, bei sich