# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_August 1856_S230 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) 230 Die Sclaverei und die Bibel. schaffen können, ein Muster abgeben mögen, wie das Sclavenwesen nach Gerechtigkeit und Billigkeit zu reguliren ist; eine göttliche Sanction aber der Sclaverei aus ihnen entlehnen zu wollen, streitet wider die Analogie des Glaubens. Um endlich dem dritten Einwand, aus mehreren Stellen des Neuen Testaments, besonders die paulinischen und petrinischen Episteln genommen, begegnen zu können, ist ein tieferes Eingehen in das Wesen des Evangeliums, das Verhältniß des Reiches Gottes und des Weltreichs und den alle Personen und Verhältnisse heiligenden und erhebenden Einfluß des Glaubens nöthig. Sind wir in unsern bisherigen Erörterungen auf biblischem Grunde zu dem Resultat gekommen, daß der Stand der Sclavenherren an sich selbst betrachtet, nicht als ein normaler, göttlicher, andern heiligen Ständen und Orden gleichzustellender Stand anzusehen ist, so tritt von nun an ein Wendepunct ein, wo es gilt, ein abstractes Princip auf normale Fälle anzuwenden. Mag man uns immerhin einer Inconsequenz zeihen, es kümmert uns das wenig, sintemal wir aus der christlichen Ethik wissen, daß es auch eine heilige Inconsequenz gibt, welche aber im Grunde die strengste Consequenz ist, nemlich die unbedingte Unterwerfung unter Gottes Wort und das Schweben des königlichen Gebots der Liebe über alle andern Gebote. Dagegen bedanken wir uns vor einer solchen Consequenz, die dem brennenden Hasse der Sclaverei selbst die Bibel hinopfert, oder die, um ein göttliches Recht der Sclaverei durchzuführen, das heiligste Gebot der Liebe des Nächsten mit Füßen tritt. Treten wir nun näher zur Sache. Die Eigenthümlichkeit des Evangeliums besteht darin, daß es nicht eine Lehre von weltlicher, bürgerlicher Gerechtigkeit ist, sondern von der ewigen Gerechtigkeit, die vor Gott gilt und dem ewigen Leben, es schreibt nicht Gesetze vor, sondern predigt Vergebung der Sünden, es ändert nicht äußere Ordnungen in der Welt, sondern ändert die Herzen; es bringt und verheißt nicht leibliche Freiheit, sondern es bringt die unendlich höhere und wichtigere Freiheit von Sünde, Tod, Teufel und Verdammniß; es hebt die Uebel in der Welt nicht auf, es bringt aber Trost und Kraft, das Uebel zu überwinden; es hebt den Unterschied der weltlichen Stände nicht auf, aber es bringt in den Herzen derer, die im Glauben annehmen, die Liebe hervor, welche alle Menschen gleich hoch schätzet und allen gleiche Dienste erweiset. Demzufolge darf es uns nicht befremden, wenn das Evangelium auf Sclaverei, als ein äußerliches Ding, keine Rücksicht nimmt und sie nur im Vorbeigehen berührt, Herrn oder Knechte zur Uebung des Glaubens und der Liebe ermahnend. Es gebietet nicht Abschaffung der Sclaverei, sondern es verwandelt zunächst die schwere eiserne Kette in ein liebliches, wohlthuendes Band, das Herrn und Knecht verbindet. Vom Geiste Christi regiert wird ein gläubiger Herr nicht mehr auf sein Recht, seinem Sclaven gegenüber, pochen, sondern sich um so mehr verbunden achten, ihm alle Liebe zu erweisen, je verlassener und hülf⸗