# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_August 1856_S226 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) 226 Die Sclaverei und die Bibel. Nichts ist dem gesunden Menschenverstande und dem allgemeinen menschlichen Gefühle perhorrescirender, als Sclaverei und wiederum nichts scheint bei einer oberflächlichen Betrachtung unzweifelhafter zu sein, als daß Sclaverei unbedingt durch die heil. Schrift sanctionirt sei und in der That wissen die Vertheidiger derselben die verschiedenen biblischen Stellen zu ihren Gunsten tapfer auszubeuten. Wie können wir aus dem unangenehmen Dilemma herauskommen, entweder mit der Sclaverei die Bibel, die unleugbar Sclaverei zuläßt, zu verwerfen oder mit der Bibel das innerste Gefühl des Mitleids gegen das unglückliche Volk der Sclaven zu ertödten? Scheuen wir die Mühe einer tiefern Untersuchung nicht; reihen wir die biblischen Stellen, welche hiervon handeln, unparteiisch und ohne vorgefaßte Meinung zusammen, lassen wir insonderheit die analogia fidei unsere Führerin sein; wir sind der freudigen Zuversicht, wir werden zu einem Resultat kommen, welches das christliche Gewissen vollständig befriedigen kann, wenn es sich gleich weder bei den Abolitionisten, noch bei den Freunden der Sclaverei einen sonderlichen Dank verdienen wird. Daß Sclaverei an sich selbst, sie trete in milderer oder in härterer Form auf, durch welche ein menschliches Individuum seiner persönlichen Freiheit beraubt und zu einem Besitz eines seiner Mitmenschen gemacht wird, nicht ein normaler Zustand, nicht eine von Gott selbst gestiftete Ordnung, vielmehr eine dem ursprünglichen Zwecke der Schöpfung des Menschen widerstrebende Anstalt ist, dies ist ein Satz, gegen welchen ich nicht weiß, was Christen im Angesichte des klaren Schriftwortes einwenden können. Seid fruchtbar und mehret euch und füllet die Erde und machet sie euch unterthan und herrschet über Fische im Meer und Vögel unter dem Himmel und über alles Thier, das auf Erden kriecht. So spricht der allmächtige Schöpfer zu dem edelsten seiner Geschöpfe auf Erden, Adam, dem Stamm und Repräsentanten des ganzen Menschengeschlechts. Mit diesem Worte unterwirft Gott alle vernunftlosen Thiere der menschlichen Natur und verleihet einem jeden einzelnen menschlichen Individuum, das von Adam seinen Ursprung hat, gleichen Antheil an dieser Herrschaft über die Thiere. Thiere sind das Object der Herrschaft des Menschen, kein Mensch. Alle Menschen sind Herrscher, keiner ist ein Beherrschter, in der Weise, wie die Thiere. Gleichheit der Menschen unter einander und persönliche Freiheit ist demnach ein edles, unveräußerliches Vorrecht der nach Gottes Bild geschaffenen menschlichen Natur. So wenig dieses von Gott verliehene Vorrecht die Verschiedenheit der Stände, Aemter und Gaben der Menschen aufhebt, so wenig ist dasselbe auf der andern Seite vereinbar mit Sclaverei, welche den Menschen seiner anerschaffenen Würde beraubt und den vernunftlosen Thieren gleichstellt. Daß dieses anerschaffene Vorrecht auch nach dem Sündenfalle dem Menschen, wenn auch in geschwächtem Maße, von Gott aus Gnaden ist übrig gelassen worden, dies bezeugt des Herrn Wort zu Noah: seid fruchtbar und mehret euch und erfüllet die Erde. Eure Furcht und Schrecken sei über alle Thiere auf Erden, über alle Vögel unter dem