# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_Juli 1856_S222 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) 222 Correspondenz aus Deutschland. in der Volkesbildung am Weitesten gebracht, sie werden also den sauersten und schwersten Rückweg haben. Wohl uns, wenn die kommende Visitation hier eingreift. Komme ich an die Reihe, so will ich mit Gottes Hülfe eine rechte Litanei singen, mein Herz ausschütten und die Visitation nehmen als das, was sie sein soll. Nun auch Einiges über einige geistliche Kräfte im Pfarramte, die der HErr erweckt hat und über die Sachsen zu gebieten hat. Da steht zuerst Alfeld in Leipzig, der dem Unionswirrwarr entflohen ist und in dem mit geistlichen Gaben reichlich gesegneten Leipzig wirkt. An Rudelbachs Stelle in Glauchau ist jüngst auch ein Mann aus der Union, das Haupt der Lutheraner innerhalb der Union in Pommern, berufen worden. In Hohenstein hat Closter, ein Oldenburger, früher in Wangerode, dann in Rötha als Diakonus, nach vielen Kämpfen ein Nest gefunden. Von älteren Pfarrern, aus Deinen Jahren, nenne ich Schubart in Hohenstädt, Winter in Schwarzenberg, Lehmann in Chemnitz; schon jünger sind Sidel in Tharand, der mit den (mit Ausnahme von Prof. Stöckhardt) materialistischen Professoren der Forstacademie in jener Stadt harte Kämpfe gehabt hat, Rüling in Bautzen, Zehme in Lengefeld. Auch die jüngeren aus der gesegneten Zeit des Wirkens von Harleß in Leipzig rücken bereits nach und nach ein, da ist Naumann in Störenthal, Schmidt in Ernstthal, Engel in Lugau. Allerdings ein wenig Sauerteig nur gegenüber der großen Masse, die durchsäuert werden soll! Dennoch aber ein nicht zu verachtendes Häuflein. Unser kirchliches Organ ist das Sächsische Kirchen⸗ und Schulblatt, das vor Kurzem noch officielles Blatt, nun ein privates geworden ist. Seit es aus den Kirchenäraren nicht mehr unterstützt wird, fristet es nur kümmerlich sein Dasein und theils weils nicht mehr gehalten wird, theils weil es mit Beiträgen nur kärglich bedacht wird, ist zu fürchten, daß es eingehen muß. Unserm Sächsischen Typus entspricht es allerdings nur wenig, der verlangte etwa ein Blatt, wie die alte Sächsische Kirchenzeitung, voller Aufsätze aus dem äußerlichen Amtsleben der Pfarrer, über kirchenrechtliche Minutien, nebst ausführlichen Berichten über die Examina, nur keine Dogmatik, höchstens kurze exegetische Studien, Beiträge aus dem Gebiete der kirchlichen Alterthümer ꝛc. Ob, wenn das Kirchenblatt eingeht, ein anderes an seine Stelle treten wird, etwa, was oft besprochen worden ist, ein für die lutherische Kirche im Ganzen berechnetes, ist noch ungewiß. Um so erfreulicher ist es für mich, über Amerika zu hören. Der Lutheraner und Lehre und Wehre waren mir eine rechte Erfrischung. Der Aufsatz von Sihler über die Erziehung lutherischer Gemeinden ist ein Meisterstück. Deine Erwiderung auf die Anschuldigungen der Erlanger war köstlich, nur an der exegetischen Behandlung von 1 Cor. 10. habe ich, obwohl sie mir sonst sehr zugesagt hat, Eins auszusetzen. Es schien mir, als ob der Verfasser die in unserm Deutschland sehr betonte und gemißbrauchte Anschauung habe, daß auch die unwürdigen Gäste den Leib und das Blut des Herrn bleibend in sich aufnähmen und daß der Herr erst am Tage des Todes oder des Gerichts diese