# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_Juli 1856_S221 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) Correspondenz aus Deutschland. 221 sitationen innerhalb der unirten Kirche solche waren. Am wenigsten werden wohl die Gemeinden davon berührt werden. Vieles wird beim Alten bleiben; Anderes nicht gründlich gebessert werden können, weil man den Muth nicht hat, tief ins Fleisch zu schneiden und die Gefahr liegt nahe, daß man nur äußerlich verfahre. Die Herz⸗ und Pulsader der Kirche, reine Lehre und rechte Sacramentsverwaltung, ist vielfach unterbunden, der Pfarrer zum Geschäftsmanne, seine Familie ihm zur Hauptsache, seine Gemeinde zur Nebensache geworden, bei Vielen gründliche Abneigung gegen allen Streit, ein Gehen lassen wie es geht, selbst eine Scheu vor Beschäftigung mit der Wissenschaft und die Furcht: was will das werden? Luthers Reformation fing an mit der Reformation der Universität. Die scholastischen Studien wurden verdrängt, die Schriftstudien an ihre Stelle gesetzt. Sollten wir nicht auch diesen Gang gehen müssen? Unser Leipzig hat sich wieder etwas verändert. Kahnis hätten wir beinahe verloren, Erlangen sollte ihn bekommen; indeß er bleibt. An Liebners Stelle hat man Luthardt aus Marburg berufen, ein tüchtiger Exeget und ein Lutheraner. Brückner ist erster Universitätsprediger geworden und als zweiten hat man von Zezschwitz, einen noch jungen und der gelehrten Welt unbekannten, aber sehr talentvollen Mann von außerordentlicher Predigtgabe, angestellt. Man hat von ihm eine Predigt über Röm. 1, 16. ꝛc. mit dem Thema: „Wie in ein Christenherz die edle Freudigkeit kommt, aller Schmach zum Trotz das Evangelium vor der Welt zu bekennen.“ Anger ist prof. ord. geworden. Noch haben wir in Leipzig einige Männer, die ich in meinem letzten Briefe zu nennen vergaß: Lindner sen., dem der HErr eine große Frische in seinem Alter erhalten hat und der das Evangelium als einer der Ersten in Leipzig bekannt hat, ferner Lindner jun., der weniger als Docent, als durch Schriften wirkt und Horlemann, der auch dem Glauben von Herzen zugethan ist. Auch Besser ist nicht ohne Einfluß auf die Theologie Studirenden. Doch der Kopf unserer Universität sind immer noch Winer, Großmann und Tuch, wenn er auch zum Theil anfängt, grau zu werden. Recht noth thäte eine gründliche Besserung des niederen Lehrstandes in unserm Lande. Man glaubt kaum, wie oberflächlich und großsprecherisch, zum großen Theile dem Glauben entfremdet, ja dem Glauben feindlich dieses Chaos unserer Schulmeister ist. Zwar ihr Abgott Diesterweg kann nicht mehr so unmittelbar auf sie wirken; er hat Berlin verlassen und nach Hamburg sich zurückziehen müssen, wo ihn der Senat angestellt hat, aber durch seine Rheinischen Jahrbücher, eine pädagogische Zeitschrift und durch Brochüren, in denen er Gift und Galle speit wider die gläubigen Obscuranten wirkt er immer noch fort und Unzählige unter den deutschen Lehrern hängen ihm an. Freilich ist in der letzten Zeit auch eine Regeneration der pädagogischen Wissenschaften eingetreten durch von Raumers Geschichte der Pädagogik, Palmers Catechetik und Pädagogik, so wie durch mehr praktisch bedeutende Schulmänner, z. B. Völker und Zeller in Bruggen u. A. Die Sache nimmt sich aber Zeit. Sachsen und Preußen haben die neuere Pädagogik zuerst gepflegt und begünstigt, es