# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_Juli 1856_S220 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) 220 Correspondenz aus Deutschland. bedingt Recht hatten ihren Gegnern gegenüber, doch in den genannten Puncten handgreifliche Blößen zeigten? Freilich solche Wunden heilen nicht an einem Tage und wie so oft hat die Noth und der Andrang des Feindes wohl zunächst dahin gedrängt, auf Mittel und Wege zu einer Einigung zu denken. Bunsens Zeichen der Zeit, welche schonungslos die nicht abzuleugnenden Gebrechen „der Lutheranischen,“ auf die vielleicht noch der Vorwurf des odium generis humani kommen wird, aufgedeckt haben, haben wohl für uns den Vortheil gehabt, daß sie die getrennten Lutherischen auf die Nothwendigkeit der Einigung in jenen Puncten hingewiesen haben. Bürgerkriege sind ja freilich viel gefährlicher, als auswärtige, zumal wenn diese mit jenen zusammen treffen. Nun einiges Specielle aus unserm Sachsen. Die Oberhofpredigerstelle ist nun besetzt; Liebner hat das Catheder mit dem Bischofsstuhle vertauscht. Es muß sich zeigen, ob dieser Mann die unterbrochene treffliche Reihe unserer berühmten Oberhofprediger zieren wird. Von Seiten der Confessionellen ist seine Berufung mit Schweigen aufgenommen worden und wenn man auch nicht gerade von ihm fürchtet, so hofft man doch auch gerade nicht viel von ihm. Wie sollte auch ein einzelner Mann eine ganze Kirche, die noch auf der Concordia ruht, aus der Bahn rücken können! Anders ständen die Sachen, wenn jene Petitionen um Beseitigung der Bekenntnisse, die in der Zeit vor und kurz nach 1848 ausgingen, von Erfolg gewesen wären oder wenn die Aenderung der Eidesformel, welche unsern in evangelicis beauftragten Staatsministern beim Antritte ihres Amtes vorgelegt wird, wie sie 1849 vorgenommen worden ist, wirkliche Consequenzen nach sich zöge; allein man schläft jetzt nicht mehr in der Kirche, man wacht und somit wird es dem Feinde schwer werden, Unkraut zu säen und jedenfalls werden sich seiner Zeit wieder Stimmen erheben, die wie auf dem letzten Landtage das gute historische Recht unserer Kirche wahren, aus Leipzig kein Wittenberg und aus Dresden kein Berlin werden machen lassen. Neben Liebner ist Gilbert, früher Bautzener Kirchenrath, als Geheimer Kirchenrath in das Cultusministerium berufen worden. Das erste Lebenszeichen, welches dieses neu gestaltete Ministerium von sich gegeben hat, ist eine vor Kurzem erschienene Verordnung, nach welcher in den nächsten drei Jahren eine Visitation unserer Kirchen und Schulen abgehalten werden soll. Zu Visitatoren sind die einzelnen Ephoren ernannt worden, denen man aber je einen tüchtigen Geistlichen des Landes beigeben will. So wird der Rationalist Sup. Beier in Plauen neben Alfeld in Leipzig in der Ephorie Plauen visitiren. Die Visitation wird sich vor Allem auf Lehre und Leben der Geistlichen und Lehrer, wie auf den Stand der Gemeinden, erstrecken, aber auch die externa der Kirche mit berücksichtigen. Hebung des christlichen Lebens in den Gemeinden, Prüfung des Lehrstandes, Kräftigung der Stellung, welche die Ephoren in unserer Kirche einnehmen, die zu fast bloß büreaukratischen Beamten herabgesunken waren und Anderes mehr Nebensächliche sind die ausgesprochenen Zwecke dieser Maßregel. Eine Visitation von 1529 erwarten wir nicht, aber auch nicht Schaustücke wie die letzten Vi⸗