# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_Juli 1856_S218 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) 218 Correspondenz aus Deutschland. zu Zeiten wahrlich schlimmer daran sind, als die Sclaven in Euren Südstaaten. Natürlich treten in gleichem Schritte jene hier so heimischen alten geistigen Mächte der Wissenschaft, die bei uns durch die Reformation besonders eine Heimath gefunden hatten, zurück. Realschulen überwuchern die Gymnasien alten Stiels und die Zahl der Studirenden, ausgenommen die der Jurisprudenz, nimmt von Jahr zu Jahr ab. Die Philosophie hat wieder einmal abgeblüht; indem sie ihre Consequenzen zog, verlief sie sich in Materialismus und Atheisterei und die wenigen Philosophirenden, die wir noch haben, haben es aufgegeben, in eigenem Wahne das ganze Gebiet des Wissens in neuen Systemen umfassen zu wollen, man begegnet ihnen nicht selten auf dem kirchlichen Gebiete. Auch das Studium der Sprachen, die philologia sacra et profana, ist etwas zurückgetreten. Die multa vertragen sich einmal nicht mit dem multum. Das Lateinsprechen, was sonst doch fast selbst jeder mittelmäßige Kopf von den Schulen mitbrachte und festhielt, vermögen jetzt nur wenige. Sachsen sucht zwar noch seinen alten Ruhm auf diesem Gebiete zu behaupten, die Sächfischen Fürstenschulen werden von unseren Schulbehörden geliebt und gepflegt, auch ein Theil der übrigen Gymnasien des Landes hebt sich wieder und doch ist die alte Lust zu den Sprachen erkaltet und die philologische Literatur ist ziemlich wohlfeil zu haben. Mathematik und Naturwissenschaften werden in den Himmel erhoben. Wie sich die Kirche in dieser Atmosphäre des wachsenden Materialismus, oder wie Professor Leo treffend sagt, des Mammonismus befinden mag, ist unschwer zu errathen. Sie predigt tauben Ohren mit ihrem: Trachtet am Ersten ꝛc. und Sammelt euch nicht Schätze ꝛc. Aeußerlich erhebt sie sich freilich von Neuem, denn läßt man die Welt gewähren bei ihrem Trachten nach den Schätzen der Welt, so läßt sie sich wiederum etwas gefallen und läßt man den Teufel ruhig einen Tempel bauen, so gestattet er wohl, daß daneben noch ein Capellchen zu Ehren Gottes sich erhebe. Daraus erklärt sich, daß die katholische Welt in Oestreich sich das neue Concordat mit dem Papst gefallen läßt und in diesem Sinn können sich wohl auch bei uns noch Wunderdinge in nächster Zeit zutragen. Gewiß aber ist, daß auch der HErr auf dem Plane ist. In den höheren Kreisen des Volkes ist ein Umschwung eingetreten, Israel kehrt zu seinen Hütten zurück, nur von dem Volke im eigentlichen Sinne läßt sich bis jetzt noch nicht viel Gutes berichten. Das wissen freilich weniger die Herrn am Staats⸗ und Kirchenruder, als die Pfarrer und Lehrer, die im Schiffsraume leben. In der Union klären sich die Verhältnisse nur wenig. Dort ist viel Geschrei und wenig Wolle, Geschrei auf Kirchentagen, Geschrei in Provincialvereinen, Geschrei auf den Landtagen, in Vereinen, Geschrei auf Universitäten und in der Literatur, kurz man wird erinnert an Luthers Reichstag der Krähen bei Coburg; aber um was erhebt sich dieses Zetergeschrei? Um Sonntagsfeier, Trauung Geschiedener, Rettungsanstalten für von Familie, Kirche und Staat Verwahrloste, das eigentliche corpus delicti, die Union berührt man nur von ferne. Wie manchen großen Geist und hochbegabten Mann blendet das