# Der Lutheraner_St. Louis Missouri_1846 10 13_S24 # Machine transcription, uncorrected — CHI Digital Archive (demonstration) und Schrecken erlöſen, aber damit iſt es noch nicht ganz ausgerichtet. Darum muß ein Chriſtenmenſch etwa im Herzen fühlen ſeine Sünde und erſchrecken für dem Tode, daß ihm alles anliege, was einen andern Sünder anficht. Die Ungläubigen ſtecken alſo in ihren Sünden, daß ſie ihr nicht achten, aber dieſe, die Gläubigen, fühlen ſie wohl: dagegen haben ſie einen Aufhelfer, den h. Geiſt, der ſie troſtet und ſtärket, bis ſo lange, daß er ſolches gar ausgerichtet habe, und ein Ende gemacht, ſo werden ſie denn der keines mehr fühlen. Dar— um ſage ich, daß man hier klug ſein muß, und darauf ſehen, „daß man von dem heil. Geiſt nicht ſo trotze und freudig poche,“ wie etliche hoffärtige, vermeſſene Schwarmgeiſter thun, auf daß nicht jemand zu ſicher fahre, und ſich dünken laſſe, daß er allenthalben vollkom— men ſei. Denn ein frommer Chriſtenmenſch iſt dennoch auch Fleiſch und Blut, wie andere Leute, ohne daß er ſich mit der Sünde und böſen Luſt ſchlägt, und fühlet, das er nicht gerne fühlet; die andern aber (die Ungläu⸗ bigen) nehmen ſichs gar nicht an, ſchlagen ſich gar nicht damit .... Alſo muß es immer gemenget ſein, daß man beides fühle, den heil. Geiſt und unſere Sünde und Unvollkom⸗ menheit; denn es muß alſo um uns ſtehen, wie um einen kranken Menſchen, der unter des Arztes Händen iſt, und ſoll doch nun beſſer um ihn werden. Darum ſoll niemand alſo gedenken, dieſer Menſch hat den heil. Geiſt, darum ſoll er ganz ſtark ſein, eitel köſtliche Werke thun, und kein Gebrechen haben. Nein, nicht alſo, denn dazu kann es nicht kommen, weil wir auf Erden im Fleiſche leben, daß wir ohne alle Schwachheit und Gebrechen ſein ſoll⸗ ten; daher auch die heil. Apoſtel ſelbſt oft über ihre Anfechtung und Traurigkeit klagen. Und iſt alſo der heil. Geiſt wohl ihnen ſelbſt nach ihrem Fühlen verborgen, ohne daß er ſie durchs Wort und Glauben in Anfechtung ſtärket und erhält.“ (Kirchenpoſtille. Epiſtel am Pfingſttag.) „Damit werden wir aber zugleich auch erin— nert, daß unter den Chriſten Gebrechlichkeit und Fehl, ſo ein jeder von Natur an ihm hat, gleichwohl bleiben, wenn ſie gleich zum Glau— ben und zur Gnaden kommen und vor Gott gerecht worden ſein. Denn die Gnade verän⸗ dert die Chriſten nicht alſo, daß ſie in einem Hui allerdings gar neue und vollkommene Menſchen aus ihnen mache; ſondern was ein jeder für natürliche Fehl und Gebrechen an ihm gehabt, dieſelbigen hangen ihm immerdar nach, wie er vor Augen ſiehet, und täglich viel erfähret. Denn wenn einer, der von Natur jähzornig und ſchellig iſt, zum Chriſten wird, wiewohl denſelbigen die Gnade etwas ſanftmü⸗ thiger macht, und ihm der heil. Geiſt ſein Herz alſo erweichet, daß er etwas viel gelinder und ſanfter wird, doch gleichwohl vaſer Gebrech und Mangel in der Natur nicht allerdings gar ge⸗ dämpfet und vertilget wird. So thun auch die, ſo von Natur harte Köpfe haben; wenn ſie gleich zum Glauben bekehrt und Chriſten werden, behalten ſie doch etwas von derſelbigen ihrer angebornen natürlichen Härtigkeit. Da⸗ 24 her kommts auch, daß zween oder mehr die Schrift und Evangelium in „einerlei Sinn und Meinung“ recht und wohl handeln, und führen doch gleichwohl „nicht einerlei Weiſe“; dem einen gehet ſein Lehren und Predigen ſäuberlicher und ſanfter ab, denn dem andern; ſo iſt auch einer geſchwinder und heftiger, denn der andere. Gibt alſo unſer HErr Gott ſei— nen heil. Geiſt in mancherlei ungleiche Werk— zeuge, welcher die Gebrechen der Natur nicht ſo balde, und ganz und gar auf einmal hinweg nimmt, ſondern hat an der übrigen Sünde in der Natur noch immerdar auszufegen, ſo lange dies Leben währet; nicht allein an den Gala— tern, ſondern an allen Menſchen aller Natio⸗ nen und Stände, ſo auf Erden ſind. Darum, obwohl die Galater erleuchtet und gläubig waren, und den heil. Geiſt durch den Glauben empfangen hatten, ſtunden ſie gleichwohl noch in der Gefahr, daß ſie durch der falſchen Apoſtel Lehre verführt konnten werden, wie denn her⸗ nach geſchah. Darum ſei nur keiner vermeſ⸗ ſen und ſicher, daß er denken wollte, wenn er die Gnade empfangen hat, als hätte es nun— mehr keine Noth, und wäre von allen Sünden und Gebrechen ganz rein, und allerdings glas— ſchön worden. Gewiß iſts, daß wir von vielen Gebrechen und Sünden gereinigt werden, und ſonderlich wird der Schlangen der Kopf zertre— ten und abgehauen; das iſt: wo das Evange— lium recht gelehret und angenommen wird, hört der Unglaube auf und folget rechte Erkenntniß Gottes ꝛc., doch gleichwohl bleibet der ſchuppige Leib, und die übrige Sünde noch in uns, bis wir beſcharet werden. Darum darf keiner gedenken, daß, wenn er angefangen hat zu glauben, er darum ein neuer und aller⸗ dings vollkommener Menſch worden ſei. Wir behalten in dieſem Leben immerdar noch etwas von den alten Sünden, nach dem, wenn wir gleich ſind Chriſten worden; denn wir ſind ja noch nicht geſtorben, ſondern leben noch im Fleiſch, welches, weil es nicht ganz rein und ſauber iſt, „„ſtreitet immerdar mit ſeinen Lüſten wider den Geiſt,““ wie St. Paulus zu Galatern am 5, 7. und Röm. 7, 14. 23. zeuget. „„Ich, ſagt er, bin fleiſchlich, und unter die Sünde verkauft““ ꝛc. Item, „„Ich ſehe ein ander Geſetz in meinen Gliedern.““ꝛc. Daher kommts, daß, was einer für ſonderliche natürliche Gebre— chen an ihm gehabt hat, ehe er zum Glauben kommen iſt, er dieſelbigen auch an ihm behält, nachdem er den Glauben erlangt hat: ohn allein, daß ſie nach dem Glauben nicht ſo frei wallen, wie zuvor, ſondern müſſen dem Geiſt dienen und un⸗ terworfen ſein, daß er über ſie regieret und herrſchet; wiewohl ſie ſich dagegen auch gar redlich und mächtig ſtreben und wehren, daß es große Mühe und Noth hat. Summa, unſer HErr JéEſus Chriſtus hat allein, und ſonſt niemand, den Ruhm und Tiiel, daß er aller⸗ dings ganz rein ſei, wie 1 Pet. 2, 22. von ihm geſagt iſt: „„Welcher keine Sünde gethan hat, und iſt in ſeinem Munde kein Trug erfunden.““ (Siehe Luthers Commentar zu dem Galaterbr. 3, 1.) 22„* Kirchliche Nachricht. Aus Mainz, 18. Auguſt. — Großes Aufſe⸗ hen macht es, daß die rings umher ſehr geach⸗ teten und durchgehends wohlhabenden Einwoh— ner der zum Amt Runkel gehörigen naſſauiſchen Gemeinde Steeden, der Regierung zu Wies⸗ baden die Anzeige gemacht haben, daß ſie nicht ferner zu der vor 30 Jahren gebildeten herzogl. Naſſauiſchen unirt evangeliſchen Kirche gehö⸗ ren, ſondern von nun an, wie einſt ihre Väter eine altlutheriſche Gemeinde bilden wollen. Als Antwort darauf hat die herzogliche Regie— rung verfügt, daß der dortige Pfarrer Brunn, deſſen Einwirkung man jene Geſinnung der Gemeinde Steeden zuſchreibt, alsbald ſeinen Poſten zu verlaſſen habe. (Schpſt.) — Eifer der falſchen Lehrer. — „Die falſchen Lehrer haben allezeit mehr Eifer und Fleiß an ſich verſpüren laſſen, andere zu verkehren, als die rechtgläubigen, andere zu bekehren.“ Spener in ſeiner 1667 ge⸗ haltenen Predigt von den falſchen Propheten. Prufet alles, und das Gute behaltet. 1 Theſſ. 5, 21. Als ſich einſtmals mehrere Pfaffen bei dem ſonſt ganz papiſtiſch geſinnten Herzog Heinrich von Braunſchweig beklagten, daß das lutheri— ſche Unweſen auch in ſeinen Landen einreißen wolle, indem die Leute ſogar anfingen, Luthers Lieder zu ſingen, da fragte der Herzog die Pfaffen, was für Lieder dies wären? Die Pfaf⸗ fen antworteten: „Unter andern das Lied: Es woll' uns Gott genädig ſein.“ „Ei, erwie⸗ derte der Herzog, ſoll uns denn der Teufel gnädig ſein? Wer ſoll uns denn gnädig ſein, denn Gott allein?“ ne Diejenigen Leſer des Lutheraner, wel⸗ chen von den vorigen Jahrgängen des „Luthe⸗ raner“ die eine oder die andere Nummer nicht zugekommen ſein ſollte, und dieſelbe vollzählig zu haben wünſchen, wollen uns in frankirten Briefen die fehlenden Nummern anzeigen, ſo werden wir ihnen dieſelben mit Vergnügen unentgeldlich übermachen. Bezahlt: 2. Jahrg. die Herrn Paſt. Schneider, Lind, Ch. Juſt, Paſt. Lehmann, Herrling. Paſt. Brohm. 2. Hälfte des 2. J. die Herrn Roßwage, Lauenhardt, Horn, Beck, Lich, Windecker. „3. „die Herrn J. Horn, Beck, A. Straub, C. Faude, Fr. Bentzmann, Paſt. Sandhaus, Molan, Möhlenkamp. 1. 7. 3. Jahrg. die Herrn Or. Sihler, Fricke, J. Trier, L. Griebel, Paſt. Schneider, Dr. Groß, Kraner, Münzenberg, Paſt. Burger (4 Ex.), Biermann, Gerding, Pan. Cronenwett. Erhalten für die lutheriſche Heidenmiſſion in Fran. kenmut, Mich., 51.00 von Paſt. Keyl in Perry Co., Mo. Neue Adreſſe: Rev. K. Schuster, Misha- wauka P. O., Elkhart Co., Ind. Gedruckt bei Weber und Olshauſen.