# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_Juli 1856_S206 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) 206 Ist derjenige für einen Ketzer oder gefährlichen Irrlehrer zu halten ꝛc. welche immer für legitime geachtet worden sind, angenommen werden müssen! Aber mit welchen Documenten beweist ihr dieses euer Decret? Pighius antwortet: Die Kirche hat jene Macht, daß sie gewissen Schriften kanonisches Ansehen verleihen kann, das dieselben weder aus sich, noch von ihren Urhebern haben. Warum verleihen sie denn also jenes Ansehen nicht entweder den Fabeln Aesop's oder den wahren Erzählungen Lucian's? — Nicht daß ich jene Bücher, über welche Streit ist, den Fabeln Aesop's vergleichen wollte (denn ich gebe denselben mit Cyprian und Hieronymus den ehrenvollen Platz, den sie in der alten Kirche immer gehabt haben), sondern ich wollte durch einen von der Unmöglichkeit des zu Folgernden hergenommenen Beweis zeigen, daß die Kirche im Streite über die Bücher der Schrift jene Macht nicht habe, daß sie aus falschen Schriften wahre, aus wahren falsche, aus zweifelhaften und ungewissen gewisse, kanonische und legitime machen könne, ohne irgend gewisse und feste Documente, von welchen wir oben gesagt haben, daß dieselben zu dieser Sache erforderlich sind ... Mit jener Kirche, die zu jenen Zeiten war, als jene Bücher zuerst geschrieben wurden, hat es eine andere Bewandtniß, als mit derjenigen Kirche, welche hernach gefolgt ist. Denn diese bewahrt und überliefert nur das Zeugniß der ersten Kirche auf die Nachkommenden, aber sie darf weder, noch kann sie etwas über jene Bücher ausmachen, davon sie nicht gewisse Documente aus dem Zeugniß der ersten Kirche hat. „Die (vierte) Frage ist, welche Bücher im Kanon seien und welche nicht im Kanon seien, wie Hieronymus redet. Wir reden aber jetzt nicht von untergeschobenen, unächten und falschen Schriften, davon sich ein Catalog bei Eusebius befindet. Sondern von jenen Büchern ist die Frage, welche zusammen in der vulgaten Ausgabe der Bibel befindlich sind und welche in den Kirchen von den Gläubigen gelesen werden. Ueber diese wird das Zeugniß der alten Kirche gesucht, ob alle von derselben Gewißheit und von gleichem Ansehen sind. Es ist aber durchaus gewiß und offenbar, daß das Zeugniß der alten Kirche dieses sei, daß einige von jenen Büchern im Kanon sind, einige im Kanon nicht sind, sondern apokryphisch sind, wie Hieronymus zu reden pflegt, oder, was dasselbe ist, daß einige aus jenen Schriften legitime sind und die von der ganzen ersten und alten Kirche ohne Widerspruch gewisse und übereinstimmende Zeugnisse ihres Ansehens haben, daß aber über einige gezweifelt worden sei deßwegen, weil sie wegen des Widerspruchs einiger keine hinreichend gewissen, festen und übereinstimmenden Zeugnisse der ersten und alten Kirche in Betreff ihres Ansehens gehabt haben“ ... „Aus den Büchern des Neuen Testamentes, welche in der ersten und alten Kirche keine hinreichend gewissen, festen und übereinstimmenden Zeugnisse ihrer Gewißheit und ihres Ansehens gehabt haben, werden diese angeführt: Eusebius im 3. Buch, im 25. Capitel: „„Die Schriften, welche nicht für unzweifelhaft gehalten werden, sondern denen widersprochen wird, obgleich sie vielen (den Meisten) bekannt sind, sind diese: Der Brief Jacobi, Judä, der andere Petri und der andere nebst dem dritten Johannis;