# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_Juli 1856_S203 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) Die Predigtvorbereitung aus Dr. Luther. 203 Zuhörern den Herrn Christum, der vermöge Wort und Sacrament bei uns einziehen will; aufs Wort und Sacrament, nicht auf irgend menschliche Bewegungen, Gedanken, Gefühle u. s. f. baut er seinen und seiner Schüler Glauben und giebt ihnen also mit lauterer fester Lehre den Herrn Christum ganz und mit unumstößlicher Gewißheit zu eigen. Haben wir nicht bei allem guten Willen in dieser Beziehung ganz außerordentlich viel zu lernen, um so mehr, da wir unter einem Volke wohnen, welches bis jetzt noch kein Verständniß für die Wahrheit hat, daß wir Christum und Sein Reich durch Gnadenmittel, durch Wort und Sacrament, empfangen? Die Bibel steht bei Luther nicht außerhalb der Kirche, wie ein starres Gesetzbuch, sondern mitten im lebendigen Glauben derselben als der Grund der Apostel und Propheten, auf welchem sich der Bau evangelischer Predigt und Bekenntnisses erhebt; Luther und die Seinen bekennen und predigen, daß die Bibel Grund und Richtschnur des Glaubens sei, indem sie hell und fröhlich aussprechen, was in ihr steht; das Bekenntniß der Kirche aber andererseits tritt bei ihnen nicht neben die Bibel, wie die Tradition der Römischen, sondern ist gänzlich und gar und ohne Täuscherei ihr unterworfen, so daß ebensowohl der Grund der Apostel und Propheten wie die davon abhängige oder darauf erbaute Gemeinschaft der rechtgläubigen Kirche festgehalten und treulich bewahrt wird. Beides, die Wahrheit, wie sie unabhängig vom Glauben und Erkennen des Menschen im geschriebenen Worte besteht, und dieselbe Wahrheit, wie sie im Glauben der Kirche lebt und im Bekenntniß ausgesprochen wird, Beides auch, die Lehre in ihrer Feststellung durch die Kirche, und die Aufnahme der Lehre im Glauben des einzelnen Christen, der Glaube als Lehre und der Glaube als Kraft kommt in Luthers Predigt zu vollem Rechte. Ich bin nicht blind gegen das, was ich in Luthers Schriften für unbegründet anerkennen muß, z. B. sein Urtheil über den Jacobus, seine geistlichen Auslegungen, seine Auffassung des Betrugs, welchen Rebeka und Jacob dem Vater Isaak spielten; ich prüfe Luthers Schriften fort und fort an der Bibel, welche ja auch über dieselben Richterin ist; aber das weiß ich, daß keine anderen Bücher, die kirchlichen Bekenntnisse ausgenommen, eine so scharfe Prüfung an der Bibel aushalten können, wie Luthers, das seit der Apostel Zeiten kein Prediger das Gesetz so durchdringend, das Evangelium so rein, keusch, süß und lockend gepredigt hat, wie Dr. Luther, und daß wir, die wir des Unterrichts im Predigen des Gesetzes und Evangeliums so sehr bedürfen, denselben nirgend so gründlich, so anziehend und so klar finden können, wie bei Dr. Luther. Ein bloßer Versuch führt schon zur Erfahrung, daß es weise gehandelt ist, es nicht bei einem Versuche bewenden zu lassen. (Schluß folgt.)