# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_Juli 1856_S202 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) 202 Die Predigtvorbereitung aus Dr. Luther. seinen Sternen, die Erde mit ihren Blumen, der Frühling mit seinem jungen frischen Grün, die Mutterbrust, an welchem sich das erschreckte Kindlein birgt und wie viel andere Lieblichkeiten müssen ihm Gleichnisse der einzelnen Gnaden des Evangeliums darbieten, damit es sich süß und erquickend schmiege an unser müdes Herz. Gott ruft uns herein ins Brautkämmerlein des Glaubens; da sind wir mit Ihm allein, kein Werk gehört mit hinein von unserer Seite; Gott schmückt uns dort mit Christi Blut und Gerechtigkeit, indem er sie uns anbietet und die Kraft zum Glauben derselben bescheert; nun könnten wir getrost sterben, denn wir haben die Gerechtigkeit, die vor Gott gilt; aber wir sollen noch länger auf Erden leben, müssen darum hier zu arbeiten haben, so sendet uns Gott nun in die Arbeit an Seinem Reich unter den Menschen, bestätigt uns in unserem irdischen Beruf: hierher gehören unsere Werke, die außerhalb des Brautkämmerleins des Glaubens bleiben mußten. Nirgend wo Luther Evangelium predigt, bringt er es in trockenen, skelettartigen Sätzen. Das kirchliche Dogma, rein und klar, steht beständig vor uns, aber wie eine Persönlichkeit, in Fleisch und Blut, anschaulich und reizend, keusch und himmlisch schön. So in den Osterpredigten, wenn uns Christus gezeigt wird einmal, wie am Stillen Freitag Schuld und Strafe unserer Sünde, Tod und Verdammniß auf ihm liegt und dagegen am Ostermorgen derselbe Christus vor uns steht in vollendeter Reinheit von jener Schuld und Strafe, welche von ihm genommen und auch uns nicht wieder zurückgegeben sind, sondern versenkt in die Tiefe des Meeres; das klingt einmal anders, als wenn wir uns abplagen, begreiflich zu machen, daß durch die Auferstehung die Annahme des Opfers Christi für uns bezeugt sei. Wer unter uns hat sich nicht schon abgemüht, Joh. 10, 14. und 15. verständlich zu machen, nicht dabei selbst metaphysisch klingende Reden geführt, nicht auf der Kanzel bereits an den Gesichtern der Zuhörer gesehen, daß er nicht verstanden wurde? Folgen wir einmal Luthers Weise, dies Wort des Herrn zu predigen: Gott der Vater kannte Christum auch, als dieser, mit Schuld und Strafen belegt, am Kreuze hing und Niemand ihn mehr kennen wollte, so erkennt Christus die Seinen in ihrer tiefsten Erniedrigung, wann Gottes Züchtigungen sie zu einem Gräuel und Schmach vor allen Menschenkindern machen und kein Mensch in ihnen Gottes Kinder erkennen will. Wer nur irgend mühselig und beladen ist, der versteht das — nicht wahr? Gerade was man in neuester Zeit, um die Bedeutung der christlichen Lehre zu verringern, so gern hervorzuheben pflegt, daß es zum Wesen des Christenthums nicht so sehr gehöre, eine Glaubenslehre einzuschärfen, als vielmehr die Person Christi selber mitzutheilen, gerade dies Anbieten des Herrn Christi in der Fülle seiner Holdseligkeit und Kraft des ewigen Lebens versteht Dr. Luther aus dem Grunde, nur thut er es nicht in der Weise jener Verächter der lauteren Lehre. Eben in ihrer Gleichgültigkeit gegen die Lehre leiten sie ihre Jünger an, einen Christum, den sie selbst oder Andere erdacht haben, aufzunehmen und des Herrn Christi, der in Wort und Sacrament zu uns kommt, zu verfehlen; Luther dagegen bringt seinen