# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_Juli 1856_S201 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) Die Predigtvorbereitung aus Dr. Luther. 201 die zerstörendste aller Sünden, die Werkheiligkeit, in ihrem ganzen weiten Umfange aufgedeckt. Was wahrhaft gute Werke sind, was Freiheit bedeutet, was die Liebe schafft, wie die Arbeit im irdischen Beruf durch Gottes Wort bestätigt und geheiligt wird, das Wesen der Geduld in der Trübsal und der Geduld mit dem gebrechlichen Nächsten, die rechte Art des christlichen Wandels überhaupt ist nirgend außer der Schrift in solcher Klarheit und Fülle vorgestellt, wie bei Luther. Wollten die Leser nur einmal die Predigten der Haus- und Kirchenpostille über das Evangelium auf den zweiten Sonntag nach Epiphanias mit der Feder durcharbeiten, sie würden von tiefer und hoher Gesetzespredigt noch weit mehr darin finden, als ich hier vorführen kann, wo ich den Raum sparen muß, um Luthers Predigt des Evangeliums wenigstens mit einigen Worten hervorzuheben. Er verkündigt niemals das Gesetz so lange, bis die Traurigkeit der Welt, die den Tod wirkt, dadurch erregt werden könnte; so bald er die Erkenntniß der Sünde und des sündlichen Verderbens erweckt hat, kommt er auch mit dem Evangelium und zwar mit dem lauteren, durch nichts Gesetzliches getrübten Evangelium. Seit der Apostel Zeiten hat Keiner so wie er die Gerechtigkeit Christi gepredigt, wie sie fertig und den armen Sündern bereit liegt und angeboten wird in Wort und Sacrament; Keiner hat seitdem so überzeugend und lockend uns vorgehalten, daß durch Christi Verdienst der ganzen Welt Sünde hinweggethan ist und die einzige Sünde, welche fortan verdammt, die ist, nicht an Christum zu glauben; kein Prediger außer denen der Schrift selbst hat jemals den betrübten Herzen das Wörtlein „für euch,“ für euch gegeben, für euch vergossen zur Vergebung der Sünden, so eindringlich zur Annahme dargebracht, und deshalb die ängstlichen Gedanken der angesochtenen Seele so klar in ihrer Nichtigkeit aufgewiesen, wie sie nemlich allzumal den Gnadengedanken Gottes weichen müssen, die mächtiger sind, denn alles Verklagen des Teufels. Die Predigt des Evangeliums auf den Sonntag 22 nach Trinitatis kann allein schon uns einen Begriff davon geben, wie Luther den Wegen des kleingläubigen und verzagten Herzens nachzugehen vermag. Der Knecht in seiner Angst vermißt sich, die unerschwingliche Schuld bezahlen zu wollen, der arme Sünder ergriffen von den Schrecken des Gewissens verspricht Schuld mit Schulden abzutragen; wie nun der Herr die ganze Schuld erläßt, so spricht das Evangelium auch herzlich, o wie herzlich: „nicht, nicht also, mein Freund, es hilft nicht, daß du dich toll marterst und ängstest; deine Werke thun es nicht, sondern Gottes Erbarmung thuts, daß er sich deines Elends jammern läßt und sieht, daß du in solcher Angst steckest und dich würgest im Schlamm und dir nicht heraus kannst helfen; das siehet er an, daß du nicht bezahlen kannst, darum schenkt er dir Alles.“ Ungetrübter Trost ohne Einmischen von Gesetzeswesen, ohne Verklausulirungen wird hier dem armen Sünder angeboten, so daß ihm ebensowohl die Sünde herzlich leid wird über dem liebreichen Anerbieten der Gnade, wie auch sein Herze in Sprüngen geht und ein rechtes Vertrauen faßt zum freundlichen Herrn. Alles, was es Schönes und Liebliches in der Creatur giebt, der Himmel mit